Ich muss zu Beginn einfach mal sagen, dass ich grundsätzlich ein Problem damit habe, wenn irgendwer oder irgendwas sich versucht ein Image aufzubauen, da so überhaupt nicht der Realität entspricht. Das kann man gerne als meine persönliche Macke betrachten.
Ergo: Wenn irgendwo Hartz IV drauf steht, will ich, dass es auch drin ist. Also: Die Möbel sollten billig sein, die Anleitungen verständlich und möglichst ohne viel Spezialwerkzeug, denn das hat man weder als Hartz IV noch als Student.(Und wahrscheinlich sind Studenten sogar eher die Zielgruppe, zumindest hatte ich so den Eindruck. ;-P)
Zum Thema billig: Ich kann es schlecht beurteilen, aber nach allem, was ich an Gerüchten und Klischees über Hartz IV Empfänger habe, sind 20 Euro für sie schon verdammt viel Geld. Für Studenten ebenfalls. Teilweise.
Für ein Designerstück ist das aber auch in Ordnung zu verlangen. Nur leider wird es meistens doch mehr, denn Herr Van Bo geht eifnach mal vom billigst möglichen, statt vom realistischsten Preis aus. Ich würde ihm ja verzeihen... wenn da nicht dieser Spruch wäre: »Du hast kein Geld für Möbel? Dann bau Dir selber welche!« Ja genau... Wo sind die Zeiten hin, als Studenten noch Sperrholzmöbel in die WG stellten? Sahen klasse aus und teilweise richtige Designerstücke dabei. Oder als man aus Sperrholz noch das Gestell für den WG-Tisch zusammenschraubte, anstatt im Baumarkt Leimholz für 19.99 zu kaufen um einen Stuhl daraus zu bauen? Naja, okay... Hier gehts nicht um DIY, sondern um Design. Meinetwegen. Aber dann schreib das doch auch so, Van Bo! Dann nenn es DIY-Designmöbel oder so. Hartz IV Möbel ist in so einem Fall einfach nur reißerisch und dumm.
Oder die Umwelt. Ach ja, die Umwelt. Ist der jetzt mehr damit gedient, wenn man selber neu baut anstatt zu recycln?
Zum Thema verständlich: Die Anleitungen sind grottig. Man kann danach bauen, ja. Aber es wird einem nicht gerade einfach gemacht. Über das Design der Anleitungen kann man streiten, aber nicht über ihren Inhalt. Jemand, der nie zuvor mit Holz gearbeitet hat, kommt damit in der Regel nicht klar. Hier wäre, ganz im demokratischen Sinne von "Jeder kann seine Möbel selber bauen" etwas mehr Entgegenkommen sehr, sehr wünschenswert. Es ist eben nicht jeder mit einer Bohrmaschine auf die Welt gekommen und man sollte die Leute vielleicht besser mal dort abholen, wo sie sind.
Übrigens: Ein ausgebildeter Schreiner den ich kenne, meinte, dass die Anleitungen streckenweise so gar nicht funktionieren. Bezog sich auf den Kreuzberg Chair, keine Ahnung, wie es mit den anderen aussieht. Das Biegen mit nur zwei Schraubzwingen, wie in der Anleitung gezeichnet, führt je nach Material zu unbrauchbaren Ergebnissen. Sein Zitat: "Ne, ich glaub nicht mal, dass er das selber gebaut hat. So wie die Anleitungen aussehen, hat er das garantiert nur gezeichnet und irgendwen nachbauen lassen, sonst wär da manches einfach besser durchdacht." Kann man glauben, oder auch nicht. Für mich sieht es aber auch so aus. :-P
Zum Thema Spezialwerkzeug: Der Kreuzberg Chair benötigt einen überlangen Bohrer, den man nur im Fachhandel bekommt. Okay, Einzelfall. Aber bei vielen Anleitungen wäre eine Tischbohrmaschine schon verdammt nützlich, um irgendetwas gerade hin zu bekommen. Vielleicht gehts mit viel Tüfteln auch mit der elektrische Handbohrmaschine, aber die sollte man schon besser haben, bevor man mit der Brustleier ins Leimholz drillt. ;-) Und ne Japan- oder Fuchsschwanzsäge wär nicht schlecht. Man sollte einfach schon ein bisschen Kruscht haben, bevor man HartzIVler oder Student wird, sonst wird es eng. ;-)
Le Van Bo hat eine Menge Gedanken, die oberflächlich gut klingen - aber dann in der Umsetzung derart vor Inkonsequenz strotzen. Zum Beispiel dieser "Open Source"-Gedanke mit den gratis Anleitungen im Internet. Ja, sie sind gratis. Aber warum zur Hölle soll ich Herr Van Bo erzählen, was ich damit vorhabe und ihm meine Adresse und alles geben. Weil ein paar Leute sonst auf die Idee kommen könnten, Geld mit seinen Plänen zu machen? Nää.
Okay, das Gesamturteil:
Wer schon mal mit Holz gearbeitet hat, ein bisschen Werkzweug zu Hause hat und auch ein paar Moneten zu Seite, falls dann doch noch was gebraucht wird - kauft es euch meinetwegen.
Wer zwei linke Hände hat, ohne Bohrmaschine auf die Welt gekommen ist und wirklich nur 39,96 Euro im Monat für Freizeitaktivitäten bezieht (oder nur mikriges Bafög bekommt :-P), und auch ein Problem mit dem etwas fadenscheinig umgesetzter Konzept hat, sollte es sich eventuell nochmal überlegen.
Ein Wort zum Schluss, zitiert von hartzivmoebel de :
Please don't choose Amazon, they are exploiters!