Es gibt so viele Gruselthriller, die alle möglichen Themen bereits abgegrast haben. Und erst recht etliche "haunting of" Filme...
Wir wollen aber einen machen!!! Und zwar schön mit 3D, das ist mal was anderes und außerdem richtig schaurig. Na ja, wir haben nicht viel Budget, aber wir wollen ja kein Geld verbrennen, sondern die Kassen klingeln lassen...
Wir müssen also einen Film produzieren, der alles bisher dagewesene ANDERS macht, damit der geneigte Cineast den auch guckt. Ach was, die Horror-Freaks da draußen ziehen sich sowieso jeden Mist rein, der im DVD Regal endgelagert wird.
Hmmm... Hat einer eine Idee? Neeee... Wir auch nicht...
Na gut, dann machen wir eben von allem, was es bisher gab, das GEGENTEIL, das ist innovativ, das ist ein Kaufgrund für die 15 jährigen Teens da draußen, die noch nie was Gescheites gesehen haben.
- Miese Dialoge
Ein Notruf geht bei der Polizei ein. Ein paar Minuten später stehen die Beamten vor dem Haus, in dem es seit einigen Minuten so richtig abgeht. "Von hier kam der Notruf, aber die von der Zentrale haben kein Wort verstanden"...
Jooo. Noch ein paar Beispiele gefällig? Nee. Das reicht. So machen wir das mal im ganzen Film, mal wat ganz wat anderes...
- 3 D-"Vergnügen"
Können Sie mir erklären, warum jemand auf die Idee kommen kann, einen Film in 3D zu machen, der zu 80% in fast kompletter Dunkelheit spielt? Nein? Dann greifen Sie zu! Bei diesem hier ist das nämlich der Fall. Und gute Nacht, Marie.
- 50er Jahre Gepauke und Gewummer
Neuere Horror-, oder Gruselfilme haben ja alle so einen neumodischen komplexen Musik-"Score", also eine melodiöse und die Geschichte unterstreichende zusammenhängende musikalische Untermalung. Das wollen wir aber nicht. Wir nehmen einfach das klassische 50er Jahre Gewummer und Gefiedel von unzähligen "Hammer"-Produktionen, die brachial und unmelodiös etwaige gruselige oder unheimliche Teile des Films hervorheben. Somit wissen die Zuschauer auch immer schön, wann sie sich zu fürchten haben. Boah, sind wir cool...
- 100 Mal heruntergeorgelte 08/15 Handlung
Ein Haus wird von Geistern heimgesucht, die erscheinen und den Protagonisten so richtig den Tag versauen. Und die Nächte erst recht. Wahnsinn. Wie kommt man nur auf so eine bisher noch nie dagewesene Idee? Kann das mal jemand aufschreiben, sonst vergessen wir das wieder? Und was soll der Grund der Heimsuchungen (haunting) sein? Ach, ist mir doch egal, lasst Euch irgendwas einfallen, ist gut so...
- Grottige Laiendarsteller
Leute, wir haben nicht viel Geld für eine Jodie Foster oder einen Nicholas Cage. Na gut, dann fragen wir einfach irgendwelche möchtegern-Schauspielschüler im ersten Semester, die Bock auf einen gruseligen Film haben und gern groß rauskommen möchten. Vielleicht nicht unbedingt mit diesem Film... Ob die spielen können sollen? Nö! Wer sagt das denn? Aber wir können ja schlecht nur Geister zeigen, die in 1 Dollar-Masken durch ein verfallenes Haus huschen, für das wir 20 Dollar Miete pro Drehtag bezahlen. Mit irgendwem müssen die Zuschauer ja mitfiebern können.
Und tatsächlich: den 4 Hauptdarstellern (!!!) sieht man jede schwammige Regieanweisung des lustlos und dilettantisch agierenden Regisseurs an. "So, jetzt entsetzt an der Kamera vorbeistarren"... "Jetzt vorsichtig tastend die Arme heben" (diese Regieanweisung zurückzunehmen wurde offensichtlich sogar vergessen, denn die Tochter schleicht einige Szenen später immer noch bei Tageslicht mit ausgestreckten Ärmchen durch den lichtdurchfluteten Garten).
Sie haben immer noch nicht genug???
Güte, sind Sie aber beratungsresistent!!! Da geht noch was, das kann ich ihnen versprechen !!!
- Im Vollsuff zusammengeschmiertes Drehbuch
Anders kann man die sinnlos zusammengeklaubten Versatzstücke an Dialogen nicht erklären, die hier den entnervten Zuschauer in jedem geäußerten Satz dieses Machwerkes heimsuchen. Aber es gibt auch schwarze Löcher in der Handlung, machen Sie sich mal keine Sorgen. Die Familie hat ein Haus gemietet (oder für einige Wochen gekauft, ist doch völlig Wurst), werden aber "versehentlich" zu einem anderen geschickt, das zufälligerweise auch noch verwunschen ist (die Geister stecken also mit dem Makler unter einer Decke, jooooooooaaa). Sie haben also keine Ahnung, welches Anwesen sie beziehen. Einige Szenen später können sie sich die seltamen Vorfälle aber durch die unheimliche Vergangenheit der ehemaligen Hausbewohnerin erklären. AHA!
- Die schlechtest mögliche Synchronisation
Zu guter Letzt müssen wir noch deutsche Synchronsprecher anheuern, die nicht aus dem Rahmen des Abartigen fallen und sich willig in das Gefüge von Stuss und Murks einfinden können.
Gut, wir fragen also Hausmann/-frau XYZ an der Lidl-Supermarktkasse, ob er/sie nicht Lust darauf hat, den Einkauf kostenlos mit nach Hause zu nehmen, wenn er/sie als Gegenleistung ein paar zusammenhanglose Sätze abliest und in ein Mikrofon stammelt. Und das machen sie auch so. Und wie !!! Völlig hölzern und emotionslos leiern die deutschen Synchro-Darsteller ihre Texte herunter und reihen sich damit hervorragend in dieses stümperhafte Ensemble des Grauens, das -und zwar allesamt- möglichst dauerhaft bemüht ist, so viel wie möglich zu vermasseln und verhunzen.
Ich gebe es hier offen zu: ich habe mir diesen Schrott "nur" 45 Minuten angetan. Es ging einfach nicht mehr! Schaffen Sie mehr? Sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt !!!
Und wenn Sie wirklich einen "guten" Gruselthriller sehen möchten, der qualitativ wenn auch nicht sonderlich originell zu Werke geht, dann empfehle ich Ihnen "Dead Silence". Voller wabender Nebelschwaden, schauerlicher Kulissen und unheilschwangeren Dialogen. Aber der macht wenigstens Spaß.