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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Professor Unrat,
Von
Rezension bezieht sich auf: Hausaufgaben (Taschenbuch)
Herr Literaturprofessor Linde freut sich am Freitag schon auf das von ihm lange geplante Wanderwochenende in Brandenburg. Während seine Gattin Ingrid zufolge ihrer schweren Depressionen wieder einen ihrer regelmäßigen Aufenthalte in der Psychiatrie verbringt, beabsichtigt der fröhliche Linde, sich auf der Wandertour zu entspannen. Doch dann gerät sein freitägliches Seminar über die Auswirkungen des Naziterrors auf die deutsche Nachkriegsliteratur unvermutet aus dem Ruder und zwischen zweien seiner Schüler kommt es zum Eklat. Linde versucht eine rhetorische Bereinigung der Situation und rhetorisch ist Linde - das weiß er auch - begabt. Doch das ist nur der schulische oder berufliche Auftakt eines Wochenendes, das Linde zum Albtraum gerät. Schritt für Schritt beginnt die Demontage des ziemlich heilen Weltbildes eines Lehrers, der sich selbst für aufgeschlossen, politisch korrekt und einen liberalen Bürger hält und obendrein für einen besorgten Ehemann und modernen Familienvater. Ganz langsam zerbröselt die Fassade eines Biedermannes, der letztlich ziemlich nackt und schäbig um sein gesellschaftliches und berufliches Überleben kämpfen muss.
Eine dichte Erzählung über Vorurteil und Wahrheit, Lüge und Ressentiment, Schein und Wirklichkeit. Gnadenlos und realistisch seziert der Autor die bürgerliche Welt und Umwelt des nicht wirklich unsympathischen Protagonisten, aus dessen subjektiver Sicht wir die Dinge mitverfolgen können. Was sich wirklich ereignete, wissen wir nicht. Es könnte so gewesen sein, wie Linde es uns Leser und - vor allem - sich selbst Glauben machen will. Wir wissen ja um Lindes rhetorische Begabung und seinen Wortwitz. Vielleicht liegt die Wahrheit aber doch im Inhalt des E-Mails seiner depressiven Frau, das diese aus der Psychiatrie an die Lehrerkollegen ihres Gatten versendet. Oder bei Lindes Tochter, die nach einem Selbstmordversuch das Elternhaus verlassen hat. Was bleibt Linde übrig, als an seiner Lebenslüge festzuhalten, wenn um ihn (oder durch ihn?)alles in Scherben zerbricht? Ein interessantes Buch, das Fragen nicht beantwortet und zum Nachdenken anregt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Midlife-Crisis eines Deutschlehrers,
Von
Rezension bezieht sich auf: Hausaufgaben (Gebundene Ausgabe)
Im Roman "Hausaufgaben" geht es um den Gymnasiallehrer Joachim Linde, der so um die 45 ist und der sein Leben mehr schlecht als recht im Griff hat. Als Lehrer gibt er Hausaufgaben auf, aber seine persönlichen Hausaufgaben hat er nicht gemacht. Weder seine Schüler noch seine Familie hat er im Griff. Es tun sich nur Konflikte auf, so dass er sein wohlverdientes Weekend nicht antreten kann. Aus seiner Sicht läuft alles irgendwie schief. Seine depressive Frau hat einen Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt nötig, die Tochter flüchtet zu ihrem Freund nach Mailand, der Sohn hat einen Autounfall und seine Kollegen in der Schule vertrauen ihm nicht mehr, nachdem Zweifel an seiner Unterrichtsgestaltung aufkommen und der Verdacht von seiner Frau in den Raum gestellt wird, er habe seine Tochter sexuell missbraucht. Irgendwie schwimmt er durch sein Leben, das von Halbwahrheiten, Selbstgerechtigkeit und Peinlichkeiten geprägt ist. Als Charakter ist er stark ambivalent, irgendwo zwischen einem tragischen Helden und einem Blödmann. Irgendwie ein netter, aber auch gleichzeitig ein grässlicher Typ.Jakob Arjouni schreibt in einer flotten Sprache, die eine grosse Leichtigkeit versprüht, so dass es macht richtig Spass, das Buch zu lesen. Auch werden politisch kontroverse Themen (Deutsche Vergangenheitsbewältigung und Schuld, Kritik an Israel, Missbrauch mit dem Missbrauch) in intelligenter Weise behandelt und kunstvoll in die Handlung eingewoben. Die Kollektivschuld wird der individuellen Schuld von Linde gegenüber gestellt. Schliesslich überzeugt vor allem auch der lakonische und nicht immer politisch korrekte Humor, der ständig die Schilderungen der Irrungen und Wirrungen des Joachim Linde begleitet. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
39 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Intelligenter Stoff in leichtem Gewand!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Hausaufgaben (Gebundene Ausgabe)
Arjounis neuer Roman liest sich flott wie eh und je. Nach einem netten Nachmittag hat man es ausgelesen, klappt es zu, legt es in den Schoß und ist dann den ganzen Tag damit beschäftigt über dieses grandiose Buch nachzudenken. Wahrscheinlich ist auch das sein Geheimnis. Romane mit Leichtigkeit tarnen, die einen aber inhaltlich so aus der Bahn werfen, das man erstmal damit beschäftigt ist den Roman zu verdauen.Der Stil des Autors ist packend und ließt sich wahnsinnig flüssig und ohne groß rum zu lamentieren fängt Arjouni einfach mit seiner Geschichte an. Mitten im Leben des Lehrers Lindes - mitten in einer Schulstunde. Ohne Vorgeschichte. Und dann lernt man Linde kennen. Seine verkorkste Familie (depressive Ehefrau; Tochter, die mittlerweile das Weite gesucht hat und sich schon mal umbringen wollte und zu guter letzt ein vermeintliches Weichei als Sohn). Vielleicht sind Lindes Lebensumstände ein wenig übertrieben, aber sie machen auch gerade deutlich wie sehr Linde in seiner Traumwelt lebt. Für ihn ist irgendwie alles in Ordnung und er ist auch an keinem seiner Probleme schuld. Nein, Linde ist wahrlich kein Charakter in den man sich verliebt. Manchmal tut er einem einfach nur leid, manchmal hasst man ihn gar wegen seiner Überheblichkeit, seiner Peinlichkeit. Hinzu webt der Autor sehr geschickt politische Themen (Israel, Judenverfolgung, etc.) in den Roman ein. Mit wenigen Sätzen schafft er mehr Kontroverse, wie andere in ganzen Büchern. Ein faszinierender Autor, der sich mit diesem Roman auf meine Auto-Buy-Liste katapultiert hat. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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