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Zu Fuss durch Amerika. Na ja. Wo sind die Leute in letzter Zeit nicht überall zu Fuss unterwegs gewesen, seitdem Hape Kerkeling ein Paar Schuhe auf dem Jakobsweg durchgelaufen hat. Zu Fuss durch Deutschland, durch die Sahara, durch Wanne-Eickel. Bei den meisten Autoren sind diese Reisen mehr oder weniger trivial, wenn man Glück hat, sind sie wenigstens unterhaltsam.
Wolfgang Büscher ist nicht das erste Mal zu Fuss unterwegs. Er hat schon Berlin-Moskau bewältigt (sowohl konditionell als auch literarisch) und eine Deutschlandreise ist ebenfalls als Buch erschienen. Die hatte ich bereits gelesen und fand sie schon herausragend wegen der präzisen Sprache und der atmosphärischen Beschreibungen, die niemals ins Triviale abgleiten, oder abgehoben und versponnen wirken. Büscher reist mit allen Sinnen, aufmerksam und aufgeschlossen und so gelingen ihm intensive Begegnungen auf Augenhöhe. Wegen dieser "Deutschlandreise" habe ich mir auch Hartland zugelegt und ich muss sagen, dass mich noch selten ein Buch so sprachlos zurückgelassen hat wie dieses. Wer glaubt, unsere moderne, durchgeplante, überraschungslose und gleichgeschaltete westliche Welt böte keine Abenteuer mehr, der wird aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Büscher beschreibt zwei Amerikas: Eines, das man aus alten Erzählungen kennt, einen Anachronismus in der modernen, heutigen USA, ein Amerika der weiten, menschenleeren Landstriche und der misstrauischen und allgewaltigen Dorfsherrifs. Und das andere, das brodelnde, multikulturelle und oft genug paranoide US-Amerika, in dem Büscher manchmal wie Strandgut angeschwemmt wirkt. Er wandert und trampt 3500 Kilometer durch ein Land, das zwischen Traum und Alptraum schwankt. Wenn er stundenlang von einem ignoranten Angestellten des Heimatschutzministeriums verhört wird, der in ihm partout eine Gefahr für die Sicherheit der Vereinigten Staaten erkennen will, dann spürt man, wie nah die USA am Rande zum Totalitarismus steht. Wenn er durch die Riesenfarmen des Mittleren Westens zieht, dann tun auch dem Leser die Füße weh und er sehnt sich nach einer Mitfahrgelegenheit. Wenn er in der Geisterstadt Hartland (das mal Heartland hieß) mitten in der Einöde auf ein lebendes Gespenst trifft, das mit einer Ration Medikamente und einer Flinte in der Hand auf den Tod wartet, dann zieht es einem das Herz zusammen.
Büscher hat eine Art, diese Begegnungen, diese Momente mit Sprache festzuhalten, die wohl einzigartig ist. Dieses Buch ist auf jeden Fall einzigartig und das beste, das ich seit Langem gelesen habe. Es ist nur schade, dass ich kein Schriftsteller bin und meine Begeisterung nicht genauso virtuos zu Papier bringen kann, wie Büscher. Das Buch hätte es verdient.
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TOP 500 REZENSENTam 29. April 2014
Ein Mann wandert von der Kanadischen Grenze südwärts durch die gesamten Vereinigten Staaten, durch Nord- und Süddakota, Nebraska, Kansas, Oklahoma und Texas die Route 77 entlang bis zur mexikanischen Grenze. Drei Monate und über 3000 Meilen ist er unterwegs, durch Schnee und Eis, durch Sturm und Regen durch Hitze und Wüste. Sein Name ist Wolfgang Büscher, und in dem vorliegenden Buch erzählt er die Geschichte dieser Reise
"Dieser knisternd gegenwärtige Wintermorgen in Norddakota, schneidende Kälte, in der ich ging, der leichte Schmerz beim Einatmen, die winterstarre Welt – all das barg die pochende Erwartung von Dingen, die kommen würden, die auf mich warteten an der Biegung der Straße. Immerzu hielt ich Ausschau nach etwas, nach einer Farm, einem Haus, einer Rinderherde, einem Pferd, einem Auto, einem totgefahrenen Hirsch oder Kojoten. Das alles gab es alle paar Meilen, aber es diente nur dazu, die Leere umso vernichtender, umso grandioser zu empfinden, die endlose, baumlose, brettflache Prärie. Wie leer Amerika war, so leer war Amerika, so amerikanisch war die Leere – das hatte ich vorher nicht gewusst." (Seite 27) Er trinkt Kaffee mit einem krebskranken Ex-Militär, der sich sofort nach der Diagnose seiner Krebserkrankung in eine abgelegene Hütte zurückgezogen hatte, um im Angesicht der Natur zu sterben. Er begegnet den Spuren ausgestorbener Indianerkulturen am Missouri, gedenkt der Millionen abgeschlachteter Büffel und der Indianer, die in der ersten Hälfte des 19. Jhdt. einer Pockenepidemie erlagen. Er erinnert sich an den jungen Knut Hamsun, der eine Zeitlang in Dakota arbeitete und nach seiner Heimkehr den USA ein denkbar schlechtes Zeugnis ausstellte. In Büschers Gepäck befinden sich die Reisebeschreibungen des Deutschen Max Prinz zu Wied und Neuwied, der um 1836 diese Gegend bereiste und dessen Veröffentlichungen möglicherweise Karl May inspiriert haben. In einem Indianer-Casino beobachtet er alte Menschen, die in unbeschreiblicher Tristesse vor den Spielmaschinen sitzen, kauft einen Revolver, den er niemals brauchen wird, von einem Indianerjungen und schläft eine Nacht in einem elenden Trailer bei dem Cowboyindianer Mitch.
Regelmäßig halten Fahrzeuge neben ihn, deren Fahrer ihn fragen „Need a Ride?“, was das Vorankommen nicht unwesentlich erleichtert. Immer wieder trifft er bei seinen Wanderungen auch auf leere Städte und menschenleere Plätze und fragt sich: wo sind nur all die Leute abgeblieben? Er schläft in leeren Hotels, in denen man seine Zimmer selbst suchen und am Morgen seine Kreditkartennummer auf einem Zettel hinterlassen kann und flieht aus einem Obdachlosenasyl vor der bürokratischen Traurigkeit des Hauses. In Omaha erinnert ihn das Tuten de Eisenbahn an den Beginn des großen Eisenbahnbaus von 1862, als gleichzeitig in Omaha und San Francisco der Bau einer transkontinentalen Strecke begann, die 1869 fertiggestellt wurde. Je weiter er nach Süden kommt, desto mehr gesellt sich zur Plage der endlosen Straße der Gegenwind als neuer Feind hinzu. Bald ist auch die Kulturgrenze des Südens erreicht: nun dominiert der Stetson-Hut statt Kappe, das "Sir" statt dem "du" und auf den T- Shirt ist zu lesen: "Du quatschst, und ich mach das Rennen". Dann bricht der Sommer herein wie eine Heimsuchung: "Die angestammte Folge der Jahreszeiten scherte ihn nicht, dem altersschwachen Winter gab er den Gnadenschuss, den zarten Frühling stieß er grob zur Seite, ein nutzloser Geck in seinen Augen, sollte er in den Avenuen der großen Städte flanieren, hier draußen hatte er nichts verloren – hier sprang jetzt der Sommer vom dampfenden Pferd und riss die Herrschaft an sich mit seinem wüsten Gefolge, einer Bande von Tornados." (Seite 189) Während der Wanderung durch Kansas erinnert sich Büscher an die dritte Conquista, die Coronado-Expedition von 1540/1, und macht Bekanntschaft mit der bestürzenden Leere der Prärie, der baumlosen ozeangleichen Unendlichkeit, die die Spanier zur Verzweiflung brachte und sich erst später als nutzbar erwies. In Purcell wurde der Autor dann derart eingeregnet, das er kurz davor war, einen Wagen zu kaufen, er ließ es aber und las stattdessen ein Buches über die Penny Auktion in den Depressionszeiten, ehe er weiter marschierte.
In Dallas steht Büscher am Lee Harvey Oswald-Fenster über der Elm Street und erinnert sich an den Helden Kennedy, den Heros seiner Kindheit. Amerika als Verheißung, wo jeder Tag neu gepflückt werden konnte, während der Osten als Reich der Finsternis galt – das waren Büschers Jugendempfindungen. „Amerika, das sich selbst besingende Land,“ notiert Büscher als erwachsener Mann. Bei einem Treffen mit Anhängern der Davidianer Sekte taucht er tief ein in die Geisterwelt des religiösen Fundamentalismus, dann wieder ist er Gast einer munteren texanischen Hochzeitsgesellschaft, der auch durch einen Hurricane das Lachen nicht vergeht. Er genießt den Rock n' Roll auf der Sixth Street von Austin, verliert seinen Rucksacks und wandert schließlich wie ein Hobo über die Straßen von Texas, von denen er doch immer wieder aufgelesen und von freundlichen Menschen weitertransportiert wird. Am Ende fährt er auf der Ladefläche eines Tracks durch eine Wüstenpassage zusammen mit voll beladenen mexikanischen Wagen der Grenze entgegen. Im „mörderischen“ Metamoros jenseits der mexikanischen Grenze endet die Reise.
Man sieht: das vorliegende Buch alles mögliche, nur kein Abenteuerbuch - das Gefährlichste, was Büscher erlebt, ist eine Szene, in der ihn ein Sheriff bei einer Kontrolle höflich auffordert, sich mit gespreizten Beinen rücklings vor den Wagen zu stellen. Aber was immer an Nebensächlichem, Alltäglichem au dieser langen, langen Reise auch geschieht: Büscher findet dafür eine unverwechselbar poetische Sprache, mit der es gelingt, den Zauber seiner Reise in der Phantasie seiner Leser lebendig werden zu lassen. Er sieht und notiert, schafft Stimmungen und Bilder und wertet sparsam, wenn überhaupt, und unterscheidet sich auf diese Weise wohltuend etwa von der europazentischen Amerikaliteratur von Gert Mak und anderen, deren Urteile manchmal den Blick auf das Land verstellen. Nicht so Wolfgang Büscher. Er ist der Poet unter den Reiseschriftstellern seiner Generation, ein Meister des Wortes und der Atmosphäre und ein Beweis dafür, dass Reisebücher durchaus literarischen Rang besitzen können, auch wenn in ihnen nicht viel passiert. Unbedingt empfehlenswert.
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Was treibt jemanden, 3500 km zu Fuß die USA zu durchqueren - ein Land, wo eigentlich niemand zu Fuß geht, nicht mal in den Städten? Es ist wohl der Drang, in einer durchorganisierten Welt noch ein wirkliches Abenteuer zu erleben, sich treiben zu lassen, ohne Gedanken an den Weg. Lassen wir es den Autor selbst ausdrücken: "Es ist Raum, es ist Zeit, es geht weiter - das musste die größtmögliche Freiheit sein."

Wolgang Büscher hat das einzigartige Abenteuer gewagt und die USA von Nord nach Süd zu Fuß durchquert. Und dabei hat er die unterschiedlichsten Landschaften gesehen, von schneebedeckten Wäldern im Norden bis zu sonnenüberfluteten Prärien im Süden. Besonders prägend waren die Menschen, die er auf seinem Weg kennen gelernt hat. Es waren oft Menschen wie er selbst - auf der Suche nach Abenteuer, nach Freiheit, nach Neuem. Sie fragten ihn nie als erstes, woher er kommt, sondern wohin er geht. Und so lernte er auch das amerikanische Lebensgefühl kennen - nicht zurückzuschauen, nur nach vorn.

Die Orte, durch die er kommt, sind oft sehr geschichtsträchtig. So durchstreift er das ehemalige Land der Dakota-Indianer, der Sioux-Indianer. Und im Buch gibt es entsprechend Rückblenden, die die Zeit der Auseinandersetzungen zwischen Siedlern und Indianern wieder lebendig werden lassen. Er kommt z.B. auch durch Omaha - dem Ort, wo die Bomber für Hiroshima und Nagasaki gebaut wurden. Noch viele andere bedeutende historische Orte und damit verbundene Ereignisse werden erwähnt, so dass das Buch auch eine Art Geschichtsband ist.

Fazit: Das Buch enthält so viele einzigartige Impressionen, dass man es auch zwei- oder dreimal lesen kann, oder vielleicht sogar sollte. Aber schon beim ersten Lesen bekommt man Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer - so wie der Autor sie erlebt hat.
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Es war Hans-Otto-Meissner, ein deutscher Reiseschriftsteller, der in mir die latent vorhandene On-The-Road-Sehnsucht entfachte, ein imaginäres Feuer, das wohl nicht mehr zu löschen ist: "Der Stern von Kalifornien" stand am Anfang, andere Bücher (später auch Filme) ließen es glimmen und Reisen hoch auflodern. Die Beschreibungen vom Reisen in Amerika sind so zahlreich wie vielfältig; der schreibenden Zunft scheint es bei diesem Thema besonders in den Fingern zu jucken und jeder hat seine eigene Herangehensweise. So lernt man die Autoren "mit denen man reist" in aller Regel ganz gut kennen, zumal fast alle zu philosophischen Betrachtungen neigen, an denen wir lesend teilhaben dürfen.

Nun also "Hartland". Von Kanada kommend und qualvolle Einreiseformalitäten überstehend, reist der Autor in das von 9/11 immer noch verstörte Land ein. Auf 3.500 Kilometern Länge, von Nord nach Süd, will er die Vereinigten Staaten durchqueren. Die Route 77 ist dabei seine Leitschnur, die er laufend, fahrend und mitfahrend bewältigt. Er reist mit leichtem Gepäck und großem Hintergrundwissen, an dem er uns in Bruchstücken teilhaben lässt. Karl May und Wied, Black Elk, Crazy Horse, Büffelherden und Wounded Knee, die untergegangene Welt der Indianer flackert in dieser Geschichte immer wieder auf, interessant für alle, die sich mit diesem Thema auch schon befasst haben ( "Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses"...) und Anreiz für jene, die sich damit vielleicht noch beschäftigen wollen. Er skizziert Landschaften, die nicht als Touristenattraktionen gelten, und Orte, die nur allzu oft Unorte sind und denen etwas beständig Geisterhaftes anhaftet. Er trifft auf entwurzelte und fest verankerte Menschen auf seinem Weg, nicht aber auf Berglöwen, die immer wieder als abwesende Gefahr durch die Erzählung schleichen und neigt dazu, gut gemeinte Ratschläge stoisch in den Wind zu schreiben, was meist in Ordnung ist. Der Wind allerdings ist oft anwesend und überhaupt spielt das Wetter für einen, der sich der Natur aussetzt, die übliche dominierende Rolle. Viele Motels, Diners und Bars später endet die Reise in Mexiko. Dieser Grenzübertritt verläuft reibungslos und kostet nur 65 Cent.

Wolfgang Büscher beherrscht das Wort und versteht reflektierend zu schreiben. Das Buch liest sich leicht, dennoch sind Unterströmungen vorhanden, seicht ist es nicht. Trotzdem irritierte mich während der Lektüre die oft spürbare Distanz des Autors zum Land, zum Leser und vielleicht sogar zu sich selbst. Dieses Buch hat etwas Akademisches, Reißbrettartiges, wie hinter Glas Geschriebenes. Da hat sich einer nicht eingelassen. Da ist nicht einer seinen Weg gegangen und hat anschließend darüber geschrieben. Da ist einer wegen des Schreibens gegangen, das mag einer der Gründe sein, warum "Hartland" mich nicht berührt hat, auf jene Weise, die lange nachwirkt. Wie der Zufall es so wollte, habe ich erst vor kurzem das für mich eindrucksvollste Buch vom Reisen in Amerika wiedergelesen: "Blue Highways" von William Least Heat Moon, der sich in den 1980er-Jahren in seinem zum Mini-Wohnmobil umfunktionierten Pickup namens "Geistertanz" (!) aufmachte, um die Trennung von der "Frau des Häuptlings" zu verarbeiten und mit Herzblut von seinem Land, seinem verschwundenen Land und von den Menschen, die er auf seiner Reise traf, zu erzählen. Es ist fast ein Vierteljahrhundert her, dass ich "Blue Highways" zum ersten Mal las und immer ist das Buch in mir lebendig geblieben. "Hartland" dagegen beginnt schon jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, zu verblassen.

Helga Kurz
14. Mai 2011
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am 30. September 2011
Als ich das Buch las, wurde mir klar, wieviel sich in den Vereinigten Staaten verändert hatte, seitdem ich erstmals, als junger und auf die USA gut vorbereiteter Austauschstudent 1956 in New York vom Schiff stieg. Ich war damals amerikanischer als die Amerikaner selbst, ich hatte durch die Nachkriegsverhältnisse die Sprache so gut gelernt, dass mich später sogar ein Mann vom FBI als einen Landsmann ansah, ich konnte alle Schlager der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts auswendig und mochte sie, ich hatte ernsthafte Werke amerikanischer Autoren gelesen, und nichts überraschte mich dort., außer dem schwülen Wetter des New Yorker Sommers.

Auch später, an einer großen Universität des Mittelwestens, fühlte ich mich wie zu Hause, ja besser, weil das Studium besser organisiert war als in Berlin, weil die Professoren nie fehlten, die Studenten zu allen ihren Vorlesungen antraten, weil es dazu auch noch eine große Menge interessanter kultureller Veranstaltungen gab ' klassische Konzerte, internationales Theater, Filme aus allen Ländern. Es waren goldene Jahre, die ich dort verbrachte und ich trage sie immer noch im Herzen.

Von einem Europa-Urlaub hatte ich einmal für einen Bekannten einen VW gekauft und mitgebracht, überführte ihn via Kanada und floß trotz meiner großen ovalen Kennzeichen einfach im morgendlichen Verkehr wieder über die Grenze bei Detroit zurück, ohne dass ich auch nur angehalten wurde.

Wie anders dagegen Büschers Einreise, zu Fuß, in der Einsamkeit des Nordens, das stundelange bösartige Verhör, die Atmosphäre in der Baracke an der Grenze, die mich an die DDR-Kontrolle am Bahnhof Marienborn erinnerte; es hatte damals, 1950, zwei Stunden gedauert, bis alle Reisenden wieder im Zug sitzen konnten.

Solche bedrückenden Zwischenfälle wurden für Büscher zwar nicht die Regel, ereigneten sich aber immer wieder, insbesondere wurde nach Waffen geforscht, obwohl der 2. Zusatzartikel der Verfassung das Recht garantiert, 'to bear arms', das aber wohl nicht mehr generell gilt.

Seine Art zu reisen beschert dem Autor immer wieder trotz der Einsamkeit des tiefen Westens, äußerst intensive Erlebnisse mit den wenigen Leuten, die dort leben. Manche der Kritiker auf Amazon haben ihm vorgeworfen, immer wieder mal mit Autos gefahren zu sein; für mich ist das ein albernes Argument, denn was hier zählt, ist nicht der Fußmarsch als solcher, der in jedem Falle bewunderungswürdig ist, sondern das Erlebte. Büscher sagt nicht nur, wo jeweils sein Weg verlief, er hat sich äußerst gründlich vorbereitet ' oder hinterher Elemente der großen Geschichte eingefügt, sodass der Leser nicht nur erfährt, wieviel er für seine Übernachtung oder sein Bier bezahlen musste, sondern was in den letzten Jahrhunderten in dieser Gegend vor sich ging, von Lewis und Clarks Erkundung des Missouri vor bald 200 Jahren, zu den blutigen Massakern an den Indianern zwei Generationen später, über die ethnologischen und linguistischen Forschungen des Prinzen zu Wied bis hin zu Karl May und seiner Sympathie für die untergehenden Stämme.

Hinzu kommt, dass es Büscher gelingt, seine Erlebnisse geradezu lyrisch zu veredeln, ob es sich nun um die Wirkung des Frühlingswindes handelt, der den Winter ganz plötzlich vertreibt, oder der Anblick einer zerfallenden Siedlung und der spärlichen menschlichen Wracks ist, die dort vermodern.

Was immer wieder auffällt, sind die Kontraste zwischen den vielleicht noch bestehenden schönen bewohnten Bauten in manchen Stadtzentren aus der großen Zeit vor hundert Jahren, als es dort noch aufwärts ging mit der Eisenbahn, dem Bergbau oder der Viehzucht und den ärmlichen Verhältnissen der Bewohner die heute in den ausufernden Ortschaften wohnen.

Die Menschen, die Büscher trifft, sind notwendigerweise skurril, eigenartig, sie brauchen sich nicht anzupassen und haben wenig menschlichen Kontakt in ihrer dünn bevölkerten Landschaft, sie sehen vielleicht im Fernsehen das Leben an den Küsten der USA, wo ja über die Hälfte der Amerikaner wohnen, doch um sie herum ist die Welt so, wie sie war, als sich die ersten Siedler dort niederließen und solche Typen herumliefen, wie wir sie aus den Büchern von Mark Twain kennen.

So hat Büscher das Glück, immer wieder auf Menschen zu stoßen, die den direkten Gedankenaustausch mit jemand aus einer anderen Welt schätzen und die ihm daher auf seinem Weg helfen, sei es, dass sie ihn in ihrem rostigen Wohnwagen schlafen lassen oder zu einem erheblichen Umweg bereit sind, um ihn wieder auf den rechtenWeg zu bringen. Das ist noch der alte Grenzergeist, der die Forderungen des Tages zu erfüllen suchte, das jeweils Nötige tat und auch erwartete, das es ihm irgend wieder in anderer Weise vergolten würde.

Er sieht auch, wie die Menschen in den kleinen Orten immer wieder versuchen, sich in der Welt zu verankern, indem sie die Historie ihres Städtchens in einem kleinen Museum darstellen, ganz so, wie wir eigentlich alle irgendwie einen Halt zu finden suchen, durch die Suche nach unseren Vorfahren. In allem Rummel, den man vielleicht durch imitierte Oktoberfeste hervorrufen kann und der, wie so häufig nichts als Selbsttäuschung oder Nepp ist, lebt auch in kleinem intimen Rahmen die alte Tradition des weiten Westen fort, mit ihren Cowboy-Liedern, die von ganz einfachen Menschen quasi aus Liebe gespielt und gesungen werden.

Das ist natürlich alles sehr anrührend und macht das Buch schon dadurch lesenswert, aber irgendwie hat man doch immer das Gefühl, dass die große Zeit nicht nur des Wilden Westens, sondern der Vereinigten Staaten ganz allgemein vorbei ist und dass das Land seine eigenen Leute aufgegeben und verspekuliert hat. Der Mythos Amerikas ist verweht. Das Land hat sich in den vergangenen 50 Jahren durch einen sinnlosen Krieg nach dem anderen (na ja, den in Korea konnte man als Europäer noch akzeptieren, aber Vietnam war dann schon, allein in seinen Mitteln, zweifelhaft, und die späteren sowieso) aufgerieben und ruiniert und bricht sozial auseinander. Nein, Amerika, du hast es ncht mehr besser, im Gegenteil.

An irgendeiner Stelle seines Buches sagt Büscher, den Vereinigten Staaten sei es zwar nicht immer gelungen, ihrer Bevölkerung ein relativ akzeptables Leben zu verschaffen, aber man habe es immer geschafft, die Menschen das nicht unbedingt merken zu lassen.
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am 19. Mai 2013
300 Seiten über eine reale Fussreise durch Amerika; so eine Art Reisebericht. Die Route führte 2010 von Nord nach Süd, von der kanadischen Grenze am Missouri entlang bis nach Dalles und zum Golf von Mexiko. Wolfgang Büscher war drei Monate unterwegs, oft natürlich auch per Anhalter, und führt dabei ein Tagebuch, das er dann später mit Erläuterungen zur amerikanischen Geschichte und zur Geschichte der besuchten Orte ergänzt und als Buch publiziert. Das ganze erinnert ein bisschen an "Ich bin dann mal weg" von Hape Kerkeling. Büscher ist aber ein bisschen pessimistischer und etwas melancholischer als Kerkeling. Dafür schreibt Büscher anspruchsvoller, hintergründiger und wortgewaltiger.
Anfangs schien Büscher sogar fast ein bisschen amerikafeindlich, aber das legt sich mit fortschreitender Reisedauer. Und so wird es wohl vielen anderen auch gehen, die erstmals die USA bereisen und die Menschen dann dort selbst kennenlernen. Insgesamt ein spannendes Werk über die sich verändernden Landschaften und Mentalitäten vom kühlen Norden bis in den heissen Süden der USA. Anspruchsvoll geschrieben und lehrreich. Es empfiehlt sich genügend Zeit für die Lektüre einzuplanen; schnell durchgerattert, würde dem Buch nicht gerecht. Wer Interesse an den USA hat, dem sei es wärmstens empfohlen.
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VINE-PRODUKTTESTERam 26. Februar 2016
Wolfgang Büscher ist drei Monate lang durch Amerika gewandert. 3500 KM von Nord nach Süd. Von Norddakota nach Texas.

In "Hartland" erzählt er von dieser Wanderung. Und auch wieder nicht, denn er erzählt weniger vom Wandern an sich, sondern mehr von dem was er sieht und was ihn umgibt, aber auch von dem, was gewesen ist. Wolfgang Büscher beschreibt die Landschaften die er durchläuft, die Orte die er durchquert und erzählt von den Menschen, denen er begegnet. Immer wieder erzählt er auch von der Vergangenheit Amerikas, von den Indianern, Siedlern, Gold- und Glückssuchern, von den Kriegen aber auch von aktuellen Krisen wie der Wirtschaftskrise.

Mit seinem tollen Schreibstil hat der Autor dabei ständig viele Bilder vor mein inneres Auge gezeichnet. Ich hörte das rauschen des Windes, das knirschen des Schnees, sah die Weite der Prärie und erlebte auch seine Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen mit. Wolfgang Büscher ist ein guter Erzähler und lässt den Leser an seiner Reise und seinen Erlebnissen sehr intensiv teilhaben.

Auch wenn mir der Schreibstil Büschers sehr gut gefallen hat, so konnte ich "Hartland" doch nicht in einem Rutsch durchlesen. Für mich war das Buch daher der ideale Begleiter für die tägliche Bahnfahrt ins Büro.
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TOP 500 REZENSENTam 10. Mai 2011
Das Kritische gleich zum Anfang: Ehrlich gesagt habe ich mich ein wenig geärgert. Über gewisse Strecken macht dieses Buch den Eindruck, dass es eher am Schreibtisch erdacht und geschrieben wurde, als dass hier tatsächlich jemand 3500 KM von Nord nach Süd gewandert wäre. Unrealistisch empfand ich dieses Buch spätestens dann, wenn die hier beschriebenen Amerikaner locker "Need a ride?" den anscheinend Wandernden fragen. Da ich selbst einst in Amerika zu Fuss und mit Rucksack unterwegs war, habe zumindest ich damit Mühe, solche Passagen dem Autor zu glauben. Ausserdem lässt er sich munter mit Greyhound, Autos usw. chauffieren, dass für mich die Underline "Zu Fuss durch Amerika" unglaubhaft, schon fast gefaked daherkommt. Tolles Cover, toller Titel, aber die Umsetzung?? Mich nerven all' die Super-Lobeshymnen auf dieses Buch, mit "seiner grossen Erzählkraft" oder dass "niemand solche Prosa geschrieben habe."

Enttäuscht vermisst man irgendwelche Fotos und fragt sich tatsächlich, ob es hier wirklich um eine erlebte Reisewanderungsbeschreibung geht, oder eher um eine Annäherung an Amerika? Der Autor liest sich selbst durch früher beschriebene Reiseerfahrungen, beschreibt seitenlang, wie andere ursprünglich Amerika erlebt und erforscht haben. Etwa der Prinz Maximilian zu Wied im Jahre 1833. Dafür bräuchte man nicht nach Amerika zu reisen... Ist es realistisch, dass jemand der eine solche Strecke durchwandert, noch Zeit und Mühe auf sich nimmt, um solche Reiseberichte detailiert zu schildern??? Wolfgang Büscher will sich hier dem grossen Land, eher literarisch annähern, daneben liest man alltägliche Begegnungen mit einfachen Menschen, wie wir sie schlicht unterwegs antreffen können. Relativ zuammenhangslos werden hier Menschenbegegnungen geschildert. Wenn es einen roten Faden gibt, dann ist es höchstens die Route von North Portal in North Dakota bis Brownsville, am Rio Grande, an der Grenze zu Mexiko.

Natürlich hat dieses Buch herrlich geschriebene Passagen, interessante Beobachtungen, berührende Elemente, wenn ich an die Begegnungen mit Indianern in ihren Reservaten denke, und dem was aus diesen Menschen geworden ist. Büscher macht dabei einen Abstecher in die Vergangenheit, porträtiert beispielsweise das Leben des "Black Elk." Überhaupt ist Büschers Buch eine Spurensuche in der Vergangenheit. Der Autor bekommt Kontakt zu Amerikanern, deren ursprüngliche Wurzeln nicht selten bis nach Deutschland zurückreichen. Und mal ehrlich: Ist es etwas Neues, dass man an der amerikanischen Grenze bei der Einreise von Zollbeamten wirsch und unfreundlich behandelt wird??? Für mich ist das überhaupt nichts Besonderes, sondern gewohnte Alltäglichkeit!

Fazit: Ich glaube kaum, dass es dieses Buch zu einem Bestseller schaffen dürfte, auch wenn die Aufmachung so gestaltet ist. Dieses Buch ist vielmehr eine literarische Spurensuche in der Vergangenheit dieses grossen Landes, dass Hoffnungsschimmer, Abenteuerlust und Spuren einstiger grosser aber auch trauriger Vergangenheit trägt. Natürlich ist dieses Buch durchaus lesenwert, auch wenn es teilweise den Eindruck erweckt, keine wirklich erlebte Reiseerfahrung zu schildern. Eine Mischung zwischen literarischer Verarbeitung und erlebten Reisebegegnungen. Von einer erlebten Begeisterung, die dann unweigerlich in eine Lobeshymne auf dieses Buch münden dürfte, bin zumindest ich meilenweit (!) davon entfernt!
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am 12. Januar 2012
Hartland ist das dritte Buch von Wolfgang Büscher, das ich gelesen habe, leider hat es mich enttäuscht. Der Autor hat m.E. zuviel Gewicht auf die Geschichte(n) der Indianer gelegt, die einen grossen Teil des Buches ausmachen. Dafür beginnt er, auf
der südlichen Hälfte seiner Reise mit grossen Sprüngen durch das Land zu "rasen".
Die Menschen sind gut beschrieben, es wird im allgemeinen für meinen Geschmack aber zu "dünn" und hört auch zu abrupt auf.
Für mich ist noch immer Berlin-Moskau sein bestes Buch, hier atmet man die Landschaft und spürt die Menschen. Vielleicht liegt es für mich daran, dass Europa und seine Menschen uns näher liegen.
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am 9. Januar 2012
Ich bin mit wenig Erwartungen an dieses Buch herangegangen. Ein Road Movie? Eine Einzelgänger-Geschichte, vielleicht? Doch dann zogen mich schon die ersten Seiten in ihren Bann. Brillant geschrieben überzeugt dieser Reisebericht nicht nur mit grandiosen Landschaftsbildern, sondern auch mit feinfühligen und ausgesprochen treffsicheren Personenportraits. Einmal angefangen, konnte ich gar nicht mehr aufhören, immer mehr Seiten und damit auch vom Autor gewanderte Kilometer hinter mich zu bringen.
"Hartland" ist Reisebericht und Milieustudie in einem, ein Buch das mich restlos begeistert hat.
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