Im Roman "Hausaufgaben" geht es um den Gymnasiallehrer Joachim Linde, der so um die 45 ist und der sein Leben mehr schlecht als recht im Griff hat. Als Lehrer gibt er Hausaufgaben auf, aber seine persönlichen Hausaufgaben hat er nicht gemacht. Weder seine Schüler noch seine Familie hat er im Griff. Es tun sich nur Konflikte auf, so dass er sein wohlverdientes Weekend nicht antreten kann. Aus seiner Sicht läuft alles irgendwie schief. Seine depressive Frau hat einen Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt nötig, die Tochter flüchtet zu ihrem Freund nach Mailand, der Sohn hat einen Autounfall und seine Kollegen in der Schule vertrauen ihm nicht mehr, nachdem Zweifel an seiner Unterrichtsgestaltung aufkommen und der Verdacht von seiner Frau in den Raum gestellt wird, er habe seine Tochter sexuell missbraucht. Irgendwie schwimmt er durch sein Leben, das von Halbwahrheiten, Selbstgerechtigkeit und Peinlichkeiten geprägt ist. Als Charakter ist er stark ambivalent, irgendwo zwischen einem tragischen Helden und einem Blödmann. Irgendwie ein netter, aber auch gleichzeitig ein grässlicher Typ.
Jakob Arjouni schreibt in einer flotten Sprache, die eine grosse Leichtigkeit versprüht, so dass es macht richtig Spass, das Buch zu lesen. Auch werden politisch kontroverse Themen (Deutsche Vergangenheitsbewältigung und Schuld, Kritik an Israel, Missbrauch mit dem Missbrauch) in intelligenter Weise behandelt und kunstvoll in die Handlung eingewoben. Die Kollektivschuld wird der individuellen Schuld von Linde gegenüber gestellt. Schliesslich überzeugt vor allem auch der lakonische und nicht immer politisch korrekte Humor, der ständig die Schilderungen der Irrungen und Wirrungen des Joachim Linde begleitet.