"The cards fell randomly [...] but he remained the agent of free choice [...] then, always, in the crucial instant ever repeated hand after hand, the choice of yes or no. Call or raise, call or fold [...] the choice that reminds you of who you are" (De Lillo, 211f.) So sieht es Keith, der Protagonist aus Don DeLillos neuem Roman "Falling Man", der durchs Pokerspielen versucht, seine traumatischen Erinnerungen an den 11.9.2001 zu verdrängen. Natürlich kann man auch nur zum Vergnügen pokern und nicht, um seine Identität in einer absurden Welt zu bestätigen. Was auch immer die Motivation sein mag: Dan Harringtons "Harrington on Hold'em, Volume 1" sollte Standardlektüre für alle sein, die gedenken, sich regelmäßig an einen Pokertisch zu setzen.
Dan Harrington, Poker-Weltmeister 1995, gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Spielern auf der Tour. In sieben Kapitelm führt "Action-Dan" (ironischerweise so genannt auf Grund seiner konservativen Spielausrichtung) in die Grundlagen von Texas Hold'Em ein. Nach einer allgemeinen Einführung (Kapitel 1) sowie einer Klassifizierung der einzelnen Spielertypen in "conservative, aggressive and super-aggressive", widmet sich Harrington im Folgenden, den grundlegenden taktischen Fähigkeiten, die jeder Spieler haben sollte. In "Reading the Table" analysiert er körpersprachliche Elemente, auf die man bei sich und seinen Gegnern achten sollte. Kapitel 4 beschäftigt sich mit dem vielleicht wichtigsten Bestandteil von Hold'Em: den berüchtigten "Pot Odds". Dabei wägt man die Chancen, die man hat, seine Hand entscheidend zu verbessern, ab gegen die Summe, die man setzen muss, um die nächste Karte zu sehen. Stimmt das Verhältnis, ist ein "call" gerechtfertigt. Im 5., 6. und 7. Kapitel analysiert Harrington das Wettverhalten vor dem Flop, dem Turn (der vierten Karte) und dem River (der fünften Karte).
Das wirklich gute and siesem Buch ist, dass es Harrington nicht nur bei der grauen Theorie belässt, sondern das vorher Beschriebene an zahlreichen Beispielen verdeutlicht, bei denen man quasi mit am Tisch sitzt. Unzählige Spielsituation werden durchgegangen, um die richtige Spielweise zu verdeutlichen. Verinnerlicht man alles, was Harrington ausführt (was ziemlich viel ist) hat man gute Chancen, am Tisch erfolgreich zu spielen.