Wir erinnern uns: Frankreich kam vor zwei Jahren nicht mehr zur Ruh. Nächtliche Krawalle waren an der Tagesordnung. Autos brannten, Steine flogen, Scheiben - und das war noch das geringste Übel - gingen zu Bruch. Eine Kettenreaktion der Gewalt; ein Aufstand gegen die Obrigkeit. Das Gros der Bewohner solch sozialer Brandherde wie Chêne-Pointu hatte in jenen Tagen ein personifiziertes Feindbild. Die Rede ist von Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy, der mit harter Hand gegen die "Aggressoren" (so seine Sichtweise) vorzugehen gedachte.
Ihr fragt Euch nun womöglich was die Unruhen in der Pariser Banlieue mit "La Haine" zu tun haben? Viel! 1995, sprich zehn Jahre bevor in Frankreich der Bär zu steppen begann, schuf Mathieu Kassovitz mit "La Haine" einen außergewöhnlichen Film, der exakt die Themen aufgriff, die Jahre später im eingangs erwähnten, kollektiven Amoklauf sozial benachteiligter Menschen kumulierten. Mit Weitblick entführt uns Kassovitz für eine Nacht in einen Pariser Vorort, wo unter anderem auch Abdel, Said, Hubert und Vinz (gespielt von Frankreichs neuem Superstar Vincent Cassel) mehr schlecht als recht in den Tag hinein leben. Rassismus und Polizeigewalt stehen auf der Tagesordnung. Als Abdel eines Abends von der Polizei aufgegriffen und im Anschluss schwer verletzt wird, tobt der Mob. Es ist der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt. Diverse Jugendbanden rotten sich zusammen und zetteln einen Aufstand an. Auch Said, Hubert und Vinz sind zu allem bereit. Die Situation eskaliert - das Ghetto brennt.
In all dem Chaos findet Vinz die Dienstpistole eines Polizisten, die dieser im Eifer des Gefechts kurz zuvor verlor. Sollte Abdel tatsächlich sterben, so ist Vinz bereit, einen Polizisten zu erschießen. Sein Motto: "Auge um Auge, Zahn um Zahn".
Mathieu Kassovitz filmte damals, der brisanten Thematik wegen, in schwarzweiß, was den bewegenden Bildern im Nachhinein eine eigenwillige Authentizität verleiht. Im Falle "La Haine" war bislang die (längst vergriffene) Frankreich-DVD - übrigens mit deutschen Untertiteln! - das Nonplusultra. Jetzt ist das natürlich anders. Universal veröffentlichten diesen sagenhaften, weil aufwühlenden Film nun erstmals auch hierzulande auf DVD, noch dazu mit einer Unmenge an Bonus-Material.
Damit nicht genug: "La Haine" erschien zudem als streng limitiertes Steelbook. Wer hier nicht zuschlägt, hat den Knall nicht gehört...