Ich habe alle Teile dieser Reihe gesehen und besitze von jedem Film jeweils die DVD und den Soundtrack. Wäre es kein Muss für einen Fan, sich jeden einzelnen Film zu holen, dann hätte ich diesen hier vielleicht sogar ausgelassen, denn er ist in meinen Augen von allen bisher erschienenen Teilen der schlechteste.
Natürlich ist es sehr schwer bis unmöglich, ein Buch, das über 1.000 Seiten fasst, in einen Film zu packen. Dennoch frage ich mich, warum man sich nicht darum bemühen kann, wenigstens die wichtigen Details zu berücksichtigen und die Zuschauer, die keine Buchkenntnis besitzen, nicht dermaßen grob zu vernachlässigen. Das fängt schon bei der Filmlänge an. Dieser Film, der das längste Buch verkörpert, geht ganze 138 Minuten und ist damit der kürzeste Film der Reihe. Und leider merkt man hier mehr als deutlich, wie kostbar ein paar Minuten sein können. Ein Zuschauer, der das Buch nicht gelesen hat, wird hier komplett fallen gelassen. So werden nicht nur wichtige Stellen gestrichen (denn das alleine wäre gar nicht mal so tragisch, da es ja eine Notwendigkeit ist), man geht sogar fahrlässig mit dem im Film dargestellten Stoff um. So wird der Angriff auf Harry durch die Dementoren am Anfang des Films zwar gezeigt, aber nie aufgeklärt. Im Buch verliert Professor Umbridge die Nerven und gesteht Harry, dass sie die Dementoren auf ihn gejagt hat. Diese Tatsache wird im Film nicht einmal ansatzweise geklärt oder thematisiert.
Aber das alleine wäre ja noch zu verkraften gewesen, wenn man wenigstens die Grundlagen der Handlung berücksichtigt hätte. Der fünfte Band lebt von der Ausführung der Details und vor allem von der Hintergrundgeschichte und der Vergangenheit vieler Charaktere. So werden die Geschichten von Sirius, Harry, James, Lily und sogar Snape im Buch mehr als nur angeschnitten. Die Szenen, die Harry im Denkarium sieht, beschäftigen ihn im Buch so sehr, dass er sogar in Umbridges Büro einbricht, um Sirius und Lupin dazu zu befragen. Im Film scheint ihn diese neue Erkenntnis über seinen Vater allerdings nicht weiter zu interessieren.
Und so geht es leider im ganzen Film - Schlag auf Schlag. Ob eine Sache wichtig ist oder nicht, ist kaum erkennbar, da der Zuschauer keine Zeit bekommt, das Geschehen zu reflektieren. Der Zuschauer bekommt das Gefühl, dass der ganze Film nur aus Szenen besteht, die irgendwann vielleicht mal wichtig werden könnten, und wann hat man mit Begeisterung schon mal ein verfilmtes Vorwort gesehen?
Selbst die Stimmung, über die immer so viel geschrieben wird, wird im Film nicht richtig getroffen. Im Buch konnte man noch richtig mit Harry fühlen und seine Einsamkeit nachvollziehen. Er wurde von allen Seiten verlacht, als verrückt abgestempelt und erniedrigt. Im Film kommt kaum etwas davon zur Geltung. Die Bedrohung, die wieder an die Macht gekommen ist, spürt man im Film leider gar nicht. Auch Harrys Gedanken werden kaum thematisiert. Vor allem nach dem Angriff auf Arthur Weasley wird das deutlich. Harrys Gefühle nach diesem Ereignis erstreckten sich im Buch über mehrere Kapitel. Im Film wird diese Stelle mit ein paar Worten in Richtung von Dumbledore und Sirius abgehakt.
Sirius Black...da war doch was? Ja, in der Tat. Das ist die Figur, die im fünten Teil der Reihe stirbt. Aber auch hier wurden wieder mehrere Fehler gemacht. Der Zuschauer kann einfach nicht um Sirius trauern, was auch daran liegt, dass die Beziehung zwischen Harry und Sirius mit ein paar Umarmungen und einem kleinen Ausflug über Sirius' Familie abgehandelt wird. Ich habe schon mehrere Kinobesucher erlebt, die wegen vieler Filmtode in Tränen ausgebrochen sind. Aber bei der Szene, in der Sirius von Bellatrix Lestrange umgebracht wird, haben manche Zuschauer sogar gelacht. Und schlimmer noch, Harry scheint nur kurze Zeit später wie kuriert. Ein paar traurige Blicke in Richtung Albus Dumbledore, und das war es auch schon. Und nur kurze Zeit später steigt Harry zufrieden in den Hogwarts-Express und scheint bereits alles vergessen zu haben. Der Harry im Buch wollte überhaupt nicht mehr leben und wusste gar nicht mit seiner Wut und seiner Trauer umzugehen. Ich muss an dieser Stelle wohl nicht erwähnen, dass der Harry aus dem Buch Dumbledores Büro demoliert hat, auf Dumbledore selbst losgehen wollte und mehrere verzweifelte Versuche (Spiegel, Geist) unternahm, um Sirius zurück zu holen.
Leider lässt sich die Liste der negativen Dinge noch weiter fortsetzen. Da wäre zum Beispiel der Riese Grawp, der im Film wie ein niedliches Haustier erscheint, die Geschichte um Hagrid um Maxime, die im Film kaum eine Erwähnung wert ist, und die Liebesgeschichte zwischen Harry und Cho, die ebenso schlecht anfängt wie sie aufhört. Die fliegenden Dementoren und Todesser schenke ich mir an dieser Stelle mal. Hinzu kommen an einigen Stellen absolut schlechte Dialoge, bei denen man das Gefühl bekommt, dass sie zwischen Frühstück und Mittagessen geschrieben wurden.
Zum Schluss möchte ich allerdings auch die positiven Merkmale des Films erwähnen. Die Spezialeffekte sind sicherlich ein Teil davon. Zwar habe ich mir den Kampf zwischen Dumbledore und Voldemort nicht dermaßen bunt vorgestellt, doch er zeigt mehr als deutlich, in welcher Liga diese beiden Zauberer spielen.
Und wo ich gerade schon vom Spielen spreche, möchte ich an dieser Stelle auch auf die gute schauspielerische Leistung einiger Akteure hinweisen. Zwar werden manche Charaktere mehr oder mehr zu Nebenfiguren, was besonders Rubeus Hagrid, Draco Malfoy und in diesem Film auch Ron Weasley in gewissem Maße betrifft, aber die Schauspieler, denen das Drehbuch erlaubt, ihr Können zu zeigen, machen ihre Sache gut. Besonders gefallen haben mir hierbei die Neuzugänge: Helena Bonham Carter als Bellatrix Lestrange, Evanna Lynch als Luna Lovegood, Natalia Tena als Nymphadora Tonks und nicht zuletzt Imelda Staunton als Dolores Umbride. Wer Professor Umbridge im Buch schon gerne mal eine verpassen wollte, wird dieses Gefühl hier wiederfinden.
Aber leider definiert sich ein Film nicht nur über seine Spezialeffekte und über seine Schauspieler, und so ist dieser Film für mich lediglich zwei Sterne wert.