Aus der Amazon.at-Redaktion
Franz ist 47 und wieder Single. Nach 20 Jahren Ehe, in denen er sich für die Familie aufgeopfert hat, verlässt ihn Marie-Thérèse. Den gemeinsamen Sohn nimmt sie mit, denn natürlich bekommt sie, die Mutter, das Kind zugesprochen. Das Leben ist ungerecht. Franz fühlt sich ausgenutzt, unverstanden, getäuscht und missbraucht. Wie konnte es so weit kommen? Sie hat doch nie etwas gesagt. Und er hat doch alles für sie getan. Sogar ein zweites Zimmer hätte sie haben können, im Haus, das er für sie gebaut hat -- "weil ich brauche kein eigenes Zimmer, ich habe meine Werkstatt im Keller, und du hättest doch außerdem das Atelier auf dem Dachboden oben gehabt." Aber jetzt, wo er arbeitslos geworden ist, geht sie. So sind sie, die Frauen, sinniert er. Verlassen ihre Männer für den ersten besten Anderen, der ihnen mehr bietet.
Franz ist verletzt, seine Welt total aus den Fugen geraten. Er sucht nach Erklärungen, denkt nach, klagt an, rechtfertigt, zieht Bilanz. Wie sehr er leidet, äußert sich in Andeutungen und Nebensätzen. Schonungslos rechnet er ab, mit der Beziehung, den Frauen, dem Sex und allem was sonst noch so zur 20-jährigen gemeinsamen Geschichte gezählt hat.
Was Franz, über dessen Innenleben Margit Schreiner Bericht erstattet, den Frauen zu sagen hat, ist mitunter schwer auszuhalten. Bei allem Verständnis für seinen Groll -- 207 Seiten, gespickt mit Frauenfeindlichkeit und Machismo, sind nur für masochistische Frauen ein eindeutiges Lesevergnügen. Trotzdem lässt einen die Geschichte nicht los, denn die Autorin versteht es hervorragend, die Erwartungen zu schüren. Wie geht es aus? Was wird er tun? Das kann doch nicht alles gewesen sein!
Ob sie als Frau die Männergedanken von Franz auch richtig verstanden und niedergeschrieben hat, bleibt offen und bietet sich geradezu an für heftige und kontroverse Diskussionen. Insofern ist das Buch auf jeden Fall eine Herausforderung -- und das nicht nur für Frauen.
Und was den komprimierten Frust des Parademachos Franz betrifft: Den sollte man, im Interesse der persönlichen Befindlichkeit, fest zwischen die Buchdeckel klemmen -- spätestens beim Zuklappen. Für die eigene Zweisamkeit gibt es draußen vielleicht ja doch noch Hoffnung. Oder? --Lisa Lercher
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
»In dem holden Wahn, den Margit Schreiner ihrem unseligen 'Helden' zubilligt, steckt etwas wie poetische Gerechtigkeit. Sie erst macht aus der klugen, gewitzten Erzählerin eine Dichterin.« (
Die Welt )
»Ein raffiniertes Stück Rollenprosa, in der sich der Redner mit viriler Geschwätzigkeit selbst entblößt, nachdem ihm seine Frau davongelaufen ist - ein gewitzter Eheroman vom Schiffbruch in den Pfützen der männlichen Impertinenz.« (
Neue Zürcher Zeitung )
»Kühl und kühn inszeniert, Fesselungs- und Verführungsträume, mörderische Begegnungen: eine feine Mischung, manchmal mit einem Touch Roald Dahl, öfter an Robert Gernhardt gemahnend - ins Österreichische gewendet.« (
Volker Hage, Die Zeit )