Der Hauppauge Nova-T USB-Stick ist ein nettes Produkt für Laptopbenutzer und andere, die mobil fernsehen möchten. Dem Stick liegt eine passive Antenne mit einem meterlangen Kabel sowie eine Fernbedienung bei--zu diesem Preis eine grosszügige Ausstattung. Die mitgelieferte Software ist etwas spartanisch, sorgt aber für sehr gute Bildanzeige. In Gebieten, in denen digitales Radio per DVB-T ausgestrahlt wird, sollen Radiosender mit diesem Stick auch empfangbar sein.
Einen guten Eindruck macht Hauppauge gleich zu Beginn mit der Treiber-CD, da endlich WinTV 6 und nicht WinTV 2000, die uralte Version mit unendlich vielen Mängeln, installiert wird. WinTV 6 hat eine angenehme Erscheinung mit einem ordentlichen Sendersuchlauf, der Programme über mehrere Hauppauge-Produkte zugleich zuordnen kann, und scheint weit stabiler zu sein, als sein WinTV 2000-Vorgänger. Um Kompatibilität zu älteren Windows-Versionen zu sichern ist WinTV 2000 aber immer noch auf der Setup-CD zu finden.
Der USB-Stick produziert selbst bei Bildschirmauflösungen von 1280x800 Pixeln (und somit höher als die Auflösung der meisten DVB-T-Ausstrahlungen) sehr gute, scharfe Bilder. Je nach Sender und Programm fluktuiert die Bildqualiät etwas: Programme, die im 16:9-Format gesendet werden, sehen oft ein wenig schärfer aus als 4:3-Sendungen. Die Bilder werden bei gutem Empfang flüssig angezeigt, können bei schlechterem Empfang aber ruckeln oder ganz ausfallen (je schlechter der Empfang, desto ruckliger, bis vom Programm nur zerhackte Audiosignale übrig bleiben)--dies ist aber bei digitalem Rundfunk üblich und kann Hauppauge nicht als Kritik gelten. Bei mehreren Sendern habe ich mittlerweile beobachtet, dass Sendeformate zwischen 4:3 und 16:9 hin- und herwechseln, ab und an werden auch 16:9-Formate mit schwarzen Balken im 4:3-Format ausgestrahlt, die die WinTV-Software dann nicht komplett auf die volle Bildschirmauflösung hochrechnen kann, da keine Zoomfunktion (wie bei 16:9-Fernsehern üblich) vorhanden ist. Leider können Bilder, die im Interlaced-Format (also die meisten Fernsehbilder) nicht "deinterlaced" werden, und so sind bei einigen schnelleren Bewegungen beim genauen Betrachten einige horizontale Streifen zu erkennen--dies könnte manche Benutzer, besonders cinephile Leute, stören, für eine mobile Lösung wie diese sollten vereinzelte Interlacing-Streifen aber akzeptabel sein.
In WinTV 6 vermisse ich Bildeinstellungen für Sättigung, Helligkeit und Kontrast. Ohne diese Optionen ist man auf die Einstellungsmöglichkeiten des Displays--bei Laptops also meist nur Helligkeit--angewiesen, oder muss aufwendig mit Color Matching spielen, um ein optimales Bild zu erlangen. Angenehm finde ich allerdings, dass WinTV im Vollbildmodus automatisch 4:3- und 16:9-Bildformate auf die Dimensionen des Displays zu vergrössern, ohne das Bildverhältnis zu verzerren. Für die Fenstermodi (mit Benutzeroberfläche sowie rahmenlos) ist wählbar, ob der Anzeigebereich im 4:3- oder 16:9-Format gezeichnet werden soll, und wie Bilder in dem jeweils anderen Format auf den Anzeigebereich ausgedehnt werden sollen.
Aufnahmen per WinTV 6 können im laufenden Programm gestartet werden, oder per Electronic Program Guide (EPG), der als Zusatzprogramm einen Web-Server betreibt und so das Programm der nächsten Tage per Browser anzeigt, im Vorraus geplant werden. Zukünftige Aufnahmen werden als Task im Windows-Task-Planner abgelegt.
Die mitgelieferte passive Antenne ist für Innenstädte gut geeignet, in Vororten könnte eine aktive DVB-T-Antenne mit eigener Stromzufuhr von Vorteil sein: an meinem Wohnort halbwegs zwischen der Dortmunder Innenstadt und Unna sind die meisten der 25 Sender im Haus ohne weitere Umstände empfangbar, einige (in meinem Gebiet die Programme der ProSieben-Sat.1-Gruppe zum Beispiel, die auf Kanal 55 ausgestrahlt werden) sind tagsüber nur verlässlich zu empfangen, wenn die passive Antenne in ein Fenster gestellt wird, nachtsüber aber meist auch in anderen Räumen. In ländlichen Gegenden ist laut Bedienungsanleitung der Empfang per Dachantenne zu empfehlen.
Plus:
- Sehr gutes Bild selbst bei hohen Bildschirmauflösungen
- Gute Ausstattung mit passiver Antenne und Fernbedienung
- Zusatzprogramme für Videotext und Electronic Program Guide
- Guter Sendersuchlauf, der Programme über mehrere Hauppauge-Produkte abspeichern kann
Minus:
- Keine Einstellungsmöglichkeiten für Farbsättigung, Helligkeit und Kontrast des Fernsehbildes in WinTV 6 selbst
- Keine Zoomfunktion, um 16:9-Bilder, die von Sendern im 4:3-Format ausgestrahlt werden, auf die volle Bildschirmfläche hochzurechnen