Seit mittlerweile sechs Jahren gibt es eine Konstante für mich: Das Warten auf den nächsten Harry Potter. Man kann das mit der Zeit nervtötend finden - besonders wenn man gerade das neue Buch zugeschlagen hat und sich damit abfinden muss, dass es wieder mindestens zwei Jahre bis zum nächsten dauert - ich persönlich finde es eigentlich ganz lustig, dass ich, im wahrsten Sinne des Wortes mit Harry Potter aufgewachsen bin.
Zum Buch: Nach dem fünften Band, der an manchen Stellen, besonders in der Auflösung etwas enttäuschte, findet J. K. Rowling hier wieder zur Form des "Feuerkelchs" zurück. Das bedeutet: eine grandiose Geschichte, ein perfekt gezogener Spannungsbogen und ein Ende, das so gnadenlos daherkommt, dass man am liebsten die Seite zurückblättern und alles wieder rückgängig machen möchte. Besonders interessant ist es dabei, wie eigentlich feststehende Dinge, an denen man sich als Leser - genau wie auch Harry - immer festgeklammert hat, auf einmal ad acta gelegt werden. So muss man sich zum Beispiel der Tatsache stellen, dass nicht einmal der Weiseste unfehlbar ist.
Die Figur des Harry, der das auf schmerzliche Weise erfahren muss, wird so hier noch mehr als in den vorherigen Bänden zu einer universellen Identifikationsfigur für den Leser. Jeder hat die Erfahrung gemacht, wie es ist, wenn es mit zunehmendem Alter immer weniger gibt, worauf man sich stützen kann und die Realität immer unbarmherziger wird. Die Harry-Potter-Bücher sind somit neben wunderbarer Fantasy auch ein Abbild des Erwachsenwerdens, wie man es so eindrucksvoll selten findet.
Noch ein paar Worte zum sechsten Band: Auch hier rätselt der Leser natürlich in bester Potter-Manier, wer der geheimnisvolle Halbblutprinz sein kann - und obwohl die Lösung am Ende im Vergleich zu den anderen Büchern so simpel ist, dass man sie hätte kommen sehen können, will man sie fast nicht glauben. Aber nicht falsch verstehen - trotzdem beinhaltet das Buch viele Spannungsmomente und die Hintergrundgeschichte um Voldemort und dessen Geheimnis ist faszinierend. Charmant ist aber auch, wie die Autorin den Überblick über ihr riesiges "Cast" behält und auch liebgewonnenen Nebenfiguren eigene Momente zugesteht (als Beispiel sei nur Professor Lupin genannt).
Fazit: Das Buch funktioniert nicht nur als Vorbereitung auf das hoffentlich grandiose Finale, sondern auch in sich hervorragend und ist über alle Altersklassen hinweg empfehlenswert. Bleibt nur noch eine Frage: Wie wird das Leben, wenn man nicht mehr auf den neuesten Harry Potter wartet? ;)