"Harry Potter und der Halbblutprinz" war für viele Fans der Tiefpunkt der Filmreihe. Der Film war leider viel zu albern und hatte den Fokus nicht auf den wichtigen Dingen des Buches und da die Meisten den Score zu "Dem Orden des Phönix" aus der Feder des neuen und noch unbekannten Komponisten Nicholas Hooper wenig schätzten und ihm Ideenlosigkeit vorwarfen, war auch die Bewertung für Hoopers zweite Vertonung für "Harry Potter" eher mau...
Bei Filmen werden sich die Meisten einig sein, aber bei der Musik ist es immer so eine Sache, denn sie ist ja akkustischerweise Kunst. Und Kunst wird von der einen Hälfte gehasst und von der Anderen geliebt. Natürlich war der Großteil der Filmmusikfreunde im "Harry Potter"- bereich ein Gegner von Hoopers Scores, da natürlich immer der Vergleich zur Legende John Williams steht. Aber Nicholas Hooper wollte keine Kopie der früheren Werke, sondern sein eigenes Ding machen, was ich auch gut finde. Und für mich ist die Musik von Hooper sehr flexibel, beeindruckend und packend und das gilt für beide Scores!
Im Gegensatz zu "The Order Of Phoenix" hat Hooper aber zwei deutliche Schwächen von ihm ausgebadet: Zum einen ist der Score länger und zum anderen haben die Titel endlich eine chronologische Folge!
Die CD beginnt mit dem dramatischen "Opening", das nicht nur das allseitsbekannte und tolle Harrythema (eigentlich heißt es ja Hedwigs Theme, warum auch immer...) spielt, sondern auch das (ich nenn es mal so) Dumbledorethema präsentiert und in der zweiten Hälfte sehr dramatisch wird, wenn die Todesser ihre Ankunft in der Zauber und- Muggelwelt ankündigen.
"In Noctem" ist ein herrlicher und geisterhafter Chorgesang, mit tiefen Bässen im Hintergrund. Hier zeigt Hooper einen neue und beeindruckende Seite von "Harry Potter"!
"The Story Begins" beginnt sehr zurückhaltend und wird dann viel schwungvoller und magischer.
"Ginny" ist ein zartes Thema für Ginny selbst und wechselt dann ins Harrythema.
Schön düster und bedrückend wird es mit "Snape And The Unbreakable Vow", das die perfekte Stimmung für den Film aufruft!
"Wizard Wheezes" ist swingig, jazzig und wieder ein Beweis dafür, dass Hooper mit vielen, neuen Elementen arbeitet und diese auch gut in den Score bzw den Film einbringen kann, denn dies ist die Untermalung für den Besuch bei Fred und George in ihrem Scherzartikelladen.
"Dumbledores Speech" ist eine Variation des neuen, mystischen Dumbledorthemas, das auch durch die fast schon unheimlichen Chöre auffällt.
"Living Death" ist die heitere Untermalung für die Zubereitung des Zaubertranks mit dem neuen Lehrer Slughorn, dessen Thema auch hier präsentiert wird. Hooper schafft mit diesen dynamischen und witzigen Stücken die perfekte Mischung aus ernsten und humorvollen Momenten zu erschaffen, wobei die ernsten Passagen im Vordergrund stehen und der Score auch diese Stimmung trägt. Die heiteren Momente sind gut eingesetzt und werden zum Glück nicht sonderlich hervorgehoben, sondern bleiben immer etwas zurückhaltender, damit die gesamte Atmosphäre nichtt darunter leidet, etwas was der Film nicht geschafft hat...
Mit "Into The Pensieve" geht es dann nämlich auch wieder in dunklen und dramatischen Tönen weiter, wie Track 5. Hier fallen die dezenten und kaum hörbaren Stimmen im Hintergrund auf, die eine verstörende Wirkung erzielen.
"The Book" führt den Stil von "Living Death" erfolgreich weiter und underscored die Szene, in der Harry das Buch des Halbblutprinzen findet. Wieder mit dem Slughornthema, ein sehr tolles Motiv, leicht und dynamisch!
Mit "Rons Victory" werden einige Fans von Williams ihre Freude haben, denn hier zitiert Hooper die Quidditchmusik aus "The Philosophers Stone", "The Chamber Of Secrets" und "The Prisoner Of Azkaban". Eine wahre Freude, denn lange haben wir Nichts mehr von dem tollen Besensport vernommen... Und Hooper schafft es super dieses Gefühl wieder aufzurufen!
Nun folgt einer meiner Lieblinge: "Harry & Hermione" das wunderschöne Thema für die beiden. Eine zarte und melancholische Harfenmelodie, die schon fast zu Tränen rührt und eine besondere Stimmung für die beiden Charaktere schafft. Auch wenn es mich immer ein bisschen gestört hat, dass es nie konkrete Themen zu Figuren, wie Ron, Hermine, Snape und Dumbledore gab, so bin ich doch sehr beeindruckt von der Intensität dieses Motivs, welches hoffentlich auch in "The Deathly Hallows Part 1" übernommen wird... Zudem bin ich einfach froh, dass es eine Erkennungsmelodie zu Hermine gibt, denn sie hat immer einen besonderen Part in dem Dreiergespann gehabt ür mich.
"School!" ist kurz, dynamisch und schön anzuhören, könnte aber auch etwas länger sein...
"Malfoys Mission" finde ich so toll, weil es nicht nur dem Charakter Malfoy endlich eine interessante Tiefe gibt (und ihn nicht nur als nervigen Slytherin abstempelt), sondern auch das "Harry & Hermione"- thema wieder aufgreift in einer neuen Version und das viel dramatischer.
Und wieder ein auflockerndes Stück, "The Slug Party": Slughorns Thema in all seiner Pracht!
"Into The Rushes" beginnt mit der dramatischen Einlage aus "Opening" und das noch etwas intensiver, wird dann aber sehr dunkel.
Mit "Farewell Aragog" ertönt ein Stück, das Untermalung für eine Szene ist, die im Film nur störend ist! Auch im Soundtrack wirkt diese Musik etwas deplaziert, zeigt aber wieder Hoopers Flexibilität und auch dass er den Kitsch in dieser Szene nicht all zu sehr hervorgehoben hat, sondern nur dezent einen humorvollen Effekt einsetzt und auch etwas ernster klingt, als die Szene in Wirklichkeit ist.
"Dumbledores Foreboding" ist wieder das Dumbledorethema in einer erneuten Variante.
Mit "Of Love & War" kehrt Quidditch zum Glück noch einmal zurück und das noch beeindruckender, als in "Rons Victory".
"When Ginny Kissed Harry" ist wieder ein sanfter, aber kaftvoller Track mit einer zauberhaften Version des Ginnythemas durch eine Akkustikgitarre, sehr zauberhaft. Auch das "Harry & Hermione"- thema wird hier gespielt und klingt aber absolut wunderschön, weil es hier lediglich als Thema für Harry verwendet wird.
"Slughorns Confession" ist diesmal kein Stimmungstrack, sondern sehr melancholisch und sanft mit dem neuen Harrythema ("Harry & Hermione").
Mit "Journey To The Cave" geht es in die heiße Finalphase. Das Dumbledorethema erklingt in voller Pracht mit einem dynamisch, dramatischem Anfang.
"The Drink Of Despair" untermalt die Szene, in der Harry Dumbledore das Gift zu Trinken geben muss. Markant sind hier wieder die verstörenden Stimmen im Hintergrund, die dann in die dann in eine klagende Version des Dumbledorthemas übergeht.
"Inferi In The Firestorm" ist ein bombastischer Titel! Ein verstörender Anfang und dann die epische Verwendung des Dumbledorethemas, Gänsehaut!
"The Killing Of Dumbledore" verwendet auch wieder das Thema, in dem Hooper dieses Motiv mit Spannung aufbaut und am Ende zum emotionalen Höhepunkt ausläuft. In "Dumbledores Farewell" ertönt das Thema zum letzten Mal und zwar ohne die Choreinlagen und beschreiben die Tragik und Trauer um den großen Schulleiter... Das Thema für Dumbledore ist sehr beeindruckend, deshalb sind die letzten Titel auch sehr packend und lassen einen Mitfiebern.
Mit "The Friends" wird die Geschichte auf dieselbe, sanfte Weise beendet, wie in "The Order Of The Phoenix" mit "Loved Ones And Leaving". Ein toller Ausklang für den Score.
Mit "The Weasley Stomp" finden wir netterwiese einen End Creditstrack, der eine Ar neues "Fireworks" aus dem Vorgänger ist. Ich hätte sehr gern dieses Stück nochmal in einer neuen Version gehört, wie im Film selbst, aber ok, dieser Titel ist auch sehr nett und besonders schwungvoll!
Hooper hat mich in mehrerer Hinsicht überzeugt und vor Allem beeindruckt: Zum einen behält er seinen, für mich, tollen Stil, er entwickelt diesen weiter und schafft somit eine deutliche Veränderung in der Stimmung und auch im Film, obwohl die Musik im Film selbst kaum auffällt. Das ist aber nicht verwunderlich, denn Hooper hat keinen themenreichen und klangvollen Prachtscore, wie Williams geschaffen, sondern eine stimmige und atmosphärische Untermalung mit viel Gefühl. Natürlich hat er auch hier viele, wunderbare, neue Themen geschaffen (Ginny, Harry & Hermine, Slughorn und Dumbledore), aber die erkennt man erst richtig beim mehrmaligen Hören.
Fazit: Wer Hoopers Musik mag oder auch sogar wirklich schätzt, der kann mit "Harry Potter And The Halfblodd Prince" Nichts falsch machen. Mich haben seine Scores beeindruckt und ich bin gespannt, ob Alexandre Desplat noch Einen oben drauflegen kann... Ich bin so oder so ein Riesenfan der gesamten Scorereihe zu "Harry Potter"!