Nicholas Hooper hieß der Nachfolger von Williams und Doyle für die Musik für den fünften Film von "Harry Potter". Nachdem einige die Musik von Patrick Doyle als etwas eintönig und uninspiriert ansahen, wählte David Yates Hooper als neuen Komponisten für Potter und Co. Ich persönlich mochte Doyles Musik sehr, aber Hooper hat für mich persönlich den Geist von "Harry Potter" noch etwas besser eingefangen und ist ziemlich nah an John Williams ersten Scores dran, wie ich finde. Da würden mir sicherlich einige Fans widersprechen, aber ich kann als bekennender Williamsfanatiker doch ehrlich sagen, dass Hoopers musikalischer Beitrag wirklich originel, flexibel, düster und schön klingt. Auch wenn er keine großen und packenden Themen, wie Williams kreiert, aber für die Atmosphäre des Films passt dies auch viel besser...
Die CD startet mit dem genialen Stück "Fireworks", ein wundervoll, rasanter Track, der gleich eine prächtige Stimmung für den Score einleitet und gleichzeitig eine tolle Untermalung für den Abgang der Weaslyzwillinge darstellt! Auch die E- Gitarre find ich weder unpassend, noch nervig, sie klingt einfach cool!
Das wundervoll, fiese Thema in "Umbridge" ist wirklich ein Geniestreich von Herrn Hooper. Sehr dynamisches Motiv, dass beim ersten Hören sehr munter klingt, aber doch etwas hinterhältig, Böses im Hintergrund beinhaltet, also eine perfekte Charakteruntermalung.
"Another Story" leitet das bekannte Harrythema endlich wieder ein, welches Hooper öfter verwendet, als Doyle in "The Goblet Of Fire". Hier zeigt der Komponist in welche Richtung der Soundtrack eigentlich geht: Eine düstere, tragische, fast schon depressive Stimmung erzeugt die Musik. Und das nicht zuletzt, weil das große London Symphony Orchester nicht mehr spielt. Hooper wollte eine beklemmendere Atmosphäre, als die Vorgänger, die immer groß und prächtig klangen.
"Dementors In The Underpass" ist sehr dunkel und unheimlich, mit einem Schockmoment und einer schönen Anspielung auf Williams "Patronus Light" aus Teil 3 mit gekonntem Choreinsatz, der erst düster klingt und dann in das helle "Licht" wechselt, sehr beeindruckend!
"Dumbledores Army" ist das nächste große, schöne Thema, das Hooper einführt: Diese beginnt sehr dezent und wird im Verlaufe immer stärker und intensiver, bis es immer harmonischer und dynamischer klingt mit einer sehr eleganten Melodie im Vordergrund, die sehr schön die angehende Rebellion der Schüler underscored.
"The Hall Of Prophecies" beginnt, wie Track 4, wird aber später immer dramatischer und geheimnisvoller, wieder mit dezentem, aber starken Choreinsatz. Dann beginnt die verstörende Traumsequenz von Harry, in der er Voldemort begegnet. Ab der Hälfte wird das Stück dann sehr spannend und immer schneller, bis es schließlich sehr actionreich (aber mit einer gewissen Zurückhaltung) wird. Für Einige dürfte dies uninspiriert klingen, mich reißen diese dunklen Töne immer wieder mit, sehr stark!
Auch "Possession" führt diese finstere Stimmung weiter. Und auch hier schafft es Hooper die Atmosphäre aus dem Film sehr gekonnt mit einfachen Mitteln einzufangen. Ein Track, der mit der Zeit immer intensiver und emotionaler wird, bis er am Ende ganz ausbricht in seiner Tragik...
"The Room Of Requirements" ist das längste Stück. Hier wird das dritte zentrale Thema präsentiert und zwar das vom Raum der Wünsche. Es beginnt zunächst mit einer sehr charmanten und verzauberten Version des Umbridgethemas, mit viel Harfen und Glockenspielen. Dann wechselt die Melodie in das Thema vom Raum der Wünsche, während es die Dynamik und den Backround von "Umbridge" behält. So verschmilzt die Suche von Umbridge nach dem raum der Wünsche perfekt in diesem Track, sehr genial Mr Hooper!
"The Kiss" ist kurz, romantisch und sehr melancholisch gestaltet.
"Journey To Hogwarts" begrüßt das Harrythema wieder und geht dann langsam in die Szene über, in der Sirius Harry seinen Stammbaum zeigt. Ein weiterer, einfacher, aber sehr effektiver und schöner Titel, der am Ende wieder etwas klarer und verspielter wird und zudem eine schöne Abwechslung zur düsteren Stimmung ist, welche in "The Sirius Deception" wieder in vollem Glanz erklingt und nach einer Minute etwa sehr dramatisch und spannend wird! Am Ende vernehmen wir dann die wundervolle Flugmelodie, wenn Harry und Co auf den Teasthralen zum Ministerium fliegen.
"Death Of Sirius" ist einer meiner Lieblingstitel, besonders wegen der trommelnden Actionuntermalung am Ende (GÄNSEHAUT!) und dem tragischen Nachklang. Dazu eine packende Untermalung für das Duell der "Phönix"- mitglieder und den Todessern.
Mit "Umbridge Spoils A Beautiful Morning" erklingt wieder eine verträumte und bezaubernde Melodie, die einen aus der dunklen Atmosphäre herausreißt und dann ins Umbridgemotiv wechselt, diesmal in einer sehr dezenten Version, hauptsächlich mit Harfe gespielt.
Dagegen ist "Darkness Takes Over" wieder ein krasser Gegenpart! Auch hier ertönt das Umbridgethema in einer kurzen Spieluhrvariante und wird dann sehr rasant und bedrohlich, mit einem trommelnden Hintergrund, der sehr gut die Stimmung des Stücktitels wiedergibt.
"The Ministry Of Magic" beginnt mit einer witzigen Version des "Raum der Wünsche"- themas. Ab der Hälfte wird das Stück sehr laut, dramatisch und elegant.
"The Sacking Of Trelawney" ist herzzereißend, obwohl dies "nur" ein Titel für eine eher nebensächliche Szene ist... Besonders am Ende dürfte der Track den Hörer in seinen Bann ziehen. Einfach stark!
"Flight Of The Order Of The Phoenix" ist das beeindruckende und schöne Flugthema, das leider nur in dieser Szene gespielt wird. Ein Titel, der wieder perfekt die Stimmung und das Thema der Szene einfängt. Die Musik klingt so schön militärisch am Anfang und bricht dann voll in seiner Leichtigkeit und Eleganz aus, herrlich!
"Loved Ones And Leaving" ist der leider schon letzte Track, der den Score mit einer zarten Komposition verabschiedet. Dies ist auch das letzte Stück im Film, wenn Harry und Co zum Hogwartsexpress gehen und bevor die End Credits loslegen. Auch dieser Titel wird im Ende sehr harmonisch und schön anzuhören, mit dem Flöteneinsatz im Hintergrund und den genialen Streichern.
Hoopers Score ist absolut beeindruckend! Sehr bezaubernde Themen, dazu viele kleine, geniale Untermalungen, die alle nur vor Kraft und Intensität strotzen, auch wenn das Viele nicht raushören. Ich bin sogar so wahnsinnig und kann sagen, dass ich ein Fan von Hooper geworden bin, weil mich auch sein Score zum sechsten Film fasziniert hat. Mir gefällt einfach die Wandlung vom themenreichen und farbenfrohen Orchestersound (Williams) bis zum düsteren und ernsten Potterflair (Doyle, Hooper), wobei Patrick Doyle irgendwo dazwischen liegt...
Leider hat diese CD zwei Defizite: Zum einen ist die Musik viel zu kurz! Auf mehrere und schöne Variationen der einzelnen Themen kann man lange warten, bis auf das Umbridgethema. Wenn es eine Special Edition, zum Beispiel ein Complete Score, geben würde (natürlich eine limitierte Auflage) würde ich sie mir kaufen, denn ich würde liebend gern mehr von Hoopers schönem Soundtrack hören!
Zudem ist die Anordnung sehr doof: Absolut unchronologisch, was einen sehr herausreißt, wenn man den Film kennt. Für alle anderen ist die Reihenfolge gut, aber chronologisch wirkt die Musik noch besser...
Aber ok, das kann man verkraften und deshalb gebe ich dem Score auch nicht vier Sterne, weil mich die Qualitä einfach umhaut. Wer Hooper nicht mag, der mag ihn halt nicht. Die meisten Fans finden seine Musik am langweiligsten und eintönig... Meinungen sind halt unterschiedlich. Ich liebe die Soundtracks von Williams, aber deshalb rede ich mir diese CD nicht schlecht, nur weil der Großmeister selbst nicht mehr komponiert, sondenr lasse mich auf Hoopers Ideenreichtum ein und genieße die wunderbare und ernste Atmosphäre, die er mit seiner Arbeit erzeugt. Von mir eine klare Kaufempfehlung für einen dynamischen, stimmungsvollen und zugleich anmutigen Potterscore!