Rob Zombies Debüt strotzt nur so von selbstverliebter und verspielter Inszenierung, dass man meinen könnte, er wollte ausschließlich sich und seinen Zombiefans einen Gefallen tun.
Der Mann, der bis dato nur seine eigenen Musikclips entwarf, dehnt seinen visuellen Stil auf über 80 Minuten aus und bewirkt dabei eine absolute Reizüberflutung.
Die Handlung lassen wir fast außen vor, das ist das allseits beliebte Kettensägenmassaker mit ein paar minimalen Änderungen.
Wahrscheinlich hätte ich Zombies "Haus der 1000 Leichen" doch vor der Fortsetzung sehen sollen, denn im Vergleich zu "Devil´s Rejects" schneidet sein Erstlingswerk deutlich schwächer ab, zudem kommt der kleine Plot-Twist gegen Ende überhaupt nicht mehr überraschend, denn durch "TDR" weiß man bereits Bescheid.
Angesiedelt hat Zombie das Geschehen im Herbst 1977, so gegen Halloween.
Vier Teenager wollen nach dem Besuch in einem Horrorkabinett die Wirkungsstätte des Serienkillers Dr.Satan finden und landen in der Gewalt der degenerierten Familie Firefly.
Mit Dramaturgie hat Zombie es hier noch nicht so, anders als in seiner weitaus besseren Fortsetzung.
Die Protagonisten sind ihm egal, das sind nur gesichtslose Folteropfer. Somit wird das Publikum mit charakterlosen Figuren konfrontiert, die zwar, zugegebenermaßen, recht hart terrorisiert und gefoltert werden, doch Mitleid wird nicht hervorgerufen.
Auf der anderen Seite bewirken die Rednecks aber auch keine Furcht, sie sind halt allesamt durchgeknallt, wild und rücksichtslos, liefern jedoch kein Motiv für ihr grausames Handeln. So wird keine Geschichte erzählt, sondern lediglich eine Abfolge von kunstvoll verpackten Bildern geliefert.
Diese sind teilweise durchaus ansprechend, vor allem das Einstreuen von Szenen diverser Klassiker gibt Anlass zum munteren Entschlüssen dieser.
Man merkt, dass Zombie Spaß an Horrorfilmen hat, zitiert er hier doch etliche, von "Frankenstein" bis "Zombie".
Zudem reicht die Palette an Stilmitteln von Split-Screen über Negativfilter, von Distortion bishin zu einer fast quälenden langen Zeitlupe, in der einige Cops dran glauben müssen.
Besonders diese Szene ist gelungen und trifft den Nerv des Betrachters, was leider an vielen anderen Stellen ausbleibt. Zu überfrachtet ist Zombies Erstling und zu wenig Substanz an menschlichem Handeln präsentiert er.
Auch wenn der von ihm eigens produzierte Soundtrack ein paar zynische Momente liefert, etwa wenn ein Opfer gnadenlos leidet und im Hintergrund fröhlichste Feiermusik dudelt.
Andere Stücke treiben recht gut an, wieder andere machen Dampf, wo inhaltlich keiner herrscht.
Wie gesagt, Terror ohne Möglichkeit zur Anteilnahme.
Sicher, es ist schon fies, den Vater eines Opfers die Gesichtshaut abzuziehen und Töchterchen daraufhin mit der Maske im Gesicht zu erschrecken oder ein Opfer einfach mal als Fischmann umzugestalten. Aber es säße besser, wenn eine Nähe zu den Handelnden entstünde.
Denn, kaum glaubt man, durch das Erscheinen von zwei, drei Cops einen Helden gefunden zu haben, sind diese bereits nach wenigen Momenten durch Mord aus dem Drehbuch gestrichen.
Einen Pluspunkt liefern dann noch die Darsteller, Sid Haig ist als Besitzer des Horrorkabinetts mit Clownsmaske herrlich diabolisch, Karen Black als Mutter Firefly immerhin brauchbar und Robs Zombiebraut Sheri Moon so abgelichtet, wie Gatte sie offenbar am liebsten sieht, - knapp bekleidet, etwas doof, aber durchaus verführerisch.
Die Opfer spielen zumindest ihre Verzweiflung und ihr Leid glaubwürdig.
Aber mögen noch so viele Szenen kunstvoll aneinandergereiht sein, es fehlt an fesselnder Handlung, an Sympathiefiguren und neuen Ideen. Da kann auch Dr. Satan mit seiner Kreatur in einem unterirdischen Gewölbe nichts mehr ausrichten. Es bleibt leidlich unterhaltsam, zu Beginn sogar stärker als nach etwa einer Stunde, nachdem man sich an den hektischen Bildern bereits etwas überfressen hat.
Ich hätte es kaum vermutet, aber nachdem ich "TDR" einige Zeit zuvor sah, bin ich mit Zombies Debüt einigermaßen enttäuscht.
Wer beide Teile noch nicht kennt, sollte auf diesen verzichten und gleich zur Fortsetzung schreiten.
Nur wer sämtliche Plagiate des Kettensägenterrors benötigt und einem visuellen Overkill nicht abgeneigt ist, kann einen Blick riskieren.
--- Maichklang