Von der ersten America über Homecoming zu Hat Trick finden sich die allermeisten Klasselieder dieser herausragenden Band. Ab und mit dem vielgepriesenen Album Holiday verseichtet America zusehends und wird gefällig, die Songs dadurch grösstenteils überzuckert und bedeutungslos. Allerdings muss man auch sagen, dass es America trotzdem immer noch schafften, auch in ihrer späteren Phase vereinzelt ganz tolle Songs zu machen. Aber bis und mit Hat Trick war America ein Überflieger. Crosby, Stills, Nash and Young und Jackson Browne und und und... schaffen es nie ganz, dieses eine Gefühl zu konservieren, nach dem ich so lange auf der Suche war: die fast heilen 70er, die Post-Hippie-Generation, der allmähliche Zerfall der Hoffnung, dass es doch noch mal gut werden würde mit der Menschheit. Dabei ist America entrümpelt von Protestsongs, irgendwelchen Ideologien oder Kniefällen an Selbstzerstörer- und Aussenseitertum. America sind irgendwie natürliche Aussenseiter, ohne sich deswegen gross aufzuspielen. Ihre Musik ist durchweg persönlich gehalten, nicht verarbeitete Erinnerungen ans Erwachsenwerden aus dieser Zeit, melancholische Rückblicke... die meines Erachtens tatsächlich oft mystische Musik von America kommt aus der Seele und klingt unangestrengt und ungekünstelt. Und Hat Trick stellt den Zenith ihres Schaffens dar. Man hört, wie sehr sie sich Mühe geben mit den Songs, die Arrangements perfekt hinkriegen, IHR Album kreieren. Der fast 10minütige Song Hat Trick ist dabei ihr Epos, im Mittelpart wird eine unerreichte, ziemlich düstere Atmosphäre beschworen. Ein einsames sich Umsehen auf regennassen Strassen, Verlust. Wer auf der Suche nach den verschollenen Stimmungen der 70er ein Referenzalbum sucht, hat mit Hat Trick einen Schatz ausgegraben.