Auf dieses Buch habe ich mich echt gefreut - wenn es auch ein "Wälzer" ist. Nach zwei Romanen über die Pharaonin, die die Historie trivial-kolportagehaft zurecht bogen (in einem wurden ihre Obelisken gar als Phallussymbole gedeutet!), war mir eine Romanbiographie sehr willkommen. Ein Jahrzehnt, so liest man im Klappentext, recherchierte der Autor und konsultiere renommierte Ägyptologen, um so genau wie möglich zu sein. Das machte mich neugierig.
Eine Romanbiographie ist jedoch zu allererst ein Roman, der ein Faktengerüst üerzeugend ausfüllt. Von einem historischen Roman erwarte ich, dass er die jeweilige Zeit spiegelt, dabei vielleicht sogar bislang Unbekanntes bringt, ohne Geschichtsunterricht zu erteilen, das Sujet mit Phantasie und Spannung "farbig ausmalt" und so den Leser gut unterhält.
Alles das fand ich in diesem Buch. Der Autor hat einen eigenen Erzählstil, flüssig und gelegentlich poetisch. Die Hauptlinie umgibt er mit (nicht zu vielen) Handlungssträngen, die in sich spannend sind und zur rechten Zeit kulminieren. Seine Protagonisten stattet er mit keineswegs oberflächlichen Charakteren aus, die das Machtstreben, den Stolz auf die Erfolge, aber auch die innere Zurissenheit und letztlich das Scheitern bewegend miterleben lassen. Der Spannungsbogen wird nicht vordergründig herausgearbeitet, nur um den Leser zittern zu lassen, sondern fügt sich quasi en passant (Priesterverschwörung, Auslandsspionage).
Wer sich ein wenig auskennt mit der Hatschepsut-Geschichte, ist besonders gespannt darauf, wie der Autor das nach Quellenlage plötzliche Verschwinden der Helden lösen wird. Nur soviel: Es ist ihm meisterhaft gelungen.
Immer wieder bewundert beim Lesen habe ich Kneifels überschäumende Phantasie und seine Detailversessenheit - bis hin zur Beschreibung einer Blume oder den Flügeln eines Insekts. Dabei fällt zugleich seine bewundernswerte Sachkunde in allen tangierten Bereichen auf; ich nenne als Beispiel nur den nautischen.
Am meisten faszinierte mich seine historische Authentizität, wiederum bis in die Einzelheiten. Doch gerade daraus erwächst die "Achillesferse" des Buches. Offenbar verliebte sich der Autor derart in die Zeit, dass er vergaß, einen Großteil der Leser mitzunehmen. Ich meine die häufige Verwendung der Altägyptischen Sprache - wie bei noch keinem Roman erlebt. So originell das sein mag: Wenn nicht einmal Hobby-Ägyptologen die Begriffe verstehen, verpufft viel an Wirkung. Und wenn dann noch viele Wörter nicht im Glossar auftauchen, ist Ärger vorprogrammiert.
Ich kann dem Leser nur empfehlen, wenigstens Erklärungen und Glossar vom Ende zuerst zu lesen. Bei einer Neuauflage sollte der Verlag darauf achten, dass alle altägyptischen Begriffe ins Glossar kommen. Ideal wäre es, wenn das Glossar als Beilage erscheinen könnte, damit man nicht ständig bis Seite 755 blättern muss.
Das Buch verdient diesen Aufwand.