"Harmonielehre" (1985) des amerikanischen Postminimalisten John Adams, benannt nach einer Abhandlung von Arnold Schönberg, ist ein 40-minütiges Orchesterwerk, das wie eine Mischung der Musik von Gustav Mahler und Philip Glass tönt. Diese grossartige Kombination von gewaltiger orchestraler Wucht mit repetiven, minimalistischen Mustern ist allein 5 Sterne wert.
Der erste Satz von "Harmonielehre", eine grosse U-Form, beginnt laut und lärmend. Als Bild muss man sich einen Tanker vorstellen, der in die Bucht von San Francisco einläuft. Dann schwingt die Musik ab und fliesst ruhig dahin, bevor sie am Schluss wieder laut ansteigt. Der zweite Satz fliesst relativ ruhig dahin und mündet schliesslich im Höhepunkt in einen schrillen Akkord, der den berühmten Katastophenakkord aus dem Adagio der unvollendeten 10. Sinfonie von Gustav Mahler zitiert. Der dritte Satz schreitet in gemächlicher Bewegung fort, bevor er im grossen Finale endet. Als Hörtipp sollte man sich zuerst das Mahler-Adagio und im Anschluss John Adams "Harmonielehre" anhören.
"The Chairman Dances" (1987) aus Adams erster Oper "Nixon in Paris" ist ein witziger 12-minütiger "foxtrot for orchestra". Die beiden 4-minütigen Fanfaren sind vor allem schnell und weniger überzeugend.