Die britische Serie "Hautnah - Die Methode Hill" ist leider vorbei, nun wurden die sechs Staffeln in einer dicken Box mit Bonusepisode veröffentlicht. Die Box ist aus stabiler Pappe, die einzelnen Staffeln sind leider auch in dünner Pappe als Digipack Slimcases gesteckt, deren Halterungen mit der Zeit sicherlich nachgeben. Auch Fettflecken oder ähnliches könnten leicht an dieses Sammlerstück kommen. Das ist ärgerlich und wäre durch Plastikhüllen besser gelöst. Ist vielleicht eine Frage des Geldes? Zur Veröffentlichung kostet die Box überall um die 94 Euro, was 15,67 Euro für eine Staffel mit 4 Folgen a 90 Minuten macht (nur die erste Staffel hat drei Episoden), die Bonusfolge nicht mitgerechnet!
Allgemein handelt die Reihe vom Doktor der Psychologie, Tony Hill der einen Lehrstuhl an einer Universität hat und als Profiler bei Serienmördern der Polizei zur Seite steht. Hill ist leicht verschroben und hat seine Ticks, kann sich aber sehr gut in den Ablauf der Taten und Beweggründe hinein versetzen (was optisch gut gelöst wurde) und ist somit der Polizei immer mehr als eine Nasenlänge vorraus!
Staffel 1:
In der ersten Staffel hat es die Polizei direkt in der ersten Folge mit einem äußerst fiesen Serienkiller zu tun, der Männer foltert, kastriert und dann per Kehlenschnitt tötet. Das Ganze wird noch gefilmt. Die Männer findet er im Schwulenmilieu. Gegen den Willen ihrer Kollegen und Vorgesetzten holt sich Detective Inspector Carol Jordan Hilfe beim erfahrenen Psychologen Tony Hill und dieser bringt Erfolg auf ganzer Linie.
Als wiederkehrendes Element der Folgen besucht Hill eine kranke Kindsmörderin hinter Gittern von der er seit Jahren versucht, die Grabstätte der Kinderleichen zu erfahren. Hill ist verbissen und trotzdem wirklich einfühlsam bei dieser Angelegenheit.
Staffel 2:
Kurioserweise ist die eine der Polizistinnen nicht mehr dabei, für die farbige Darstellerin kam nun eine weiße mit kurzen Haaren die nun für DI Jordan arbeitet. Somit sind es drei wiederkehrende Charaktere für den Zuschauer.
Die Fälle sind breit gefächert und spielen ausnahmsweise mal in der Welt der Prominenten des TV-Business. Einmal spitzt es sich zu, Hill wird von seiner Assistentin, einer Studentin zu Unrecht der Vergewaltigung bezichtigt und wird verhaftet. In der Zwischenzeit spitzt sich die Lage bei der inhaftierten Kindermörderin zu. Sie erinnert sich an die Grabstätten, doch Hill kommt nicht, was sie nicht verkraftet.
Staffel 3:
Der etwas oberflächlich wirkende, mürrische, dickliche Polizist ist nicht mehr im Team dabei, für ihn kommt auch kein Ersatz und kurioserweise wird er auch nirgends so wirklich namentlich erwähnt. Das war bei der schwarzen Kollegin eine Staffel vorher genau! Aus den Augen, aus dem Sinn. Sowas mag der Zuschauer wirklich nicht!
Als Vorlage für die Reihe dienten die Bücher von Val McDermid. Im Original heißt das Ganze "Wire In The Blood" und wurde aufgrund hoher Kosten leider nach sechs Staffeln eingestellt!
Die Fälle spielen in dieser Staffel vermehrt bei normalen, oft sozial schwachen Leuten in trostlosen Gegenden des fiktiven Bradbury, wo es dunkel ist, regnet (!) und abstruse Morde passieren. Very british halt! Allein die Kindermorde ohne Brutalität und Blut in der ersten Folge sind so spannend wie beklemmend zugleich. Hauptdarsteller und Star der Serie Psychologe Tony Hill, denkt sich voll in die Täter hinein, was optisch gut und spannend gelöst wurde. Er unterrichtet Studenten, berät die Polizei und hat neben anderen Polizisten (Nebenrollen) viel mit Chief Inspector Carol Jordan zu tun. Mit ihr entwickelt sich eine Freundschaft, aber eine Beziehung bekommen sie einfach nicht hin. Hill ist immer noch leicht verschroben, aber kein Vergleich zu "Monk". Action gibt es wenig, Ernst ist das Ganze bis auf die Macken von Hill auch. Aber irgendwie auch very british.
In der Staffel kämpft Hill als Nebenschauplatz mit einem Gehirntumor und einer krankhaften Stalkerin. Die Serie ist definitiv endlich mal was anderes als die übliche Krimikost!
Staffel 4:
Hills geliebte DI Carol Jordan ist weg, sie wurde zu der Scorpions Spezialeinheit versetzt und hat sich anscheinend bei keinem verabschiedet. Tony ist durch diese Tatsache und Nachwirkungen der Operation auch nicht ganz auf dem Damm. DI Fielding, die neue Frau bei der Polizei will Hill gar nicht zur Seite haben und lässt den klugen Mann mehrfach auflaufen. Doch er drängt sich ihr fast wie ein Stalker auf und darf nach einer Weile dank Hartnäckigkeit und Fachwissen wieder bei der Polizei als Berater mitwirken.
Staffel 5:
Das Leben ist nicht schön, schon gar nicht in England! In grauen, tristen Bildern werden Kinder ermordet, Ritualmorde durchgeführt, Frauen vergewaltigt und umgebracht. Das Alles gibt es in vier Geschichten auf vier DVDs. Doch Psychologe Tony Hill, ein schlauer Kopf mit weniger Spleens als man denken könnte, unterstützt die Polizei und hat eine starke Gabe für Zusammenhänge und das Verhalten von Menschen. So wird er von der seit der vierten Staffel involvierten Polizistin Alex Fielding immer wieder bei Verbrechen zu Rate gezogen und löst diese mit dem Kopf und ohne Faust. Dabei sieht man, außer seinem und Frau Fieldings wenigem Privatleben, nichts Privates der Polizisten, die eh nur Stichwortgeber für die beiden Hauptakteure sind. Viel Platz nimmt auch das Agieren und Leben der Verdächtigen und Opfer ein. Man könnte meinen, dass England so hässlich und krank ist, wie es die Serie "Hautnah - Die Methode Hill" in dieser fünften Staffel zeigt! Humor und Gags sind hier rar gesät, höchstens mal eine spitzzüngige Bemerkung von Dr. Hill regt zum Grinsen an. Dass sich die Bewohner dieser trostlosen, oft bewusst grau und dunkel gefilmten fiktiven Welt Bradfield nicht alle kollektiv umbringen wie die Lemminge wundert mich nach vier Folgen a 90 Minuten doch sehr. Auch ist es natürlich wie bei allen Serien immer unrealistisch, wenn in so einem Kaff so viele ungewöhnliche Morde passieren, aber das kennt man ja aus anderen Krimis und sieht dann drüber weg! Die ultra spannende Folge "Die Macht des Schreckens" beschäftigt sich mit Voodoo Morden und ist das gruselige Highlight dieser Serie, in denen es von sozialen Missständen bei Tätern und Opfern nur so wimmelt. Leider gibt es wieder einmal keinerlei Extras auf der an sich gut gemachten Box, was bei solch einer Serie sehr schade ist!
Staffel 6:
Schade! Das war die letzte Staffel der britischen Serie "Hautnah - Die Methode Hill". Die Reihe wurde wegen hoher Kosten 2008 eingestellt, was einerseits sehr schade ist, andererseits im Anbetracht dieser Staffel auch vielleicht logisch. Gut, dass die Reihe sooo teuer ist (750.000 Pfund pro Episode!), kann ich als Laie nicht so nachvollziehen, da außer bei den Visionen vom Hauptdarsteller Dr. Tony Hill wenig Special Effects benutzt werden und hier keine Riesenstars die Gagen abzocken, aber ich will das mal glauben.
Schwieriger ist es, eine glaubhafte Story zu liefern, wenn es um kranke Serienkiller geht. Dann ist irgendwann alles abgegrast und manche Ideen dieser wie immer vier Episoden a 90 Minuten wirken dann doch etwas konstruiert. Man fragt sich dann kurz ob es in dieser Ecke von England so viele Mörder auf einem Haufen gibt und versucht diese Bedenken dann auszublenden, da es ja eine Serie ist.
Schlimmer ist aber, dass die Killer mehr und mehr abgehobener werden, was der Box auch den FSK 18 Button einbrachte. Michael, ein Killer isst Teile seiner Opfer die er lange quält. Das alles sieht man nicht, aber das langte der FSK wohl die FSK 16 nur bei dieser Folge nicht zu vergeben!
Michael ist auch zentrales Thema der Staffel, da er im Gefängnis auch mit Hill in Verbindung bleibt. Leider ist der an sich gut gespielte Bösewicht, wenn man es genau nimmt, nur eine Variation von Hannibal Lector. Ein Wolf im Schafspelz. Auch die Idee Hill als Verdächtigten zu zeigen, da eine Bekannte getötet wurde, ist nicht originell und vielleicht sogar etwas sehr konstruiert.
Warum ich die Serie noch gut finde? Sie ist gut gemacht und spannend. Robson Green spielt den spleenigen Doktor genial und seine kleinen Kämpfe mit dem realen Leben sind echt grandios. Auch knüpft der Mann wieder zarte Bande zu seiner Chefin bei der Polizei D.I. Fielding, was er zwar auch irgendwie bei ihrer Vorgängerin tat, jedoch hier auch passt. Mehr ist aber nicht zu sehen und einiges bleibt auch offen, da die Reihe wie gesagt leider eingestellt wurde. Auch dieses Mal gibt es unglaublicher Weise keinerlei Bonusmaterial, was ich sehr schade finde.
Bonusfolge / Special:
Die als Special betitelte Episode ist eine eigentlich ganz normale Folge "Hautnah - Die Methode Hill", nur diese Mal spielt die Handlung in Texas, USA!
Psychologe Hill ist ganz auf sich allein gestellt in der Glut des Südens unterwegs und berät einen straffälligen US-Soldaten, den Hill bereits in England schon einmal begutachtet hat. Dieser Mann soll in der Heimat seine Frau und zwei Kinder umgebracht haben! Hill glaubt mit der Zeit nicht mehr an die Schuld des Mannes und versetzt sich (wieder optisch toll präsentiert) in die Rolle der Opfer und Täter an den Tatorten, um so an Informationen über den Fall zu gelangen.
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