Bestanden mit den Noten A ' Annehmbar, E ' Erwartungen übertroffen, O ' Ohnegleichen.
Wäre ich ein Lehrer von Hogwarts so wäre die Benotung dieser Arbeit, die J.K. Rowling mit 'Die Heiligtümer des Todes' ablieferte keine besonders schwere Angelegenheit.
Auch wenn es zunächst so erschien. Ein E für dieses Buch zu vergeben erschien mir vor dem lesen noch geradezu utopisch, bei den hohen Erwartungen die auf diesem Finale lasteten. Höhere als ich jemals glaubte könnte ein Buch übertreffen, doch einmal wieder wurde ich eines besseren belehrt, wie schon so oft wenn ich glaubte die Handlungen und Geschehnisse der Harry Potter Romane einschätzen und verstehen zu können.
Ich muss zugeben Harry Potter lange Jahre verachtet zu haben, da ich immer nur die Bilder der, wie ich finde, misslungenen Verfilmungen kannte. Erst als ich mir aus reiner Neugier einmal die ersten Seiten des ersten Bandes zu Gemüte führte wurde mir klar was mir für mit diesen Büchern für ein Leckerbissen entging! Innerhalb von zwei Monaten wurde dann J.K. Rowlings Arbeit von zehn Jahren hungrig verschlungen. Mit jedem Buch nur so gieriger. Was hätte ich nur getan hätte es nicht eine Woche Schneefrei gegeben, in der ich Tag und Nacht lesen konnte. Es ist nun auch für mich wissenschaftlich bewiesen, Zeit ist relativ, doch nicht nur bei Lichtgeschwindigkeit, sondern auch beim Verzerr eines Harry Potter Romans. Es gibt tatsächlich keine Möglichkeit sich dem Charme dieser Bücher zu entsagen.
Man versinkt förmlich in der wundervollen Welt, die einem mit jedem Buch ein wenig weiter auftut. Die Welt die man kennenlernt ist wie ein Märchen, wie ein Kindheitstraum, den jeder einmal geträumt hatte, voller komischer und liebenswerter Gestalten und zauberhafter Dinge, voller Geborgenheit, Trost und selbstverständlich voller Gefahr und Abenteuer.
Die Harry Potter Bücher sind wie Krimis, was auch den Grund für ihren hohen Spannungsfaktor gibt. Während des Lesens verfolgt man aus Harrys Sicht einige Geschehnisse, zieht selbst mit den Charakteren Schlüsse, macht sich seine eigenen Gedanken, entwickelt Theorien und Verdachte. Doch jedes Mal wenn man glaubt die Zügel in der Hand zu halten lauert eine Überraschung auf dich sobald du die nächste Seite umschlägst, die dich geradezu vom Sattel wirft.
Man wagt es einfach nicht aufzuhören zu lesen, bevor man endlich verstanden hat was all diese Vorgänge zu bedeuten haben und oft ist man sehr überrascht.
Was für mich aber die Bücher besonders auszeichnet, sind der unvergleichbare goldige Humor der immer wieder darin zu finden ist, selbst in der ernstesten Situation (Fred Weasley: 'Ja, wer Ohren hat der höre!'), die grenzenlose Fantasie, die sprüht wie ein Felix Felicius im Kessel und die überaus lebendige Schreibweise.
Selbst die Beschreibung eines überkochenden Teekessels wäre ein Hochgenuss, so lebendig und wahrhaftig die Bilder auftauchen sobald man Rowlings Worte ließt.
Man kann Mr Dursley mit seinem 'Rote-Beete-Gesicht' geradezu vor sich sehen und die schrille Stimme seiner Frau Petunia hören, wenn sie ihren verfetteten Sohn verhätschelt oder Harry anpflaumt.
Manche Charaktere lernt man förmlich zu lieben, wenn man ihre Entwicklung durch die sieben Jahre hindurch verfolgt. Der Weg an der Seite der Charaktere durch die sieben Jahre, gibt dir tatsächlich das Gefühl mit ihnen gegangen zu sein, mit ihnen gebangt und gelitten zu haben, ihre Entwicklung von Kindesbeinen an bis zu volljährigen Zauberern mitgemacht zu haben.
(Hier muss ich allerdings sagen, dass sie die Bücher auf keinen Fall einem Kind unter mindestens zwölf Jahren empfehlen würde, zu grausam und zu finster!)
Angefangen mit Harry, der von einem hilflosen, abgelehnten, vernachlässigten und misshandelten Jungen schließlich zu dem auserwählten Retter der Welt wird. Der dem Albtraum seines Zuhauses mit dem Eintritt in die magische Welt entflieht ' eine Welt, die so real wirkt, dass es mich beinahe gewundert hat in London keine Winkelgasse zu finden ' um dort abwechselnd Wunderbares und Schreckliches zu erleben und einige Male durch die Hölle zu gehen. Man lernt Harry mit seinen Gryffindor-typischen Charaktereigenschaften, Mut, Treue, Freundschaft 'allerdings besonders durch seine Fehler zu lieben. Seine manchmal auftretende Unfähigkeit auch nur irgendetwas richtig zu machen, Regeln einzuhalten, sein Jähzorn, seine Unvorsichtigkeit, seine Wutanfälle machen ihn zu einer Person mit der sich wohl jeder Leser irgendwie identifizieren kann. Man schwankt zwischen Bewunderung für seine Selbstlosigkeit und Gerechtigkeit, und Mitleid aufgrund seiner familiären Misere, als Waise bei den herzlosen Dursleys zu leben, und all der Dinge, die er zu erleiden hat, wenn sich manchmal alles Böse und Gemeine der Welt gegen ihn verschworen zu haben scheint.
Doch auch der muffelige Ron und die Unruhestifter Fred und George und der selbstsüchtige, engstirnige Professor Snape werden mit dem Lesen zu wahren Freunden.
Und selbst nach all der Zeit, die der Leser mit ihnen verbracht hat, muss er erkennen, dass er all diese Charaktere durchaus nicht so gut gekannt hat wie man es zunächst glaubte.
Im letzten Band der Harry Potter Reihe zeigt jeder Charakter noch einmal sein wahres Gesicht und wo er wirklich steht.
Hermines unerschütterliche Loyalität wird hier deutlich wie in keinem anderen der Romane, Harrys Willensstärke das Böse um jeden Preis zu vernichten, seine Opferbereitschaft und zugleich seine schreckliche Hilflosigkeit im Angesicht der großen Aufgabe, Rons innerer Konflikt, hin und her gerissen zu sein zwischen seinem Wunsch nach Anerkennung und seiner Loyalität gegenüber Harry. Und besonders die Tatsache, dass Dumbledores Schwächen und Verfehlen in diesem Buch ans Tageslicht gebracht werden, nachdem der große Zauberer in den anderen Romanen wie ein geradezu unfehlbarer, makelloser Mensch behandelt wurde.
Aber auch Nevilles mutige Auflehnung gegen die Todesser, die Hogwarts im Würgegriff halten, Lunas Mut und Treue, Xenophillis (nicht ganz unverständliche) Schwäche und sein Verrat, Ginnys Fähigkeit ihren Freund, auf den sie so lange und sehnlich gewartet hatte, loszulassen, Freds und Georges Gabe bis zum letzten noch so hoffnungslosen Moment ihren Humor zu bewahren, Dudleys überraschende Dankbarkeit gegenüber seinem Cousin, den er sein Leben lang tyrannisiert hatte, Dobbys unzerstörbare Treue gegenüber seinem Befreier'es scheint als sollte jede Person sich in dem letzten Buch seiner selbst würdig verabschieden.
Das Buch lässt keine Möglichkeit aus den Leser mitzureisen, Kampf, Krieg, Eile, Abwarten, Geduld, Verrat, Treue, Feindschaft, Freundschaft, Hass, Liebe, Streit, Vergebung, Triumpf, Verlust, Mut, Furcht, Beharrlichkeit, Zweifel, Wille, Unsicherheit, Leben, Tod, Beerdigung, Hochzeit, Geburt, Hoffen, Verzweifeln, Lachen, Weinen, Feiern, Trauern ' es scheint als hätte Joanne K. Rowling an alles gedacht um mit 'Die Heiligtümer des Todes' ihren Fans einen würdigen Abschied von der magischen Welt zu bescheren.
Es gibt große Verluste, doch es wird ebenfalls viel gewonnen, man kann über das Buch lachen und ebenso zittern und bangen. Man scheint die Spannungen körperlich zu spüren die teilweise zwischen den Personen liegt (so wie Ron und Harry nachdem sie das Medaillon mit dem Horcrux gefunden haben) oder den mörderischen Kampfwillen der Lehrer und Schüler die Hogwarts gegen die Todesser vierteiligen. Man fühlt sich hin und her geschmissen in einem turbulenten Feuerwerk von Eindrücken und Emotionen. Dabei wirkte die Geschichte die ganze Zeit über so real als geschehe sie tatsächlich vor deiner Nase, und nimmt dich gefangen, dass du nicht mehr aufhören kannst zu lesen. Obwohl es in einer Fantasiewelt spielt zeichnet Rowling in Harry Potter ein absolut realistisches Bild der Gefühlswelt und der Probleme von Heranwachsenden. Viele der Charaktere können in jeder Schulklasse gefunden werden und viele Dinge, die man durch Harry Potter und die magische Welt lernt können auch auf die reale Welt angewendet werden!
Auch werden ernste Themen und Kritiken in die Geschichte mit eingebunden, Kritik an verlogener Politik und manipulativer Presse, insbesondere in Band fünf, oder auch der Rassismus, der von Band zu Band wächst, bis er in 'Die Heiligtümer des Todes' seinen Höhepunkt erreicht.
Das Prinzip der Reinigung der magischen Rasse von dem schmutzigen, schlechten Blut und dem Abschaum der Zauberer erinnert an vergangene dunkle Kapitel der menschlichen Geschichte, das Regime Voldemorts an jede menschenfeindliche Diktator und seine Einstellung gegenüber den Muggeln und 'Schlammblütern', wie man sie in Band zwei noch unter keinen Umständen nennen durfte und wie sie nun in der Öffentlichkeit bezeichnet werden, und die Verfolgung möglicher Gegner und das sinnlose Abschlachten von Menschen erinnern in jeder Hinsicht an bekannte Schreckensherrschaften, wobei der Orden des Phoenix mehr und mehr zur Widerstandsorganisation wird, die den Menschen in verzweifelten Lagen mit ihrem anonymen Radiosender Mut macht.
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