Alexandre Desplat sollte nun derjenige sein, der die letzten beiden Potterfilme vertonen sollte. Nachdem viele Fans auf eine Rückkehr von John Williams gehofft haben, wurde vor einigen Wochen bestätigt, dass Desplat auch für Teil 2 die Musik schreiben würde...
Natürlich wäre eine Rückkehr des Großmeisters ein toller Abschluss für die Reihe gewesen, jedoch muss ich nun sagen, dass Desplat ein unglaublich dichtes und packendes Werk abgeliefert hat! So viel Gefühl hab ich bisher nur selten bei "Harry Potter" gehört. Waren Williams Scores doch eher magisch, bunt und klanglich wunderschöne Ohrwürmer, während Doyle und Hooper sich mehr und mehr auf die Atmosphäre der Filme konzentriert haben, zwar mit schönen thematischen Ansätzen, aber mit viel mehr a- tonalen Noten.
Desplat führt dieses Konzept perfekt weiter! Ich finde es einfach genial, wie die Scores die Stimmungen, Gefühle und Charaktere über jeden neuen Film darstellen. Nicht nur die Figuren und die Geschichte entwickelt sich weiter, auch die Filmmusik hat im Laufe der Jahre viele Wandel mit sich gebracht. Durch neue Komponisten kommen neue Wege des Ausdrucks hinzu, so David Yates. Ich stimme ihm da auf jeden Fall zu, weil es auf die Soundtracks allesamt zutrifft!
Zwar haben fast alle Scores einen ganz anderen Klang, trugen aber immer die Gesamtstimmung des Films und unterstützen dies noch durch flexible Stile und Kompositionen. Und nun war oder ist es an der Zeit, dass Desplat das Spektakel "Harry Potter" zu einem musikalisch, gerechten und vor Allem großartigen Abschluss bringt.
Und dieser Abschluss bringt so einige Wendungen mit sich: Der erste Teil des Finales hat sich in seinem Stil fast komplett geändert, im Gegensatz zu seinen Vorgängern und geht viel sanfter, ruhiger und ehrlicher an das Thema "Harry Potter". Und es ist genau diese Tiefe, diese emotionale Basis der Charaktere und der Geschichte, die Desplat vermitteln musste. Und so klingt auch sein Score. Er schafft es wirklich perfekt die Stimmung der einzelnen Szenen musikalisch darzustellen und dazu noch seinen eigenen Stil mit einzubringen.
Viele Fans werden sich freuen, denn endlich ist das London Symphony Orchester wieder dabei und erinnert an die Zeiten mit Williams... Daher hat auch die Filmmusik einen viel breiteren Klang, als die Soundtracks von Hooper, die ich, im Gegensatz zu den Meisten, allerdings sehr schätze.
Dazu ist es schön zu sehen, dass die Titel chronologisch sind und insgesamt eine Spielzeit von 73 Minuten haben. Ich will zwar unbedingt die Limited Edition haben, aber auf dieser CD sind die wichtigsten und besten Stücke anscheinend drauf.
Anders als seine Vorgänger beginnt Desplat seinen Soundtrack nicht mit dem Harrythema (wie schon erwähnt, das einzige Stück Musik, das von Anfang an dabei ist). Zwar klingt dieses Thema im Film kurz an, die erste Minute aber fehlt vom Eröffnungstrack "Obliviate"... Aber das ist nicht schlimm, dafür überzeugt der Track gleich mit einer wundervollen dramatisch, tragischen Einleitung, die die erste Szene des Films untermalt, Gänsehaut!
Dieses Stück leitet auch das neue Hauptthema ein, das ich einfach mal das "Freundschaftsthema" nenne, weil es immer gespielt wird, wenn es um Harry, Ron und Hermine geht.
Direkt danach erklingt das prachtvolle und böse "Snape To Malfoy Manor". Hier hören wir das neue Thema für Voldemort bzw für die Todesser. Eins der Highlights mit "Obliviate" auf der CD...
"Polyjuice Potion" ist ein dynamischer und witziger Titel, in dem zum ersten Mal das Harrythema erklingt. Zudem erklingt auch das Thema für den Orden des Phönix, natürlich ein neues Motiv von Desplat.
"Sky Battle" ist für viele der Höhepunkt des Scores, weil er am Meisten heraus sticht. Kein Wunder, denn er ist der rasanteste Titel, weil die Action in diesem Film sehr knapp ausfällt...
Jedenfalls ist "Sky Battle" wirklich brachial und packend und benutzt die tollen Themen für die Todesser und den Orden des Phönix in einer gewaltigen Variation.
"At The Burrow" ist wieder sehr sanft und variiert das "Orden"- thema.
"Harry & Ginny" geht mit diesem Motiv direkt weiter und zwar in einer einsamen Klavierversion, sehr schön.
"The Will" ist eine sehr schöne und ruhige Variation des Freundschaftsthemas aus "Obliviate" und wieder eine Rückkehr des Harrythemas, aber nur sehr kurz und auch das letzte Mal in diesem Score.
"Death Eaters" führt dieses Motiv weiter und wechselt dann in die dramatische Musik der Todesser.
Mit "Dobby" zeigt uns Desplat wieder ein neues Thema und zwar für den kleinen Hauselfen. Auch hier übernahm er nicht das alte Motiv von Williams aus "The Chamber Of Secrets", sondern kreierte wieder sein eigenes Material. Erst beginnt das Stück sehr leicht, wird aber immer schwungvoller gegen Ende. Hier merkt man sehr gut, wie Desplat seine Themen nicht eindringlich komponiert hat, sondern eher dezent und effektiv, aber genau das gefällt mir und passt auch zum Film!
Mit "Ministry Of Magic" zeigt uns Desplat sein Talent die perfekte Stimmung für eine Szene zu kreieren: Zum einen das Bild von hunderten Leuten, die durch die Gänge schlendern und zum anderen die Gefahr, die die ganze Zeit lauert, wenn Harry, Ron und Hermine nach Umbridge suchen. Apropos, Umbridges Thema hätte ich sehr gern nochmal gehört, aber natürlich hat Desplat auch dieses nicht übernommen... Dennoch ist es super zu hören, wie Desplat für viele kleinere Szenen eigene Melodien schafft, auch wenn diese nicht sonderlich auffallen.
Auch "Detonators" ist ein sehr tolles und taktvolles Stück und wieder ein schönes Motiv für diese Szene, dass ebenfalls wieder perfekt die Atmosphäre im Film auffängt!
"The Locket" ist das nächste große Thema und zwar das für das Medallion bzw für die Horkruxe allgemein, könnte man sagen. Sehr unheimlich und bedrohlich klingt diese Musik.
Mit "Fireplaces Escape" wird es nun wieder rasanter, wenn Harry, Ron und Hermine vor den Todessern im Ministerium fliehen. Besonders das Ende ist sehr auftreibend!
"Ron Leaves" ist ein tragisches Stück, weil es den Streit von Harry und Ron und wie er schließlich die drei verlässt untermalt. Endlich gibt es ein Thema für Ron und hier wird es in all seiner Pracht gespielt, ein toller Track! Zudem gibt es wieder das "Obliviate"- motiv in tragischer Form.
"The Exodus" ist ein kurzes und unheimliches Stück, das von einer Violine dominiert wird.
"Godrics Hollow Graveyard" ist wieder ein sehr tragisches Stück, allein beim Gedanken an die Szene im Film, muss ich manchmal mit den Tränen kämpfen...
"Bathilda Bagshot" ist sehr düster und bedrohlich mit der Panflöte im Hintergrund, bis es dann wieder schneller und spannender wird...
"Hermiones Parents" beginnt mit einer einsamen Flöte, die das "Obliviate"- thema spielt. Eine wunderschöne Version, auch sehr zurückhaltend aber unendlich kraftvoll und melancholisch, mit der Szene, wenn Hermine über ihre Eltern und ihre Vergangenheit erzählt. Das Stück geht dann in die Szene über, wenn Harry das Schwert von Gryffindor findet und in den See abtaucht. Daher wird der Track am Ende nochmal sehr spannend und dramatisch, besonders durch den einsamen Chorgesang.
"Destroying The Locket" ist einer meiner absoluten Lieblinge! Wenn Ron das Medallion zerstört und die Vision von Voldemort sieht, wenn Harry und Hermine sich küssen und ihn als "Nichts" abstempeln, GENIAL! Diese treibende Musik ist einfach herzzerreißend und spiegelt haargenau die Szene und ihre Tragik wider. Ein kurzer, aber bombastischer Titel!
Mit "Rons Speech" kehren das Ron- und "Obliviate"- thema wieder sehr schön wieder, ebenfalls eins der Highlights.
"Lovegood" ist ein interessantes Stück mit der markanten Melodie für Xenophilius Lovegood, dynamisch, mystisch und etwas verspielt. Ein Track, der die düstere, emotionale Stimmung wieder etwas auflockert...
"The Deathly Hallows" spielt das Thema der Heiligtümer des Todes, welches ähnlich wie das der Horkruxe klingt, aber trotzdem einen eigenen Charakter hat und sich sehr geheimnisvoll und mysteriös anhört.
"Captured And Tortured" beginnt sehr spannungsgeladen mit viel Trommeleinsatz und behält diese düstere Atmosphäre.
"Rescuing Hermione" geht dafür viel actionreicher los und spielt das Todessertthema sehr ruhig, bevor das Dobbythema zurückkehrt und der Track sehr packend endet. Man hört förmlich, wie Bellatrix das Messer wirft...
Und mit "Farewell To Dobby" erklingt das Dobbythema in einer tragisch, klagenden Version. Ein zu Tränen rührender Track!
Schließlich endet der Score mit "The Elder Wand", wenn Voldemort den Elderstab von Dumbledore stiehlt. Nochmal sehr treibend und episch, bis die Musik abrupt abbricht, genau wie der Film...
Puh! Also einmal Hören reicht auf keinen Fall für diesen Score. Erst beim mehrmaligen Hören erkennt man die Stärke der Musik und die Themenvielfalt, welche die Meisten nicht sehen...
Desplat hat viele neue und starke Motive, die aber wirklich nur dezent auffallen. Aber genau deshalb hat der Score und der Film so eine bedrückende und tolle Stimmung!
Ich persönlich muss sagen, dass der Score aber viel besser wirkt, wenn man den Film kennt, so kann man wirklich die ganze Story anhand der Musik miterleben und sich in die einzelnen Momente rein versetzen.
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