Ich muss dienstlich jeden Tag in die Karl-Löwe-Straße, und mich interessierte, wer dieser Karl Löwe war. Offenbar war er nicht derselbe Karl Löwe wie der, dessen Musik ich hier rezensiere, denn der schreibt sich mit "C" und "oe". Der hier zu besprechende Komponist Carl Loewe (1796 - 1869) hat die Vorarbeit geleistet zu dem, was der contergangeschädigte Thomas Quasthoff mit seiner Baritonstimme anreichert.
Die Musik hätte man besser weglassen oder durch instrumentale Einlagen ersetzen sollen. Wenn ich eines ungern höre, dann sind es Lieder aus dem 19. Jahrhundert. Mittelalter-Lieder aus dem 16. Jahrhundert mag ich gern, aber dem 19. Jahrhundert stehe ich emotional nicht so nah, obwohl da meine Urgroßmutter geboren ist, aber das nur am Rande.
Die Sprecher: Anna Thalbach gefällt mir als Sprecherin am besten. Bei ihrer Stimme lebe ich richtig auf. Eva Matthes spricht gut verständlich und akzentuiert, wie auch Christian Rode und Andreas Fröhlich, der auch Bob Andrews für die Hörspielreihe "Die drei ???" seine Stimme gibt. "Verwunschen" von Wilhelm Busch auf CD 4 liest Anna Thalbach einfach genial. Mathieu Carrière haucht die Balladen mehr, als dass er sie spricht. Im Auto kaum verständlich, ebenso sind Boris Aljinovic und Urich Matthes im Auto schlecht zu verstehen, da sie relativ dumpf klingen. Muss man die CDs halt zuhaus hören.
Boris Aljinovics Stimme mag ich eigentlich. Ulrich Matthes Stimme klingt langweilig. Besonders langweilig trägt er Goethe's "Der Fischer" vor. Da sag ich doch nur: "Halb zog er mich (der Schlaf), halb sank ich hin".
Udo Wachtveitl ist gut verständlich und ich mag die Stimme.
Kommen wir zu den Balladen: Da empfehle ich einen Helm beim Öffnen der Sammlung aufzuziehen, denn ihr Umfang erschlägt einen zunächst einmal. 4 CDs mit einer Laufzeit von 304 Minuten, also 5 Stunden. Die Sammlung ist locker um die Inhalte Kunst, Liebe, Lebensläufe, Politik, Krieg, Charakter, Schicksal und Tod geordnet. Leider ist weder im beiliegenden Booklet, noch auf dem CD-Rücken zu erkennen, um welche Themen es sich jeweils auf der CD handelt; es sei denn, man kennt die Balladen bereits.
Zunächst hat mich erstaunt, dass die Dichter durch die Epochen bunt durcheinander gewürfelt sind und dass Erich Kästner oder Heinz Erhardt neben Goethe, Schiller oder Heinrich Heine und Theodor Fontane stehen. Vielleicht hätte man nach Epochen ordnen können ?
Man findet also auch mehrere moderne Dichter, wie Bert Brecht, Kurt Tucholsky, Ulla Hahn und Mascha Kaléko.
Allgemein bekannt dürften sein: "Heideröslein" von Goethe, "Die Glocke" und "Der Handschuh" von Schiller, "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" von Fontane, und "Ein Jüngling liebt ein Mädchen" von Heinrich Heine.
Mir gefallen durch die Bank die Balladen von Wilhelm Busch, z.B. "Meyer und Isolde" oder "Der alte Narr". Ulknudel Heinz Erhardt finde ich auf dieser Sammlung nicht so ganz passend ' ist mir zu humoristisch.
Das Beiheft ist ein wenig unübersichtlich: Zunächst eine kurze Einführung, dann die Titel auf jeder CD mit Sprecher und Zeitangabe. Einzelne Balladen sind auch abgedruckt, man weiß aber nicht nach welchem Kriterium.