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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die arabischen Wurzeln der westlichen Zivilisation,
Von
Rezension bezieht sich auf: Im Haus der Weisheit: Die arabischen Wissenschaften als Fundament unserer Kultur (Gebundene Ausgabe)
Das 'Haus der Weisheit' wurde 825 in Bagdad gegründet und war gedacht als eine Art Akademie, ein Sammlungsort der Erkenntnisse der Welt. Dieses 'Haus der Weisheit' ist der Aufhänger für Jim Al-Khalilis Buch, in dem er dem langen und fruchtbaren Weg der arabischen Wissenschaften und der arabischen Kultur nachgeht und, das gelingt ihm durchaus, aufzeigt, wie sehr sich unsere moderne Zivilisation fundemantal auf arabischen Errungenschaften gründet. Wie sehr arabische Gelehrte bereits hunderte von Jahren vor dem Westen entscheidende Fragen angestoßen und beantwortet haben. Fragen wie das Weltbild des Kopernikus, dass längst in der arabischen vorgelegen hatte und somit in der Auseinandersetzung der katholischen 'Kirche einen Rückschritt eher darstellet denn eine 'neue' Fragestellung. Ein Buch auch, in dem der Niedergang der arabischen Weisheitskultur nicht verschwiegen wird und Gründe für diesen Niedergang versucht werden, anzuführen.Algebra (die arabischen Zahlen und das Dezimalsystem als Grundlage internationaler Mathematik, von den Arabern aufgenommen und weiterentwickelt), Medizin, Philosophie, Astronomie, Physik, alle diese Fachgebiete und kulturell zentralen Erkenntnisse legt Al-Khalili verständlich und wissend im Buch vor, vollzieht den Kern des arabischen Denkens damit nach und verfolgt, wie die Spuren und Grundlagen dieser Erkenntnisse bis heute die moderne Gesellschaft und Kultur prägen. Noch wichtiger aber fast als dieser Gang durch die Geistesgeschichte sind die unbequemen Fragen, die Al-Khlili ebenfalls aufnimmt. Warum das ehemalige natur- und geisteswissenschaftliche 'Zentrum der Welt' so ins Hintertreffen geraten konnte. Warum viele der ehemals erkannten und vorliegenden Erkenntnisse wieder in Vergessenheit gerieten, trotz vielfach elementarer Bedeutung. In den vielen Erkenntnissen, durchaus aber auch in den vielfach zitierten Sentenzen und 'Sprüchen der Weisheit' wird erkennbar, in welchem Umfang und welcher Tiefe die arabische Kultur des europäischen Mittelalters bereits ausgeprägt war und wird ebenfalls erkennbar, dass gerade in den aktuellen Migrationsdebatten der historische Hintergrund allseits wichtig ist. Als Erkenntnis des 'Westens', was dem islamischen Kulturkreis an Errungenschaften alles zu verdanken ist und als Erkenntnis des 'Ostens', dass eine Rückbesinnung auf diese Kräfte der Weisheit wesentlich nutzbringender wäre als ein verharren in religiösen Streitfragen. Jim Al-Khalil gelingt es, seine Erkenntnisse ohne erhobenen Zeigefinger in diesem flüssig geschriebenem und schön gestaltetem Buch zu vermitteln. Seine Darstellungen sind allezeit differenziert und realitätsnah, verherrlichen weder den einen noch den anderen Weg ('Als Atheist habe ich am Islam kein spirituelles, sondern ein kulturelles Interesse'), sondern legen auf den Tisch, wie sich Kulturen zu Zeiten in sich und gegenseitig befruchten konnten. Damit verweist er, oft hintergründig mitschwingend, auf eine Lösung der 'Reibung' zwischen den Kulturen durch die kooperative Haltung, die zu entwickeln wäre. Einfacher zu entwickeln, wenn man sich der gemeinsamen Wurzeln und der grundlegenden Rolle der Arabischen Wissenschaften für die Prägung der gegenwärtigen Welt gewahr wird. Denn: 'Die Tinte des Gelehrten ist heiliger als das Blut des Märtyrers'. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das arabische Fundament europäischer Kultur,
Von timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 100 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Im Haus der Weisheit: Die arabischen Wissenschaften als Fundament unserer Kultur (Gebundene Ausgabe)
"Die Tinte des Gelehrten ist heiliger als das Blut des Märtyrers"(Hadith) In seinen Vorbemerkungen macht der bereits im Alter von 27 Jahren auf dem Gebiet der theoretischen Atomphysik promovierte Jim Al-Khalili (Jahrgang 1962) deutlich, was unter "arabischer Wissenschaft" zu verstehen ist. Nämlich nicht eine Wissenschaft der Araber, oder des Islams, sondern jene Disziplinen, die zur Zeit des Abassidenkalifats in dessen Herrschaftsbereich (Karte auf den Seiten 32/33) aufblühten, weil man dort damit begonnen hatte, ältere griechische, aramäische, babylonische und persische Werke ins Arabische, die damalige Verkehrssprache, zu übersetzten.... Unter dem siebten Kalifen, Abu al-Abbas Abdallah al-Ma'mun ibn Harun ar-Raschid, kurz al-Ma'mun, (786 - 833) erreichte das Abbasidenkalifat seinen kulturellen Höhepunkt. In seinem, im Jahre 825 in Bagdad gegründeten Bayt al-Hikma (Haus der Weisheit) arbeiteten etwa 100 Menschen verschiedener ethnischer Herkunft und religiösem Bekenntnis an der Übersetzung, vor allem griechischer Werke über Philosophie, Medizin und Naturwissenschaften von Autoren wie Euklid, Galen, Hippokrates, Platon, Aristoteles, Ptolemäus, Archimedes u. a. in die arabische Sprache. Al-Ma'mun war ein Anhänger der innerhalb der islamischen Theologie des Kalam rationalistisch ausgerichteten Schule der al-mu' tazila. Diese bediente sich der von den antiken Griechen übernommenen Logik und Analogieschlüsse, um den Koran zu verstehen und auszulegen. Die Mu'taziliten leiteten aus dem Koran ab, dass dieser geschaffen worden sei und nicht, wie es die Orthodoxie lehrt, schon immer bestanden habe. Die rationalistischen Theologen betrachteten den Koran nicht als ewig, sondern hielten ihn vielmehr für zeitlich, da er von Gott für die Menschen einer bestimmten Zeit unter bestimmten Umständen erschaffen worden sei. Mit dieser Folgerung erlaubten sie sich nicht nur eine kritische Betrachtung des Korans, sondern auch Kritik an demselben. Ihre greaco-arabische Philosophie sah die Vernunft als alleiniges Parameter zur Entscheidungsfindung und Interpretation islamischer Prinzipien sowie für ihre Anwendung auf veränderte politische und soziale Verhältnisse, an. Dem im irakischen Bagdad geborenen Briten mit iranischen Vorfahren, A-Khalili ist mit seinem Buch eine beachtliche wissenschaftshistorische Betrachtung gelungen, in die er auch seine eigene Herkunft und Erfahrung miteinfließen lässt. Hierfür bedient er sich nicht nur eines spanndenden Erzählstils, sondern auch zahlreicher persönlicher Fotos aus seiner Kindheit und Jugend. Seine persischen Wurzeln sind zudem nicht die einzigen Parallelen, die ihn mit seinem "Protoganisten", dem Kalifen al-Ma'mun verbinden. Beginnend mit dem "Traum des Aristoteles" schildert der Autor in 15 Kapiteln die Geschichte des Goldenen Zeitalters der arabischen Wissenschaft, das schließlich paradoxerweise mit der - auf sie zurückgreifenden - europäischen Renaissance zu Ende gehen sollte. Spätestens nachdem Al-Kalili in einem letzten Kapitel einen kritischen Blick auf "Wissenschaft und Islam heute" wirft, wird der Leser verstehen, warum es heute mehr denn je an der Zeit ist, dass der Westen mehr über seine arabischen Fundamente weiss und sich die islamische Welt ihres großen Vermächtnisses bewusst wird.... Zwei farbige Fotostrecken und zahlreiche erläuternde schwarzweisse Abildungen sorgen für die Visualisierung und ein Verständnis der vorgestellen Ideen und Prinzipen. Den Abschluss dieser lesenswerten Synthese aus Geschichte, Wissenschaft und Persönlichem eines dem Orient und Okzident gleichmaßen verbundenen Autors bilden Anmerkungen/Fussnoten zud en einzelnen Kapiteln, ein alphabetisches Verzeichnis der Wissenschaftler mit jeweils kurzer Charakterisierung, eine synoptische Zeittafel und ein abschließendes Register. Einziger Kritikpunkt ist, dass neben Kalzinierung auch Kristallisation, Destillation, Verdampfen und Sublimation als die "zahlreichen chemischen Verfahren" aufgeührt werden (S. 117). Alleine die Kalzinierung, wenn sie mit dem Ziel der Zersetzung des erhitzen Stoffes durchgeführt wird, kann als chemischer Prozess betrachtet werden. Während man sich bei der Destillation der thermischen Trennung bedient, handelt es sich auch bei den anderen drei genannten Vorgänge um rein thermoenergetisch bedingte Phasenübergänge in einen anderen Aggregatzustand. Da eine chemische Umwandlung hierbei nicht stattfindet, muss man daher von physikalischen Verfahren sprechen. 5 Amazonsterne. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
28 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Die arabischen Wissenschaften als Fundament unserer Kultur?,
Von Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 50 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Im Haus der Weisheit: Die arabischen Wissenschaften als Fundament unserer Kultur (Gebundene Ausgabe)
Na also hier muss man aber korrigierend eingreifen, denn den Untertitel halte ich für schlichtweg reißerisch und unsachlich. IM HAUS DER WEISHEIT von Jim Al-Khalili ist zwar an und für sich ein gutes Buch und es ist interessant, doch die arabischen Wissenschaften zum Fundament zu erklären worauf das Abendland, also Europa, aufgebaut hat ist tendenziös. Gerade in der heutigen Zeit sollte man aufpassen wie und was man sagt um die Kluft zwischen Orient und Okzident nicht noch zu vergrößern. Wer das Buch aufmerksam liest wird aber gleich sehen und verstehen, worin die Leitung der arabischen Wissenschaften für mehr als 700 Jahre steht und wo ihre Grenzen liegen.Ein wenig geht mir der Autor auch zu sehr auf seine Familiengeschichte ein, ebenso wie er gleich am Anfang schreibt dass im Mittelalter Europa für fast 1.000 Jahre in die Dunkelheit zurück sank. Da hat er aber nicht gut recherchiert, so dunkel war das Mittelalter nämlich nicht und die Hexenverbrennungen fanden zu Beginn des Aufklärungszeitalters statt. Klar ist jedoch das das heliozentrische Weltbild lange vor Kopernikus von Ibn al-Shatir gestürzt wurde und das erste Universalgenie war nicht Leonardo da Vinci sondern Abu Rayan al-Biruni. Arabische Gelehrsamkeit soll nicht in Abrede gestellt werden, sollte aber im richtigen Kontext gesehen werden. Die Basis für das arabische Wissen waren die Leistungen der Perser, der Griechen und der Inder. Ebenso wurde jüdisches Wissen verwand und auch aus den Leitungen der Ägypter wurde profitiert. Wo wären denn die arabischen Wissenschaften ohne Hippokrates, ohne Galen, Platon und Aristoteles? Selbst die Bibliothek des Kaisers Leo V. in Konstantinopel hat dafür hergehalten, das Männer wie Al-Ma`mun Wissen erwerben konnte. Also ist die Basis für das Fundament nicht im Orient zu suchen, sondern doch im Okzident selbst beheimatet, oder? Nichts desto trotz habe ich gerne in dem Buch gelesen, es sollte aber mit Aufmerksamkeit studiert werden, damit man nicht einen falschen Eindruck bekommt. Ein Schelm wer Böses dabei denkt... Empfehlenswert, wenn man weiß worin das Fundament wirklich begründet liegt! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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