Nein, ich kann auch nicht verstehen, wie man es fertig bringt, einen der genialsten Filmkomponisten nach drei brillianten Soundtracks beim vierten Teil einer Serie nicht wiederzubeschäftigen. John Williams hat den „Pottersound“ erschaffen, wie wir ihn alle lieben: unverwechselbar, mysteriös und doch vertraut – eben einfach zauberhaft, so wie die Geschichte. Er ist damit untrennbar mit den Filmen verbunden, so wie mit „Star Wars“ und „Indiana Jones“, die er ebenfalls kongenial vertont hat und so zum Gesamtkunstwerk beigetragen hat. Es bleibt zu hoffen, dass die Macher beim fünften Teil zur Besinnung kommen und Williams wieder holen.
Das vorliegende Werk von Patrick Doyle erreicht in seiner Gesamtheit die Qualität der Vorgänger nicht, ist deshalb aber noch kein schlechter Soundtrack.
Zugegeben, die stilistisch Eigenständigkeit lässt über weite Strecken zu wünschen übrig. Manchmal klingt es wie James Horner (Willow und Braveheart), manchmal kopiert er Williamstypische Sequenzen (damit meine ich NICHT das Zitat von „Hedwig’s Theme“). Vieles ist sicher auch austauschbar, aber der Soundtrack hat durchaus seine starken Passagen.
Immer dann, wenn Doyle sich traut, tragende, eigenständige Melodien zu entwickeln, wird dieser Soundtrack zum Ohrenschmaus. Hierzu gehören beide Walzer sowie die Stücke 1, 3, 5 und 20. Das besondere Highlight ist jedoch Nr. 21, die „Hogwarts' Hymn“, die auch ein Williams schöner nicht hätte schreiben können. Alles hat Doyle in dieses eine Stück hineingepackt, Tragik, Romantik, Sehnsucht. Hier stimmt einfach alles.
Auch die drei Pop-Songs am Schluss überzeugen auf der ganzen Linie. Bei „Magic Works“ werden Erinnerungen an alte „La Boum“ Zeiten wach. Ich kann die Meinung mancher Rezensenten nicht teilen, dass diese Songs unpassend seien.
Die größte Schwäche dieses Soundtracks ist folgendes: Ich persönlich finde, dass der entscheidende Vorteil bei Williams ist, dass er musikalisch eigenständige Motive entwickelt, die dann immer wieder zitiert und variiert werden, wie beispielsweise „Hedwig’s Theme“. Dadurch wirkt alles aus einem Guss. Man erkennt auch musikalisch Charaktere und Zusammenhänge wieder. Das fehlt bei Doyle leider völlig und führt zu der viel gescholtenen Beliebigkeit an einigen Stellen. Brimborium und Klanggewalt reichen zwar für die Untermalung eines Films, aber ein Soundtrack, der auch ohne Film glänzt, wird daraus eben mangels musikalischer Eigenständigkeit nicht.
Fazit
Williams kann’s besser aber Doyle hat solide Arbeit abgeliefert. Falls ihm eine zweite Chance zuteil wird, sollte er sich auf die Stärken dieses Soundtracks konzentrieren und diese ausbauen. Dann wird es mehr als die drei Sterne geben. Das Zeug dazu hat er.