Mark Sarvas hat mit Harry, die Zweite" einen witzigen und amüsanten Erstlingsroman veröffentlicht.
Harry Rent, der sympathische Protagonist dieses Romans (Mittvierziger und Arzt in Los Angeles) ist soeben verwitwet und beginnt aus Liebe zur Kellnerin Molly ihrer Freundin Lucille finanziell und moralisch unter die Arme zu greifen, was ihm zwar die erhoffte Sympathie Mollys einbringt, ihn aber von einer absurden Situation in die nächste stolpern lässt.
Mit dem Roman Der Graf von Monte Christo" (sowohl in der gekürzten Puffin-Ausgabe als auch dem Original) als moralischen Ratgeber im Hinterkopf und später auch in der Tasche, beginnt Harry, sein Vorbild Edmond Dantès zu imitieren und die Fäden im Hintergrund zu ziehen.
Wären da nur nicht gewisse Störfaktoren; die Schuldzuweisungen in Richtung Harry ausstoßende Schwägerin Claire, der Kate suchende Elliott oder Mollys debiler Freund Bruce...
Herrlich komische Szenen, wie die Ehering-Wiederbeschaffungsszene, die Überprüfung der Polsterung im Sarg seiner toten Frau, das erste Wochenende mit seinen Schwiegereltern, die Beschaffung des Diploms seiner unfähigen Assistentin Nicole, Harrys eigene Version von Spinning sowie die Beschattung von Lucille wechseln mit Szenen ab, in denen der Antiheld Harry in Erinnerungen an seine Ehe und die ein wenig diktatorisch veranlagte Anna schwelgt...
So ergibt sich ein Panorama einer Ehe, bestehend aus guten und schlechten Tagen, sowie die Selbstfindung Harrys, der mit Ehrlichkeit und der Dosierung der richtigen Menge davon erst umgehen lernen muss.
Spannend und sicher erzählt, mit einer großen Portion Humor und auch gut übersetzt, macht dieses Buch Lust auf weitere Werke von Mark Sarvas, die hoffentlich folgen werden.
Harry, die Zweite" ist ein beeindruckender Roman, ein tragikomisches Buch, ein Lesevergnügen erster Klasse.