Aller Anfang ist bekanntlich schwer, das dürfte auch für solche Musiker gelten, die prominente Väter haben. Vermutlich war das einer der Gründe, warum sich Harper Simon soviel Zeit gelassen hat, bis er sein erstes Album veröffentlicht hat. Wie schon von anderen Rezensenten geschrieben, die Nähe zu Vater Paul ist stellenweise hörbar. Darüber hinaus erinnert mich Harper Simon jedoch eher an aktuellere Künstler wie Matt Costa (speziell bei Titeln wie "Tennessee"), was der Qualität natürlich keinen Abbruch tut. Costa-Fans werden an diesem Album ihre helle Freude haben, während der eine oder andere Verehrer von Simon & Garfunkel möglicherweise enttäuscht sein wird. Ich falle glücklicherweise in beide Kategorien und habe daher in jedem Fall meine Freude an diesem Album.
Simon schafft es, Pop-/Folk-Klänge stellenweise in die Nähe des Country zu rücken - eben das schon erwähnte "Tennessee", hat aber auch Platz für Balladen. Betrachtet man ihm losgelöst von seinem Vater, was man ihm ebenso wie Julian Lennon oder Jakob Dylan schuldig ist, hat er ein solides, gut anhörbares Album abgeliefert, welches über verschiedene Genres hinweg die Hörer erfreuen dürfte - er macht nämlich einfach schöne Musik, die einerseits nicht exotisch ist, andererseits aber auch meilenweit von seichtem Dahinplätschern entfernt. Bleibt nur die Frage offen, ob man auch ohne den großen Namen über ihn gestolpert wäre? Ich weiß es nicht, hoffe es aber. Ebenso wie ich hoffe, dass Harper Simon mit einem nächsten Album nicht wieder 38 Jahre auf sich warten lässt :)