Das Positive vorweg: Wer einen Wanderführer für Hawaii in deutscher Sprache sucht, findet hier eine sehr nützliche Zusammenstellung verschiedener Touren in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Alle Inseln werden abgedeckt und sowohl für Gelegenheitswanderer als auch für Wanderprofis sind genügend Touren zur Auswahl dabei. Das Format ist praktisch kompakt und passt in fast jede Tasche der Wanderausrüstung.
Leider präsentiert sich dieser Rother Wanderführer dann doch oft laienhaft. Das fängt schon bei den Fotos an, die teilweise sehr gut sind und richtig Lust auf die Touren machen, ansonsten aber auch gut im privaten Familienalbum des Autors hätten verbleiben können.
Schlimmer für den Leser ist da schon das Kartenmaterial, welches kaum zu gebrauchen ist. Um die Ausgangspunkte einiger Tourenvorschläge zu finden, sind zusätzliche Karten notwendig. Die Karten beschränken sich eng auf die beschriebene Tour, sind teilweise winzig klein und damit wenig hilfreich bei der Navigation. Zugegebenerweise stellt dies bei gutem Wetter auf den gut ausgeschilderten Touren aber auch keinerlei Problem dar. Nachts hingegen sollte man sich nicht immer auf eine exakt angegebene Lage der Campingplätze verlassen. Höhenprofile der Touren sind leider keine enthalten.
Die Darstellung der Tourvorschläge hält sich sklavisch an die vergebene Nummerierung. Touren, die teilweise nur über andere Touren erreichbar sind und Touren die sich kreuzen sind streng getrennt voneinander beschrieben. Es gibt keine einzige Karte, in der die Lage der Wege zueinander erkennbar wäre. Eine kombinierte Planung artet so in lästiges Rätseln und hin und her Blättern aus, so z.B. bei den Touren 4, 5 und 6 oder 1, 2 und 3.
Die allgemeinen Angaben zu den Touren sind sehr hilfreich, könnten aber mitunter umfangreicher und präziser sein. Insbesondere bei Touren, für die Permitts notwendig sind, wäre eine Beschreibung des Vergabeverfahrens hilfreich. Der Hinweis, dass eine Genehmigung "lange Zeit im Voraus beantragt werden" sollte, ist hier zu knapp und wenig hilfreich. Die Angaben zu den Gehzeiten sind praktisch und beziehen sich auf ein zügiges Durchwandern der Touren. Wer sich gerne umschaut und viel fotografiert sollte deutlich großzügiger planen.
Mir persönlich (was man aber sicher auch anders sehen kann) hat der Tipp zur letzten Tour (Green Sand Beach) missfallen, wo und wie man am besten Sand als Reiseandenken mitnehmen kann. Das Mitnehmen von Sand ist an historisch bedeutenden Stätten der Ureinwohner ausdrücklich nicht erwünscht und die Ausfuhr ist darüber hinaus gesetzlich verboten.
Fazit:
Das Buch hat schon einen Gebrauchsnutzen, aber der Vergleich mit englischsprachigen Wanderführern fällt klar zu Ungunsten des immerhin fast 15 ¤ teuren Rother Wanderführers aus. Wer die englische Sprache und die kleine Schrift nicht scheut, ist z.B. mit dem Lonely Planet Hiking Guide deutlich besser bedient. Schon in den inselspezifischen Ausgaben des Lonely Planet sind umfangreichere Angaben und bessere Karten zu den Wanderungen enthalten.