Der ungarische Dirigent Antal Dorati (1906-1988) war es, der Anfang der 1970er Jahre für die DECCA sämtliche Symphonien des ältesten Wiener Klassikers Joseph Haydn als erster überhaupt aufzeichnete.
Als Orchester stand ihm die in Marl/Westf. beheimatete Philharmonia Hungarica, eine aus ungarischen Exilmusikern zusammengestellte und inzwischen den allgemeinen Sparmaßnahmen zum Opfer gefallene Formation, zur Verfügung. Dorati hat während seines langen Lebens verschiedenen Orchestern vorgestanden, und so gelang es ihm, aus dem durchaus nicht erstklassigen Klangkörper ein Ensemble zu bilden, das sich im Reigen der traditionsreichen europäischen Orchester nicht zu verstecken braucht.
Aus dieser ruhmreichen Gesamtausgabe legt die DECCA hier die sogenannten sechs "Pariser Symphonien" Nr. 82-87 als 2 CD-Box in Neuauflage vor. Schlanker Klang, feinnerviges, sensibles Spiel und gute Durchhörbarkeit zeichnen Doratis Versionen allesamt aus. Besonders die langsamen Sätze zeugen von großer Musikalität und warmherziger Spielfreude. Die Menuette werden lebhaft, aber keineswegs verhetzt, dargeboten, und die Trios zeigen besonders deutlich, wie gut das Orchester zur Zeit der Aufnahmen an allen Pulten ausgestattet war.
Neben neueren Aufnahmen von Adam Fischer (Nimbus) und Béla Drahos (Naxos) können sich die fast 40 Jahre alten Einspielungen noch gut hören lassen. Sie können auch als gute Alternative zu Marriners prachtvollen Londoner Aufnahmen (Philips) dienen, während sie Karajans Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern (DGG) in jeder Weise überlegen sind.
Ein brauchbares, dreisprachiges Textbuch liegt bei, und klanglich haben die Tontechniker bei der Neuüberspielung beste Arbeit geleistet. So kann man das Album jedem Haydn-Liebhaber wärmstens empfehlen.