Aus der Amazon.de-Redaktion
"Bad movies we love", schlechte Filme, die wir lieben -- so heißt eine Rubrik in der amerikanischen Kinozeitschrift
Movieline, die den Filmen gewidmet ist, bei denen man ganz genau weiß, dass sie eigentlich nicht mehr zu retten sind, die einem beim Sehen aber doch ein ungeheures Vergnügen bereiten. Es passen allerdings nur ganz wenige Produktionen der letzten Jahre wirklich in diese Kategorie, denn selbst der Trash macht heute nur in den seltensten Fällen noch richtig Spaß. Eine der großen Ausnahmen ist allerdings Marc Rothemunds Teenagerkomödie
Harte Jungs, das deutsche Gegenstück zu
American Pie, das geradezu perfekt in die Kategorie der innig geliebten schlechten Filme passt.
Nach seinem weitgehend verkannten Debüt Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit, einem so amüsanten wie genauen Porträt des Lebens in einer Metropole, hat sich Marc Rothemund mit seinem zweiten Spielfilm der Provinz zugewandt. Natürlich dreht sich auch hier alles um Sex und Liebe und darum, wie gerade Teenager das eine mit dem anderen verwechseln. Aber Rothemund verzichtet nun auf jede Subtilität, die Komödie wird zur Klamotte um Geschlechtsorgane, die sich lautstark zur Wort melden, um praktischen Aufklärungsunterricht bei einer stadtbekannten Dame und um die Nöte eines unscheinbaren Teenagers, der sich in das begehrteste Mädchen der Schule verguckt.
Für Florian (Tobias Schenke) ist die unbeschwerte Zeit der Kindheit vorbei, als eines Morgens sein bestes Stück aufrecht steht und sein Recht einfordert. Von diesem Moment an geht alles in Flos Leben drunter und drüber, und weder sein bester Freund Red Bull (der umwerfend komische und doch völlig natürliche Axel Stein) noch seine Eltern (Sissi Perlinger und Stefan Jürgens) können ihm mit ihren Ratschlägen wirklich helfen. Wie alle Teenager muss er seine Erfahrungen selbst machen, um dann die Liebe dort zu finden, wo er sie gar nicht gesucht hat. Eigentlich reiht Harte Jungs nur Klischees und peinliche Situationen aneinander. Doch die einzelnen Szenen besitzen für sich genommen einen solch dreisten Charme, das man über das Lachen alles andere bald vergisst. --Sascha Westphal
Amazon.de DVD-Bewertung
Mit 20 Minuten Bonusmaterial ist die DVD -- gerade für eine deutsche Produktion -- eigentlich recht ordentlich bestückt. Leider wurde auf ein Making Of zugunsten einer unkommentierten B-Roll verzichtet, die dem Zuschauer keine interessanten neuen Einblicke gewährt. Die Interviews mit den Darstellern und Regisseur Marc Rothemund und ausführliche Filmografien können da nur zum Teil entschädigen. Die Navigation durch die Extras ist aber sehr pfiffig gemacht und macht so schon Spaß. Im DVD-ROM-Teil findet man noch weitere Infos zum Film, Bilder, Links und mehr. Florians "Lulu" spricht mit ihm übrigens in DD 5.1 oder Dolby Surround und wird bei Bedarf deutsch untertitelt.
--Peter Grosser