Es gibt solche und solche Gruftibands. Shock Therapy gehören zu den eigenwilligen Pflanzen der Szene die sich nie richtig Kategorisieren ließen und deren Werdegang stets Zeugnis der eigenwilligen Gestalt hinter der Band Gregory John 'Itchy' McCormick war. Therapieaufenthalte seit seinem vierten Lebensjahr, Alkoholexzesse, die letztendlich zu seinem Tod führten, Brandstiftung aus Rache an einem Dealer, der seine Stiefmutter verprügelt hatte, was zu einer siebenjährigen Haft führte und und und. Andererseits war Itchy studierter Pianist und als Maler und Vorlagenzeichner für Tattoos erfolgreich. In Europa und besonders in Deutschland am bekanntesten erscheint jedoch der Musiker Itchy und die Band Shock Therapy deren selbstbetiteltes Hitalbum mit dem Klassiker Hate is a 4-letter Word aus dem Jahr 1985 stammt und auf Alien Sex Fiend aufbauend wie eine Kehrseite der Kanadier Skinny Puppy und ein Vorbote für die Nine Inch Nails klingt.
Heute sagt man Electropunk dazu und einzelne Titel wie Pain oder X-Ray House passen dazu und klingen wie Cassandra Complex oder Phillip Boa und sein Voodooclub, aber eigentlich finde ich eine solche Kategorie unpassend für Shock Therapy, sie spielten New Wave, Postpunk, und von mir aus auch Electropunk wenn man da dann auch Alien Sex Fiend, Devo, DAF, The Normal o.ä. miteinbezieht. Itchy schrieb jeden Song, er sang, programmierte Synths und Drums und spielte Gitarre und die Perkussion, nur Livemusiker und ab und an jemand im Studio, mehr spielten nicht mit wenn Shock Therapy Musik machten.
Hate is a 4-letter Word ist der Re-Re-Release aus dem Jahr 1995 des Debütalbums mit einer unbeirrten Verzweifelung ergänzte Itchy 1991 das Album um sieben weitere Titel und 1995 um einen Remix seines größten Erfolges. Damit ist Hate is a 4-letter Word fast ein Überblick der Enwicklung der Band bis zum Jahr 1991.
Das Debüt besteht aus
Wütenden Stücken wie X Ray House und Pain
Verzweifelten wie Can I do What I want und Theatre of Life
tragisch verspielt deprimiertes wie I'm so Sick
EBMlastiges wie No Means Yes
und dem namensgebenden Dark Wave/Synthie Pop Hit Hate is a 4-letter Word selbst einem schwülstig verzweifeltem Stück Gruftiszene, das neben
the Sparrows and the Nightingales von Wolfsheim und
On the other Side von Silke Bischoff noch heute Scharen von Schwarzkittelträgern aus den Ecken schlecht beleuchteter und stark vernebelter Diskotheken auf die Tanzfläche zerrt.
Die Ergänzungen des Albums beginnen agressiver und härter und entsprechen vornehmlich dem was man nach Stücken wie Pain erwarten würde. Die harten Titel überwiegen Brave New Psychosis, a world without end, try real hard und das extrem disharmonische guilty thoughts stehen ruhigeren Stücken wie dem fast schon frühe:Wumpscut:artigen Waste of Time dem zurück in die verspielte Verzweifelung greifenden New Wave Track Window of My Dreams und dem potentiellen Hitnachfolger Violent Memories, das derart tragisch traurig wie sonst vielleicht the Cure klingt, gegenüber. Itchys Selbstzerstörerische Tendenz wird derweil in jeder Textzeile zum besten gegeben. Die Lyrik eines Menschen der bis zur letzten Zeile keinen Frieden mit seinem Leben findet. Musikalisch wie beschrieben irgendwo in den Synthlastigen wirren des Postpunks auf der Höhe des Geschehens und einem tatsächlich guten und interessanten Songschreiber und Sänger.
Einzig den 1995er Remix finde ich beschämend schlecht, aber bitte, was solls: Das Album ist ein Klassiker.