".....und deine Mutter war eine Hethiterin."
(Hesekiel 16.3)
Das alte Testament ist jedoch nicht die einzige Quelle, in der vom indoeuropäischen Volk der Hethiter berichtet wird. timediver® konnte 1988 den Text des ersten Friedensvertrags bewundern, den Ramses II. in die Mauern des Tempels von Karnak und des Ramesseums meißeln ließ. 15 Jahre nach der Schlacht von Kadesch, die für den ägyptischen Pharao beinahe in einem Fiasko geendet hätte, schloss er einen umfassenden Friedensvertrag mit seinem einstigen Widersacher Hattuschili III., dem Großkönig der Hethiter. Während sich eine Keilschriftausfertigungen des Friedensvertrages im Arkeoloji Müzesi von Istanbul befindet, sind Auszüge daraus Gebäude der United Nations Organization in New York ausgestellt.
Als timediver® im Jahre 1990 auf seiner Zentralanatolien-Reise die nahe des Dorfes Bogazkale gelegene einstige Hauptstadt des Hethiterreiches besuchte, hatte ich auch die zweite Auflage von "
Hattuscha. Hauptstadt der Hethiter. Geschichte und Kultur einer altorientalischen Großmacht" im Gepäck. Autor des Buches ist Dr. Kurt Bittel (1907 - 1991), der seit 1938 nicht nur als Präsident das deutsche archäologische Institut leitete, sondern von 1931 bis 1977 auch Leiter der Ausgrabungen in Hattuscha war. Dem international renommierten Prähistoriker und Hethitologen sollten mit Dr. Peter Neve (Jg. 1929), 1994 Dr. Jürgen Seeher (Jg. 1953) und schließlich 2006 Dr. Andreas Schachner weitere Koryphäen als Ausgrabungsleiter folgen....
Nach nunmehr insgesamt 70. Grabungskampagnen, die bereits im Jahre 1906 begonnen hatten, legt Dr. Andreas Schachner mit "Hattuscha. Auf der Suche nach dem sagenhaften Großreich der Hethiter" ein spannendes Sachbuch vor, bei dem ältere Forschungsmeinungen nicht wie im Falle anderer Grabungen ohne die Möglichkeiten einer Fortentwicklung bestehen bleiben. Im Zuge einer Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Methodik und im Lichte neuer Erkenntnisse haben sich vielmehr Möglichkeiten eröffnet, die einzigartige Akkumulation unterschiedlichster Daten stets neu diskutieren zu können und ein breites Spektrum komplexer Fragestellungen ermöglicht. Daneben hat sich aus unterschiedlicher Ausbildung und verschiedenem Interesse der einzelnen Grabungsleiter heraus stets auch eine neue Forschungsrichtung ergeben.
Gerade die Ergebnisse der beiden letzten Dekaden lassen aufgrund der systematischen Anwendung naturwissenschaftlicher Datierungsmethoden die Entwicklung der Stadt und damit die gesamte hethitische Kultur in einem neuen Licht erscheinen. Im Mittelpunkt des Buches steht daher der Wunsch nach einer Synthese der interdisziplinären Arbeiten, die eine wichtige Grundlage für alle Interpretationen der altorientalischen und anatolischen (Kunst)geschichte darstellt.
Trotz des Fehlens von Anmerkungen, auf die der Autor gemäß dem Wunsch des Verlages - zwecks einer möglichst guten Verständlichkeit - verzichten musste, handelt es sich um eine wissenschaftliche Arbeit, bei der verschiedene Themata in unabhängigen Aufsätzen diskutiert werden. Schachner ist es einerseits eine aktuelle Standortbestimmung gelungen, die nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Grenzen der Archäologie bei Rekonstruktion antiker Kulturen aufzeigt. Andererseits ist ihm ein tief fundierter Überblick gelungen, der den aktuellen Forschungsergebnissen angemessen Rechnung trägt und daher sowohl Wissenschaftlern und Studierenden als auch interessierten Laien empfohlen werden kann. Gleichermaßen für Studien vor Ort in Büyükkale und Yazilikaya oder im Museum für Anatolische Zivilisationen (Ankara) sowie im Pergamon Museum auf der Berliner Museumsinsel geeignet.
Neben einem Stadtplan des antiken Hattuscha, einer Karte des Hethitischen Großreiches und 158 weiteren, teilweise farbigen Abbildungen bietet der Anhang des Buches eine reichhaltige Liste weiterführender Literatur und ein Orts-, Namen- und Sachregister.
5 Amazonsterne für eine hoch spezielle und dabei aktuellste Präsentation.