Die 80er Jahre waren angeblich Neil Youngs schwierige Phase. Auf dieser Platte hört man nicht viel davon, finde ich.
Es beginnt wundervoll reduziert und die Songs könnten spartanischer nicht sein. Neil reißt sich auch keinen ab, um uns mit hochbedeutenden Arrangements zu beeindrucken. Er spielt sich einfach um seiner selbst Willen in stille Trance, und mir persönlich gefällt das viel besser, als manches von seinen sog. Klassikern. Für mich mitunter sogar das schönste an Feeling, was er je geschaffen hat - extrem beseelt! Diese ehemalige "erste Seite" ist wahrlich göttlich!
Auf "Seite 2" gibt sich Neil als kantiger, gereizter Country Rocker, teils schon fast punkig dahingerotzt. Diese Songs werden oft kritisiert, aus verschiedensten Gründen. Sollte es als politisches Statement zur damaligen Lage gemeint sein, könnte ich das irgendwie nachvollziehen. Ich interessiere mich wenig für Politik, aber Neil Young klingt so, als würde ihn so einiges ziemlich ankotzen. Das finde ich nicht schlecht, weil ich das Gefühl gut kenne...
Irgendwie schon ein Gegensatz, aber das kennt man ja von ihm ja inzwischen. Besser als leere Augenwischerei. Ich finde die Songs unter dem Aspekt auch gelungen.
Für mich ist die Scheibe die totale Überraschung im reichen Young-Katalog. Ich bin echt happy, diese Scheibe entdeckt zu haben und empfehle sie wärmstens weiter! "Seite 1" muss man einfach haben!!! Der Rest wird nicht jedem gefallen, aber vielleicht ja mit der Zeit, oder zum passenden Anlass.
Ein winziger Wermutstropfen bleibt allerdings: Die Spielzeit beträgt gerade mal 31 Minuten. Man wünscht sich echt, manche Songs würden ewig so herrlich relaxt weitergehen...
Gruß und viel Freude damit!