Ich kann mich dem Enthusiasmus meiner Vorgänger leider nur bedingt anschließen. Das Buch gibt zwar sehr genaue Anweisungen wie man sich in bestimmten Situationen verhalten sollte, das Warum kommt dabei aber leider oft zu kurz. Wenn er sich dann doch einmal um eine mathematische Begründung seiner Anweisungen bemüht, so sind die Rechnungen oft so stark vereinfacht, dass sie ganz einfach falsch sind.
z.B. rechnet er akribisch vor, dass es besser sei mit den nuts 3mal pot zu setzen als nur 3mal 60% pot, weil man dabei zwar weniger caller bekommt, diese dafür aber mehr zahlen müssen. Dabei geht er davon aus, dass nie gereraist wird, was natürlich totaler Schwachsinn ist. Wenn ich nur 60% setze tue ich das ja gerade um schwach zu wirken und den Cowboy gegenüber zum raisen zu verleiten. (Habe so selbst schon zigmal alle chips am flop reinbekommen)
Damit will ich nicht sagen, dass alle Theorien mathematisch belegt werden müssen, Harrington hat genug Erfahrung um zu wissen was er sagt aber wenn er es schon versucht dann auch richtig. Solche "Rechnungen" sind schließlich reine Papierverschwendung.
Harrington geht davon aus, dass sämtliche Entscheidungen mit dem Sekundenzeiger einer Taschenuhr randomisiert werden sollten, was es für Gegner, auch Profis absolut unmöglich machen soll mich auf eine Hand zu setzen, oder aber auch nur eine einzige Hand auszuschließen. Ein entscheidender Vorteil gerade in high stakes games aber:
1. Entscheidungen in deep stack cash games sind derartig komplex (verschiedene Starthände, Flops, Position; Anzahl und Spielstil der Gegner; preflop- flop- turn- und riveraction...) dass ich ernsthaft daran zweifle ob es irgendeinen Spieler gibt der in jeder Situation weiß zu wieviel Prozent er in welcher Situation was machen sollte.
2. Gute Spieler versuchen die Schwächen ihrer Gegner auszunützen, wenn ich glaube gegen einen Spieler gibt es nur eine richtige Spielweise dann werde ich so spielen, unabhängig davon was meine Uhr sagt.
3. Wenn ich den gleichen Sekundenzeiger für preflop und postflop Entscheidungen verwende ist das Ergebnis nicht mehr randomisiert, ich bräuchte genau genommen 4 Uhren, darauf sollte auch hingewiesen werden.
4. Wer sich ständig nach seiner Uhr richtet spielt ich wie ein bot, das mag zwar profitabel sein aber Poker sollte ja auch Spaß machen.
5. Ich gehe im Durchschnitt mit 2 Händen pro Stunde zum showdown. Ein Harrington der mit den gleichen Profikollegen seit Jahren spielt sollte seine Entscheidungen wahrscheinlich wirklich mittels Uhr randomisieren, für Gelegenheits- und low limit Spieler ist es meiner Meinung nach absolut ausreichend je nach Situation zu variieren und selbst Profis sieht man selten auf ihren Sekundenzeiger schielen.
Fazit: Ich bevorzuge die Bücher von Ed Miller und Sklansky trotzdem ist die absolute Randomisierung sicher einer von vielen Wegen zum Erfolg und wem es nicht zu blöd ist dafür 3 Bücher auswendig zu lernen dem kann ich nur viel Erfolg wünschen.
Wer sich dafür interessiert muss unbedingt alle 3 Teile lesen, da Band 1 beim flop play aufhört.