Gleich bei den ersten Tönen wird klar: soundmäßig und musikalisch hat sich nichts verändert bei Randy Newman; vielleicht ist er durch die Filmarbeit der letzten 9 Jahre noch etwas näher an den Ragtime herangerückt, aber es ist nun mal seine trademark, und: warum etwas ändern was großartig funktioniert und womit man der einzige auf weiter Flur ist?
Die Kompositionen gehören mithin zum Besten was Newman je geschrieben hat - insgesamt stärker als ,Bad Love', oder ,Land Of Dreams', genauso gut wie ,Trouble In Paradise' stilistisch aber eigentlich der Nachfolger von ,Good Old Boys'. Die Arrangements sind typisch Newman, bei zwei songs aber ganz groß: ,A Piece Of The Pie' mit seinen schrägen Bläsern und Harmonien untermalt den anklagenden schrillen Text - wie sehr man sich auch abrackert, wieviele jobs man auch hat, der amerikanische Traum kann nicht mehr erreicht werden - auf so wirkungsvolle Art und Weise, daß man fast Angst bekommt, und ,Korean Parents' glänz mit asiatischen musikalischen Zitaten wie sich US Bürger deren Musik vortsellen, bzw. aus China Restaurant Untermalungsmusik kennen - genau so subtil böse wie der Text, in dem es, nun ja darum geht wie US Bürger über die Erziehungstatktiken koreanischer Zuwanderer denken und warum Sie davor Angst haben. Hätte eine anderer als Newman diesen Text geschrieben, man hätte ihm sicher Diskriminierung vorgworfen, bei Newman weiß man aber es ist ein Spiegel, den er seinen Landsleuten vor die Augen hält, so wie bei ,Laugh And Be Happy', das eine Abrechnung mit dem Zweck, bzw. Zwangsoptimismus und den Durchhalteparolen mit denen die US Bürger geistig geknebelt werden, ist.
Das bemerkenswerteste an diesem Album ist aber, daß sich Nemwan's Einstellung zu seiner Heimat völlig geändert hat, was am Deutlichsten bei ,A few words in defense of our country' hervortritt: Newman hat Amerika aufgegeben, es wird Zeit sich einzugestehen, daß jedes Reich, jede Großmacht, jede Hochkultur irgendwann zu Ende geht, und so ist es jetzt mit den USA. So bißig, spöttisch und kritisch Newman auch immer gewesen ist, so war er doch auch immer Patriot und Optimist, der gern aufzeigte was falsch läuft und das tut er auch auf diesem Album, nur: er gibt Amerika keine Chance mehr, und da wirkt es nur verständlich, wenn er sich beim outro dieses Albums ganz in seine private Welt zurückzieht und ein rührendes großartiges Liebeslied über eine späte, aber große Liebe bringt, auf eine Art und Weise wie es nur ein ganz großer kann - Amerika mag zum Teufel gehen, aber ihm selbst geht es gut.