Nachdem das letzte Aerosmith Album mit eigenem Material auch schon wieder gefühlte 30 Jahre her ist, freut man sich als überzeugter Anhänger der Bostoner über fast jede Neuveröffentlichung der Luftschmiede. Und dass ,Have Guitar Will Travel' mehr ist, als nur eine Zwischenmahlzeit für den hungrigen Fan, wird bereits nach dem ersten song klar.
Aus dem mit einem Synthie lick beginnenden ,We've Got A Long Way To Go' wird dann nach fliegender Übernahme desselben auf die Gitarre, ein veritabler und ziemlich überzeugender Rocker, der tatsächlich auch Perry's eigenen Stil herausstreicht. ,Slingshot' setzt den typischen, stark vom Blues beeinflussten Perry-Stil fort, bevor man mit ,Do You Wonnder' die eher poppigere - und für Aerosmith ab ,Get The Grip' typische - Variante vorgesetzt bekommt.
'Somebody's Gonna Get (Their Head Kicked in Tonite)' ist dann eine eigentümliche, aber sehr unterhaltsame Spaßnummer, die wie ein 50ties Rock'n'Roll auf Punk gespielt klingt. Auf ,Heaven And Hell' fröhnt Perry ganz ungeniert dem Britpop, tut das aber sehr gekonnt und eigenständig - klasse song. ,Nor Surprise' fällt dann ein wenig ab - zu flach ist hier das songwriting, dafür versöhnt dann das äußerst dichte und hochdramatische rock-instrumental ,Wooden Ships' umso mehr. An dem hat er viel zu Hause herumgetüftelt, das hört man, und es würde ein hervorragendes Titel-Thema zu einer Krimi-Serie abgeben.
,Oh Lord' klingt unheimlich psychedelisch und ist in seiner Anmutung Tyler's bester Eigenkomposition ,Dream On' sehr ähnlich. Es erreicht zwar nicht ganz die Klasse dieser Jahrhundertballade, ist dafür aber mit viel mehr Liebe zum Detail arrangiert.
,Scare The Cat' und ,Freedom' sind dann wieder ,sleazy' uptempo Rocker im Stile der frühen songs von ,Rocks' oder ,Draw The Line' und klingen als Vorboten einer - hoffentlich bald erscheinenden - neuen Aerosmith CD sehr vielversprechend.
Ein sehr gutes Album, dem der fünfte Stern nur deswegen versagt bleibt, weil ein wirklicher eingängiger Knaller hier nicht drauf ist - und weil den vocals, bei denen Perry sich mit Hagen abwechselt, einfach der nötige (Aus)Druck für dieses heftig rockende Album fehlt.
Achja, übrigens - tolles cover!