Dieses Buch wurde vor einiger Zeit in der Südwestpresse rezensiert und stand seither auf meinem grossen Bücherwunschzettel. Meistens lese ich die eine oder andere Meinung anderer Leser/innen, bevor ich ein Buch bestelle. Ich wurde endgültig neugierig auf das Buch. Eine höchst positive Rezension in der Zeitung, ein entschiedener Verriss hier, der aber dennoch auf einen starken (negativen) Eindruck schliessen liess.
Ich bin froh, dass ich meiner Neugier auf das Buch nachgegeben habe. Meine Meinung dazu:
Ich habe selten ein Buch gelesen bzw. in diesem Fall v.a. angeschaut, das mich derartig positiv und nachhaltig beeindruckt hat.
Meine letzte Hausschlachtung liegt nicht in meiner Kindheit, erst letzten Februar war es wieder so weit. Schlachttag. Das erste Mal nicht nur als Helferin, sondern ein eigenes Tier, unsere Sau. Ich war selbst gespannt, wie ich reagieren würde. Ich lasse ein Tier für mich umbringen. Ich bin nah dabei, wenn Leben für meine Ernährung beendet wird, es findet nicht räumlich und emotional weit weg im Schlachthof statt. Ich habe Bezug zu meinem Essen, ich habe es wachsen sehen. Ich wollte es so, wollte weder Vegetarier werden noch weiterhin auf das 'anonyme Fleisch' angewiesen sein. Wollte wissen, wie das Tier gelebt hat, was es gefressen hat, dass es keinen tierquälerischen Transport quer durch Europa und die Angst im Schlachthof hinter sich hat. Biofleisch, das ich ethisch vertreten kann, kann ich mir nicht leisten. Mir geht es nicht um Schweinepest, MKS, BSE oder Rückstände, mir geht es darum, dass es um Leben geht. Leben, das so gut ('tiergerecht') wie möglich sein muss - bis zum Tod.
Ich hatte Angst vor dem Moment des Schlachtens und war auch nicht dabei, das gebe ich zu. Diese letzte Konsequenz habe ich nicht über mich gebracht. Ich hatte auch Angst davor, unsere Buzzel nicht essen zu können.
Aber es ist noch am gleichen Tag und vor allem in der Folgezeit etwas anderes, Unerwartetes passiert. Ich habe noch nie einen derartigen Respekt vor meinem Essen empfunden. Ich habe mich noch nie bei einem Tier bedankt, dessen Fleisch ich gegessen habe. Heute tue ich es. Skurril oder nicht, egal.
Und hier komme ich zurück zu diesem Buch. Es hat mich in seinen Bann gezogen. Auch wir standen so da, dick und unförmig eingemummelt in der Februarkälte, vielleicht auch mit glasigem Blick (wobei dazu kein Schnaps fliessen muss). Haben auf den Tierarzt gewartet, haben Därme gewaschen und geschabt, am Kessel im Dampf gekämpft, zwei Tage hart gearbeitet für Fleisch und Wurst. Wir wussten, was wir tun, es war keine abstrakte theoretische Arbeit, wie sie in meinem Alltag vorherrscht.
Es ist ein wunderbares Buch mit wahrhaft starken - auch technisch m.E. guten - Fotografien. Menschen ganz bei sich, kein aufgeplusterter Schein vor der Kamera, keine Zurschaustellung, keine 'Schönheiten' im heutigen Sinne. Aber für mich ganz persönlich schön, da unverfälscht und echt.
Es ist kein Buch für diejenigen, die eigentlich nicht wirklich wissen wollen, woher Fleisch kommen kann, wie Tod, Blut und Fleisch ausserhalb des Styroporpacks in der Supermarkttheke aussehen. Einige Bilder werden empfindliche Menschen als ekelerregend empfinden. Auch die Menschen werden auf Einige angsichts von Optik und Tätigkeit abstossend wirken oder auch nur fremd.
Vielleicht muss man es selbst erlebt haben, um das Buch gut zu finden. Vielleicht reicht aber auch nur der Wunsch zu erfahren, wie es 'früher' mal war - auch wenn die Bilder von heute sind.
Bleiben noch die neutralen Details: gut und stabil gebunden, gutes Papier, angenehm zum in-der-Hand-halten und sehen (warme Farben, Warmton-S/W-Bilder).