Bereits zum dritten Mal schickt der Berliner Autor und Journalist Ralph Gerstenberg seinen sympathischen Gelegenheitsdetektiv Henry Palmer in den Dschungel der "neuen Berliner Mitte". Dort, wo Gerstenberg selbst lebt und bereits mit seinem Debüt "Grimm und Lachmund" (1998) und dem folgenden "Ganzheitlich sterben" (2000) Aufmerksamkeit erregte. Dort, wo die Schickimicki-Szene sich breitmacht und nach und nach den farbenprächtigen Kiez verdrängt, wird das Klima rauher. Mafiöse Strukturen erhalten Einzug ins Nachtleben, und eine Bande, die als die 'Tresengangster' bezeichnet wird, hält die Wirte zusätzlich in Atem. Henry Palmer führt inmitten dessen eigentlich ein ruhiges Leben, arbeitet als Locationscout und trauert seiner kürzlich verstorbenen Liebe nach. Doch als sein bester Freund Theo Trepka aus dem Knast entlassen wird, überrollen ihn die Ereignisse. Henry verliebt sich in eine Prostituierte, lernt einen abgedrehten Waffenhändler kennen, gerät zwischen die Fronten von Tresengangstern und Russenmafia, und macht sich mit Theo zusammen auf die Suche nach dessen plötzlich verschwundenem Vater. Was an dieser Stelle vielleicht wie eine Aneinanderreihung gängiger Krimi-Sujets anmutet, die der Schmelztigel Hauptstadt natürlich zuhauf bietet, gerät bei Gerstenberg mitnichten platt. Bevor sich die benutzten Klischees dem Leser aufdrängen, werden sie bereits karikiert. Der Held Henry Palmer betrachtet die Ereignisse mit der Distanz des in die Jahre kommenden Überlebenskünstlers ("Ich war Mitte dreißig und extrem gefährdet, ein Monument des Stillstands zu werden"), den das Leben rechts zu überholen scheint. Und so spürt man denn auch die Solidarität Henrys (und seines Autors) mit der völlig unspektakulären Realität derer, die bei der Schickimickisierung ihres Kiez' hinten runterfallen. Dabei schreibt Gerstenberg nicht nur rasante und lebensechte Dialoge, sondern auch, und nicht nur nebenbei ein Stück Chronik der neuen Hauptstadt mit. Zeitgemäße, spannungsgeladene Krimi-Unterhaltung von einem vielversprechenden Autor.