die 1972 in hildesheim geborene pianistin ragna schirmer hat bei karl-heinz kämmerling musik studiert und sich in relativ kurzer zeit zu einer sehr eigenständigen pianistin mit hohem wiedererkennungswert gemausert.
die klaviermusik von haydn wird ja vielfach als musik zum warmspielen verunglimpft und manche pianisten spielen das auch tatsächlich so - möglicherweise deshalb haben diese sonaten, variationen und fantasien nicht den ruf, den sie eigentlich verdienen.
die vordergründig eher einfachen stücke sind auch gar nicht leicht auszudrücken, keine abgehobenheit wie bei schubert, kein pathos wie bei beethoven, keine leichtigkeit wie bei mozart...
frau schirmer hat diese musik sehr ernst genommen, sie spielt mit faszinierender genauigkeit, ihr anschlag ist eine seltsame mischung aus kraft und weiblicher zartheit. sie hat die seltene fähigkeit, den geneigten zuhörer in ihren bann zu ziehen und nicht mehr loszulassen.
ihre deutung der in der musik wohnenden figuren, die art wie diese miteinander kommunizieren, die präzise artikulation macht diese aufnahme zu etwas besonderem, ja zumindest aus meiner sicht zur referenz. kennt man schirmer's interpretation findet man bei anderen interpreten dieser stücke mit sicherheit kritikpunkte, manche werden sogar ungeniessbar.
referenzstatus kann man auch der aufnahmequalität attestieren. selten steht ein virtueller flügel so körperlich zwischen den lautsprechern, selten sind unvermeidliche nebengeräusche so selbstverständlich in das klangbild integriert, dass man das gefühl hat, live dabei zu sein.
ganz feine sache, das da!