"Der Schwarze Schmetterling Teil 1: Hast Du mich vermisst?" der Newcomer Asp wird beim schwelgerischen Dark-Wave-Nachwuchs ebenso sicher landen wie bei hartgesotteneren lichtscheuen Abtänzern. "Dancing" ist das Motto, mal verhalten, mal mit den Stiefeln zuerst. Die Texte sind teils deutsch, teils englisch, letztere angenehm oberhalb des sonst leider branchenüblichen Grundkurs-Niveaus. Musikalisch bedient man sich zwar gruftiger Konventionen, doch zehrt der Weltschmerz auch im technoiden und metallenen Gewand, sowie im Rhythmus von Ravel: Die Kunst kommt vom Können und nicht aus der Attitüde. Die geschmackssichere Geschlossenheit der Arrangements kommt - bei aller digitalen Hämmerei - aus dem Vertrauen auf die Kraft von Gitarrenriffs und, vor allem, der Stimme. Ungewöhnlich vielseitig für das Gothic-Gewerbe ist dieser Sänger, er spielt mit seinen Klangfarben, greift, um das Bild zu wechseln, erst leis und traurig in die Saiten, nur um im nächsten Moment die Streitaxt zu schwingen, wie in "Und wir tanzten". Und während "Imbecile Anthem" in den Strophen an die vornehme Schüchternheit britischer NewWave-Stimmen erinnert, verdankt sich die Wucht solch fetter Dancefloor-Nummern wie "Dancing" oder "Sing Child" nicht zuletzt den gebieterischen Refrains. Auch das Mittelalter ist bei Asp elektronisch ("Küss mich"), doch Melodiebögen und Backing Vocals schaffen eine eigentümliche Atmosphäre von Kapuzenträgern und Fackelschein. Ein selbstbewußtes, rundum gelungenes Erstlingswerk, nicht nur fürs Düstervolk.