Andre Dubus' "House of sand and fog" erreicht meiner Meinung nach nicht das Niveau seines neuesten Romans "Der Garten der letzten Tage". Dennoch ist es ein durchaus lesenswerter Roman.
Im Zentrum der Erzählung stehen drei Personen: Colonel Behrani, ehemaliger hoher General der persischen Luftstreitkräfte, mußte sein Land im Gefolge der islamischen Revolution fluchtartig verlassen und lebt nun in San Francisco's Bay Area. Zwar versucht er innerhalb der persischen Exilgemeinde den Eindruck von Wohlstand und Einfluß aufrecht zu erhalten, tatsächlich verdient er sein Geld aber mit Gelegenheitsjob wie dem Sammeln von Müll an kalifornischen Highways. Kathy Nicolo, abstammend aus einer italienischen Einwandererfamilie, schlägt sich als Putzfrau mehr schlecht als recht durchs Leben. Eine Vergangenheit voll von Drogen und zwei gescheiterten Ehen hat sie in den Süden der City of Dreams verschlagen, entfremdet von Ihrer Familie an der US Ostküste, vor der Sie die tatsächlichen Umstände ihres Lebens verheimlicht. So verschieden Ihre Herkunft auch ist, finden sich diese beiden Hauptprotagonisten des Romans auf der gleichen abschüssigen Bahn im Schatten der kalifornischen Wohlstandsgesellschaft wieder.
Ihre Lebenswege kreuzen sich, als Kathys Haus zwangsversteigert wird und Colonel Behrani darin die Chance auf schnellen Wohlstand erkennt. Sheriff Lester Burton, dritter Hauptprotagonist des Romans, beauftragt mit der Räumung des Hauses, findet sich schnell auf der Seite Kathys wieder und ruiniert dabei nicht nur sein eigenes Leben.
In einem sehr kurzweiligen Erzählstil entfaltet Andre Dubus seine Erzählung, die gegen Ende deutlich an Spannung und Geschwindigkeit zulegt und schließlich einen dramatischen Abschluß findet. Leider besitzt der Roman aber insbesondere im Mittelteil auch einige Länge, in denen Dubus die individuellen Perspektiven seiner Hauptfiguren zu sehr auswalzt. Thematisch erinnert das Buch entfernt an T. C. Boyles "America", an welches es aber nicht heranreichen kann.
Sicherlich ist dieser Roman besonders geeignet für Kenner der Gegend, in der der Roman spielt: San Francisco's Bay Area. Andre Dubus III gelingt eine durchaus gelungene Beschreibung von vielen kleinen Orten im Schatten dieser auf den ersten Blick so wohlhabenden und leuchtenden Metropole. Zwar ist der Roman lange vor der gegenwärtigen Wirtschaftskrise geschrieben worden, gewinnt er aber durch die Entwicklungen der letzten Jahre an zusätzlicher Brisanz.
Noch eine Anmerkung für Freunde englisch-sprachiger Romane: "House of Sand and Fog" läßt sich sehr gut im amerikanisch-sprachigen Original lesen.