Dem Autor des Buches merkt man seine Tätigkeit als Redakteur, insbeseondere seinen
Studienhintergrund an. Die Präsentation wird aufgelockert und getragen durch Zitate
von Physikern und der Präsentationsstil ist eher dem geisteswissenschaftlichen
Segment zuzuordnen. Diese Eigenschaft unterscheidet das Buch wesentlich von anderen,
sich mit Kosmologie beschäftigenden Büchern des populäwissenschaftlichen Segments
und ist die Stärke des Buches.
Das Verfassen von Literatur bedeutet insbesondere das Ausrichten seines Inhaltes und
Stils an seine Zielgruppe. Das vorliegende Buch gehört zum Segment der
populärwissenschaftlichen Literatur an und hat insofern den interessierten Laien als
Leser im Auge. Typischer Anspruch an ein solches Buch ist das Vermitteln von Wissen,
besser noch Verständnis, für die Materie eines Fachgebietes. Das Buch von Rüdiger
Vaas verfehlt diesen Anspruch vollständig. Es werden Begriffe meist beiläufig in den
Raum geworfen, ohne diese wirklich zu erklären. Der Autor ist selbst kein Physiker,
was Gefahr für die inhaltliche Qualität bedeuten kann, aber es birgt die
außerordentliche Chance tatsächlich in der Sprache des Laien zu sprechen, sich den
Stolpersteinen bewußt zu sein, über die ein Laie fällt und gerade diese zu erklären.
Ich habe den Eindruck gewonnen, daß der Autor selbst keines der anspruchsvolleren
Konzepte auch nur im Ansatz verstanden hat, über die er in seinem Buch schreibt.
Als Indiz für meinen Eindruck, neben den inhaltlichen Ungenauigkeiten, nehme ich
einerseits die im Buch ausreichend erklärten Konzepte, nämlich die einfachen, und
andererseits die anspruchsvolleren Konzepte, die allesamt als Begriffe in den
Raum geworfen, für ein echten Erkenntniszuwachs des Lesers eine Erklärung
zwingend erfordern würden, jedoch nicht erklärt werden. Im folgenden ein paar
Beispiele: Der Autor behauptet, das Universum sei entweder sphärisch, euklidisch,
oder hyperbolisch. Warum das so ist, wird nicht erklärt. Was sind
Quantenfluktuationen? Was ist Quantengravitation? Was ist die Heisenbergsche
Unschärferelation? Was sind starke und schwache Kernkraft? Der Autor spricht
von sogenanntem "Tunneln". Was hat es damit auf sich? Der Autor verwendet das
Wort Potential in selbstverständlicher Weise, erklärt es aber nicht. Dies waren
nur ein paar Beispiele. Eine Auflistung aller ungeklärten Begrifflichkeiten
würde Seiten füllen. Ich habe Zweifel, daß ein Laie nach Lektüre dieses Buches
irgendetwas verstanden haben kann. Im Zuge der angesprochenen inhaltlichen
Unvollständigkeit wäre eine gegenteilige Behauptung fast schon beweisbarer Unfug.
Die in aktueller Forschung existierenden Konzepte und diskutierten Ideen, besonders
die in der Physik, wirken in den Augen eines kritischen Laien manchmal wie Spinnerei
und sehr weit hergeholt. Das sind diese Ideen und Konzepte aber nicht, sondern sind
durch Erkenntnisse motiviert und gerechtfertigt. Eine gute Darstellung eines Gebietes
sollte nicht, wie in diesem Buch, die Begriffe hinter einem Schleier verfüllen und
das Gebiet mit seiner Forschung wie Magie aussehen lassen, sondern eben obige Lücke
füllen. Sie sollte begreiflich machen, warum es Sinn macht diese Ideen zu diskutieren.
Für mich persönlich war dieses Buch das mit Abstand Schlechteste, das ich zu diesem
Thema bisher in der Hand hatte.