"Vor Hausfreunden wird gewarnt" ist ein Glücksgriff sondergleichen. Es handelt sich um eine gewitzte, erkennbar auf einem Theaterstück basierende Komödie mit ein bißchen Ehebruchdrama am Rande, die unter im wesentlichen zwei distinguierten Herren, einer ebensolchen Dame und einem etwas flippigeren, extravaganten weiblichen Sidekick spielt. "Dialogfilm" ist hier definitiv kein Schimpfwort, es wird viel geredet - aber mit Aplomb! Cary Grant und Deborah Kerr geben ein Ehepaar in einer Eigentlich-nicht-Krise, Robert Mitchum ist der Nebenbuhler, Jean Simmons eine in ziemlich extravagante und farbensprühende Dior-Roben gehüllte Freundin. Ein blendend aufgelegtes Quartett, Simmons und Mitchum gegen den Strich, die beiden anderen entsprechend den Erwartungen besetzt, und alle vier gehen in ihren Rollen auf, spielen sie aber dennoch erstaunlich nuanciert (außer die hochverehrte Simmons vielleicht, aber das liegt nicht an ihr, sie ist ein Kontrast und darin perfekt, bis hin zur fein modellierten, diesmal offensichtlich bewusst ein bißchen höheren, schrilleren Stimme, aber kombiniert mit diesem Rest von britisch distinguierter Aussprache). Es gibt ein exzellentes Drehbuch, an dem man sieht, was eine glänzende gehobene Boulevardkomödie ausmacht. Ein bißchen ist das mit geistreichen, witzig-distinguierten Wortkünstlern wie Noel Coward, Billy Wilder und Joseph L. Mankiewicz zu vergleichen. Es gibt Anspielungen, Wortspiele, Doppeldeutigkeiten, gegenseitiges Abtasten auf höchstem Niveau, Sottisen, Wortverdrehungen, Anspielungen auf Klassiker (z.B. Shakespeare) und "klassische" Lebensweise (Mitchum und Grant wollen um die Kerr im Pistolenduell kämpfen), fein modellierte Sätze und Wörter im britisch-amerikanischen Gekabbel (allein diese Diskussionen um Unterschiede zwischen Haus und Heim und um verschiedene Bezeichnungen für Dinge rund um Drinks, köstlich). Hinzu kommen ein ausdrucksstarkes Minenspiel und eine kongeniale Einbeziehung der Örtlichkeiten, zu denen die Personen in Bezug gesetzt werden. Dies sieht man insbesondere am Anfang - nicht dass es danach schwächer wird, aber am Anfang ist es am Wichtigsten: Cary Grant und Deborah Kerr sind ein Ehepaar, das in einem unglaublich prunkvollen Schloss lebt (Regisseur Donen frönt seiner Neigung zu luxuriöser Eleganz und einem tiefen Griff in den Farbtopf). Aber - ein ironisch-süffisantes Lied von Noel Coward hat es bereits gesagt - der Glanz der alten englischen Königsschlösser ist passé. Die beiden verwalten das Haus für die Krone, lassen Touristen hindurchspazieren und benötigen den Butler nur des schönen Scheins willen. Kerr verdient sich ein bißchen was durch die als eher dröge dargestellte Arbeit des Züchtens und Verpackens von Pilzen. Wie die beiden in diesem Luxus leben, von dem sie doch so wenig haben, spiegelt den Zustand ihrer Ehe wider: Sie behandeln sich gut und lieben sich definitiv noch, aber sie wissen letzteres vielleicht nicht mehr so genau, denn sie sind einander genauso selbstverständliche Ausstattungsstücke geworden wie alles in dem Schloss - also Fassade! Man muss nur einmal darauf achten, wie gelangweilt Cary Grant guckt, wenn die Kerr ein Frühlingsgedicht (Achtung, Frühlingserwachen!!!) rezitiert, dann ist alles klar. Und genau das ist der Grund, weswegen ich in einem Punkte einem anderen Rezensenten widersprechen möchte. Er hat es dem Plot nicht abgenommen, dass sich die Kerr in dreißig Minuten in einen US-Ölmillionär verliebt, den sie noch nie zuvor gesehen hat. Man darf gerne verschiedener Ansicht sein, aber ich habe es dem Film jede Sekunde geglaubt und bewundere ihn dafür, wie geschickt er den Boden bereitet hat für diese sicherlich ungewöhnliche Entwicklung.
Es wird dann zu einem Ehebruch kommen, der hübsch ironisch gezeigt wird: Man beschließt, sich besser NICHT mehr zusammen zu zeigen, und eine Montage zeigt, was Mitchum und Kerr den lieben langen Tag NICHT machen, und dass sie am Ende NICHT in dem Schlafzimmer sind, dessen Tür sich sanft schließt. Ziemlich schnell wissen alle alles, und was echte Gentlemen sind, die machen das unter sich aus, und zwar nicht mit Fäusten, Wut und Verzweiflung, sondern sehr distinguiert, oftmals zur schieren Freude des Zuschauers, aber auch mit großer Würde und echten Gefühlen hinter den ganzen Dialogkunststückchen. Sogar eine gewisse Freizügigkeit in den damals möglichen Maßen gönnt er sich: Der Ami Mitchum meint, die Engländer hätten ihre eigene Statue of Liberty verdient, und Grant entgegnet, Mitchum meine vielleicht eher eine Statue of Libertine. Wenn das 08/15 der Eheberatung herausgekramt wird und es heißt, die Zuneigung lasse nach, wenn das sexuelle Feuer abgeklungen sei, machen Grant und Kerr klar, dass Letzteres bei ihnen definitiv nicht der Fall sei. Dieser Film ist durch die Bank sowas von witty, dass es eine Freude ist. Geistreiche Komik, geschliffene Texte, elegante Settings, ebensolche (und noch dazu hervorragend spielende) Darsteller. Und obwohl das nicht gerade eine Slapstickklamotte ist, gibt es einige wirklich saukomische Highlights. Vor diesem Film wird nicht gewarnt. Nur davor, ihn sich entgehen zu lassen.