Die fünf Sterne bekommt der Film einfach, weil er gut gemacht ist, weil die Interviews ausgewogen sind und die Bilder faszinierend.
Die Sache an sich, also der Status Quo der Grabeskirche und die Streitereien darum, finde ich ziemlich schrecklich. Ich war letztes Jahr in Israel und habe den Besuch der Grabeskirche als einen der Höhepunkte erlebt. Mir war schon klar, dass sich verschiedene Konfessionen die Kirche teilen, und ich hatte auch von Streitigkeiten darum gehört und gelesen, aber dies in Bildern zu sehen ist noch einmal etwas ganz anderes. Ich habe bei meinem Besuch nämlich nichts davon mitbekommen. Was ich erlebt habe, waren rücksichtsvolle und stille Touristen (wenn auch viele, aber es war insgesamt alles recht ruhig), eine dichte Atmosphäre und Mönche aller Konfessionen, die jeweils stolz waren, ihren Altar / Kapelle etc. zu zeigen. Im Heiligen Grab war ich nicht, weil die Schlange so lang und ich mit einer Pilgergruppe unterwegs war, es blieb keine Zeit. Wenn ich die Szenen in diesem Film sehe, bin ich fast froh darüber, diese Schlange und wie ein Mönch dort die Leute zurechtwies, erschütterte mich doch ziemlich.
Sehr schade fand ich auch, im Film zu sehen, dass wirklich verschiedene Konfessionen sich gegenseitig "stören" bei ihren Gottesdiensten oder Prozessionen. Wie eine kleine Gruppe betet und singt und dann die Katholiken mit dröhnender Orgel plötzlich alles übertönen. Der Mönch im Interview sagte: "Wenn die Orgel erklingt, ist es noch schöner, katholisch zu sein." Ich dagegen dachte, mir wäre es zutiefst peinlich, wenn ich als Katholikin mit meinem Orgelspiel andere christliche Andachten übertöne. Da dachte ich wirklich: Ist es denn wirklich nicht möglich, diese Andachte, Gottesdienste, Prozessionen usw. zeitlich zu koordinieren, ohne Überschneidung??
Verstörend fand ich die Bilder einer Rangelei (oder kann man schon Prügelei sagen?), ich hätte heulen können. Und auch die Bilder von Ostern fand ich aufgrund der riesigen Massen und des Gedrängels ziemlich erschreckend.
Am meisten irritiert hat mich an dem Film die Tatsache, dass man in den Interviews wirklich merkte, wie jeder dieser Mönche und Priester auf ihrem (vermeintlichen?) Recht beharrt und keinen Millimeter beiseite rücken will. Diese Kleinlichkeit und Ordnungsmäßigkeit empfinde ich als nicht besonders christlich, manchmal wollte ich in den Fernseher steigen und sagen: Ihr seid doch alle Christen, wie könnt Ihr so reden?
Also insgesamt ein sehr spannender und eindrücklicher Film, wenn auch nicht durchweg positiv. Das einzig rührende fand ich die Interviews mit einem Franziskaner aus Indien, der erst seit wenigen Monaten dort wohnte und noch nicht so verbohrt war, sondern dessen Herz noch offen war. Und natürlich gab es auch einige schöne Bilder von Prozessionen oder Gottesdiensten oder stillem Gebet in der nächtlichen, schlafenden Kirche.