Als das Album 1992 herauskam, dachte ich zunächst: "Ach ja, Harvest II". Und in der Tat schien Neil Young sein Konzept von 1972 einfach wieder aufzunehmen. Allerdings auf hohem Niveau und mit einer beachtlichen Selbst-Ironie. Nachdem Young sich in den Jahren davor in den verschiedensten Genres ausgetobt und unmittelbar vor Veröffentlichung von "Harvest Moon" ein ordentlich krachendes Live-Album mit Crazy Horse veröffentlicht hatte ("Weld"), zeigte der Altmeister nun wieder seine Countryfolk-Seite. Das wirkt manchmal konservativ, aber wird im Detail so liebevoll dargeboten, dass es eine reine Freude ist.
Der Einstieg mit "Unknown Legend" ist ideal gewählt; ein Song in Midtime-Tempo, geradlinig und schnörkellos. Gleich gefolgt von einem herrlichen "From Hank To Hendrix". Der Faden ist aufgenommen - und wird bis zum hymnischen "Natural Beauty" durchgehalten. Hier spielt ein Mann auf, der sich und der Welt nichts mehr beweisen muss - und damit einen Klassiker geschaffen hat, der an Entspanntheit und Wärme kaum zu übertreffen ist.
Einziger Ausrutscher, zumindest nach meinem Geschmack, ist das etwas klebrige "Such A Woman". Der unangenehme Nachgeschmack dieses Songs wird aber sofort getilgt durch das wunderbar schräge "Old King" (man achte einmal auf die Instrumentierung!).
Alles in allem eine Empfehlung für Freunde folkiger Musik. Mein besonderer Tipp: das nur mit Akkustik-Gitarre eingespielte "You And Me" sowie der Song "War Of Man".