14 metallene, durch Magie beseelte Drachen sind Volstovs wichtigste Waffe im jahrzehntelangen Kampf mit den Ke Han. Ihre skandalumwitterten Reiter bewegen sich ausserhalb gesellschaftlicher Normen und werden zugleich verehrt und verachtet. Doch einer von ihnen ging zu weit und provozierte einen Skandal mit einem Verbündeten Volstovs.
Für den Unviersitätsstudenten Thom ist es die Chance seines Lebens. und irgendwann, in weit, weit entfernter Zukunft würde er für seine Zeit beim Drachenkorps dankbar sein und darüber lachen können. Aber Benimmlehrer für 14 erwachsene Männer zu spielen, die keine Einmischungen dulden, ist kein Kinderschlecken. Vor allem Rook, der Auslöser des Skandals und Kapitän von Havemercy, hat es auf ihn abgesehen.
Auch Margrave Royston, Magier, Lebemann und Kriegsheld, findet sich inmitten eines internationalen Skandales wieder. Er wird auf den Landsitz seines Bruders verbannt. Royston, der die Engstirnigkeit des Landadels, nasse Wälder und riechende Schafe längst hinter sich geglaubt hatte, versinkt in Depressionen.
Als der Krieg mit den Ke Han wieder aufflammt, scheint ein baldiger Sieg in Reichweite. Doch frühe Erfolge täuschen. Die Ke Han habben eine Waffe entwickelt, die Volstov mitten ins Herz trifft - seine Magie und damit seine Drachen ...
Wer aufgrund der metallenen Drachen Ähnliches wie Naomi Noviks Erfolgsreihe Temeraire erwartet, wird überrascht werden (in meinem Fall war es überaus positiv). Denn das Autorenduo Jaida Jones und Danielle Bennet wählt einen völlig anderen Ansatz, der an Sarah Monettes Labyrinthe Series erinnert. Da wie dort stehen die zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten (und Ich-Erzähler) im Zentrum und ziehen den Leser in ihren Bann. Man lebt mit den Auf und Abs mit, fühlt die Spannung, das sich anbahnende Drama und erfreut sich an der herrlich altmodischen Romanze zwischen Royston und Hal (einem der 4 Protagonisten). Dabei gelingt es dem Autorenduo Emotionen ehrlich und direkt zu transportieren und Kitsch und Schwülstigkeit zu vermeiden. Die persönlichen Geschichten der Protagonisten fügen sich nahtlos in den größeren Handlungsrahmen ein und bilden ein äußerst befriedigendes Gesamtergebnis.
Kleinere Schwachstellen kommen, wie bei einem Erstlingswerk nicht anders zu erwarten, vor.
Die Stimmen der Ich Erzähler sind unterschiedlich (Rook aggressiv und im Dialekt, Thom und Royston gebildet, letzterer manchmal etwas umständlich und altmodisch, bei Hal scheint immer wieder seine Unerfahrenheit und Intuitivität durch), die Sprache flüssig. Trotzdem gab es immer wieder Wendungen, die mich inne halten ließen (beim zweiten Durchgang störten sie mich weniger).
Außerdem finde ich, dass Bennen & Jones bei ihrem Weltenentwurf nicht konsequent genug waren, was sich vor allem bei der Namensgebung zeigt. Volstov ist an Russland angeleht, die Namen (bis auf den des Landes) sind jedoch alles Anglizismen. Mit anderen Namen hätte noch mehr Atmosphäre aufgebaut werden können.
Auch über den Gegner Volstovs erfährt man kaum etwas. Die Beweggründe der Ke Han für den jahrzehnte langen Krieg und ihre immense Opferbereitschaft bleiben im Unklaren. Ich glaube aber, dass das Autorenduo sich in Folgebänden damit auseinandersetzen wird.
Insgesamt inst HAVEMERCY ein tolles Debüt, das ganz meinen Geschmack getroffen hat und das ich insbesondere Fans von Lynn Flewelling und Sarah Monette ans Herz legen würde.