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Harmonia Caelestis
 
 
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Harmonia Caelestis [Taschenbuch]

Peter Esterhazy , Terezia Mora
2.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Taschenbuch, 2003 --  

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Produktinformation

  • Taschenbuch
  • Verlag: Berlin Verlag, Berlin; Auflage: 1 (2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442761611
  • ISBN-13: 978-3442761616
  • Größe und/oder Gewicht: 18,4 x 11,8 x 5,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 863.938 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Péter Esterházy
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.at-Redaktion

Eine idyllische Familiensaga sollte man nicht erwarten, wenn der Schriftsteller Péter Esterházy die Erbschaft seines klingenden Namens -- "wer vermöchte all jene süßen Echos aufzuzählen" -- antritt. Auch der Titel darf nicht irreführen: Harmonia Caelestis heißt eine Sammlung sakraler Gesänge, die Paul Esterházy 1711 in Wien herausgab. In Péter Esterházys literarischer Chronik seiner jahrhundertelang als Inbegriff von Glanz und Gloria geltenden Aristokratenfamilie, die im kommunistischen Ungarn schließlich ihren bitteren Niedergang fand, gewinnt der Titel freilich eine vielschichtig ironische Dimension.

Harmonia Caelestis besteht aus zwei großen Teilen: Das erste Buch "Numerierte Sätze aus dem Leben der Familie Esterházy" versammelt 371 Textabschnitte, die ohne Chronologie durch die Jahrhunderte springen, ein Vexierspiel aus historischen Episoden, kuriosen Anekdoten, traurigen und heiteren Reverien, in denen der Vater als allgegenwärtige Chiffre fungiert. Die literarische Genealogie vergegenwärtigt noch einmal das "Esterházysche Feenreich" (Goethe), als könne sie erst so dessen Entzauberung richtig nachvollziehen. Denn dieser widmet sich das zweite Buch "Bekenntnisse einer Familie Esterházy", das von ihrem Schicksal im Ungarn des 20. Jahrunderts erzählt. Es ist die bewegende Geschichte von Enteignung, Unterdrückung und den Versuchen, sich trotz des plötzlich verfemten Namens in der Diktatur zu behaupten.

Der Kontrast zwischen dem Alles und dem Nichts, die Falltiefe innerhalb der Familiengeschichte birgt natürlich großes dramatisches Potenzial, das Esterházy mit seinem Reichtum an Stilmitteln meisterhaft in Sprache zu setzen versteht. Dabei sprühen immer wieder -- oft an überraschender Stelle -- humoristische Funken, etwa wenn sich in ein seitenlanges, altes Register wertvollen Mobiliars aus ehemaligem Familienbesitz plötzlich banale Alltagsgegenstände wie "1 klein schwartz kasstl cum instrumentis scriptorijs, in concreto Kugelschreiber mit Tesafilm umwickelt" einschleichen. Das scheinbar Spielerische, mit dem sich Esterházy auch in den tragischen Episoden vor jeglichem Pathos bewahrt, harmoniert bestens mit seinem scharfen, ungetrübten Blick für Menschliches und Allzumenschliches, der auch vor dem Grausamen und Lächerlichen nicht zurückscheut.

Knapp zehn Jahre schrieb Péter Esterházy an Harmonia Caelestis, seiner schriftstellerischen Bändigung der persönlichen Erblast. Das Ergebnis ist nicht nur wegen der über 900 Seiten ein großes Buch: gleichermaßen literarisches Denkmal einer berühmten Aristokratenfamilie und fassettenreiches Erinnerungsprotokoll, gesättigt mit ungarischer und europäischer Geschichte, Opus magnum, als auch fesselnde Studie der menschlichen Natur in der ewigen Grenzsituation zwischen Herkunft und Zukunft. "Auch wenn es aus der Wirklichkeit geschöpft wurde, sollte man es lesen, als wäre es ein Roman, und nicht mehr und nicht weniger davon erwarten, als ein Roman zu geben vermag (alles)." --Mathis Zojer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Perlentaucher.de


Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 07.09.2001
Der Tag, an dem dieses Buch in Deutschland erscheint, ist für Lothar Müller ein "Festtag für die europäische Literatur". Nun habe alle Welt damit gerechnet, dass "der große Roman, mit dem Europa vom zwanzigsten Jahrhundert Abschied nimmt", aus Amerika kommen würde - doch nun ist es ein Roman geworden, der aussehe wie die "Frucht eines Seitensprungs der avancierten Moderne mit dem Barock". Müller kann kaum genug lobende Worte finden, so begeistert ist er von diesem Band: Er lobt es als "unangestrengt durchtrieben" wie kaum eines sonst, voll mit Geschichte und Gegenwart, Witz und Trauer. Esterházy geht, wie der Leser erfährt, auch seiner Familiengeschichte nach, zu Recht, wie Müller findet, denn ergiebig ist diese wie kaum eine europäische sonst. Und so kommen die Türkenkriege hier genauso vor, wie Churchill, Wilhelm II. und die eigene Kindheit des Autors. Müller betont allerdings, dass Esterházy weit entfernt ist vom "neudeutsch-treuherzigen Entlangschreiben an der eigenen Kindheit und Jugend". Die Abschnitte seien eher die "Parodie einer Ordnung", und auch als historischen Roman könne man das Buch nicht verstehen. Nach Müller gleite der Erzähler eher wie ein "Luftgeist" durch die Generationen, was Müller ausgesprochen anregend findet. Auch die Übersetzung durch Terézia Mora findet der Rezensent "hervorragend".

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Die Zeit, 11.10.2001
"Bedeutend kompliziert" - so kennzeichnet Jens Jessen das Werk des Autors, bedeutend kompliziert ist auch dieses Buch. Schon weil es allerhand Aufwand braucht, um dem bei einer "Wiedereroberung der Familienidentität" drohenden "Nostalgiepotenzial" auszuweichen, wird das so sein. Jessen zählt auf: Figuren, Schnurren, Anekdoten, Zitate, Anspielungen und Bildungsfrüchte die Fülle, ein "überbordender Aufbau", der an den großen lateinamerikanischen Roman der 60er, 70er erinnert, ein babylonisches Stimmengewirr. Aber auch was fehlt, benennt Jessen: der Wille zur Konstruktion eines Garcia Marquez etwa, der handwerkliche Aufwand eines Vargas Llosa, das realistische Prinzip, die Chronologie. Stattdessen dieses "kapriziöse, elliptische, sprachskeptische Nichterzählen," dieses dialektische Spiel aus Mythologie und Aufklärung - das dem Rezensenten immerhin recht bedeutend erscheint.

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2001
Angesichts der "Überfülle" des Romans hatte Rezent Lorenz Jäger einige Mühe, nicht im Anekdotenstrom unterzugehen. Und nach neunhundert Seiten sah er auch für den Gutwilligsten den Moment gekommen, wo man gern auch einmal klare Sätze, statt endloser, an Dinge und Ereignisse geknüpfte Assoziationsketten lesen wollte. Die Gutwilligkeit hat er zuvor heroisch unter Beweis gestellt. Fair und ohne Unterton schildert er Esterhazys Projekt, den Aufstieg und Niedergang der Esterhazys zu erzählen. In dieser Familie erblicke man "Ungarns schönsten Glanz", schreibt Jäger und ihre Geschichte sei "gar" mit der Geschichte Ungarns identisch". Immer wieder sieht er historische Namen aufblitzen, vom jungen Goethe bis Churchill und Georg Lukacs. Das Adelsgeschlecht der Esterhazys habe "Politiker, Diplomaten und Ministerpräsidenten" hervorgebracht und sei "europäisch verbunden" wie sonst nur die Rothschilds. Entschädigt für die vielen überflüssig aufgeblätterten Seiten dieses illustren Familienalbums haben den Rezensenten schließlich die "Erzählungen über die ungarische Räteregierung unter Bela Kun". Jede Darstellung dieser Epoche begebe sich auf ein Minenfeld. Esterhazys Darstellung zählt Jäger zu den "großen Partien des Romans". Ihrer Gerechtigkeit sei neu und weise in die Zukunft.

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 10.10.2001
Esterhazys gab es viele. Der Autor schöpft aus dem Vollen - die Sippschaft ist groß, die Familiengeschichte lang, zumal wenn man es nicht so genau nimmt wie der hier besprochene Autor, den Lutz Hagestedt für einen ganz großartigen und eigenwilligen Erzähler hält. Man darf sich also keinen sentimentalen Epochenroman vorstellen, der die K.u.K.- oder Revolutionszeit wiederaufleben lässt, sondern vielmehr - im ersten Teil - eine Art "Springprozession durch die Geschichte der Gewalt". Mosaikförmig werden hier Namen, Anekdoten, Ereignisse der ungarischen Geschichte zusammengetragen - wie gesagt, der Esterhazys waren viele. Der zweite Teil, mit einem Ich-Erzähler im Alter des Autors, lässt eher schon lineares Erzählen zu, meint Hagestedt. Nichts dürfe man weniger vom Autor erwarten, als dass er um die große Vergangenheit trauere. Der Roman als spöttischer Befreiungsschlag, der die verschiedensten Genres, Jargons, Manierismen transportiert; mal mit Pathos, mal ironisch, mal volksnah. Die Übersetzerin jedenfalls, lobt der Rezensent, hat den andauernden Registerwechsel bravourös nachvollzogen. Und ausnahmsweise wird auch mal ein gutes Lektorat gelobt.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
43 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein epochaler Roman 3. Dezember 2001
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Esterhazy gelingt mit diesem Buch der Anschluß an die großen Erzähler des 20. Jahrhunderts wie Th. Mann und Grass. In einer Sammlung sich immer wieder öffnender und nur scheinbar schließender Fragmente in Form numerierter Absätze spiegelt im ersten Teil ein stilisierter "Mein Vater" die Geschichte einer Familie im Spannungsfeld von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft wider.
Der zweite Teil gestaltet sich feiner verzahnt aber ebenso offen wie der erste und schildert eine scharfe Abrechnung mit dem Kommunismus aus der Perspektive einer zugrunde gegangenen großen Aristokratenfamilie.
Mit Witz, Ironie und augenzwinkerder Sprachkritik schreibt Esterhazy ein Buch, an dem der Leser schwer zu schlucken und zu verdauen hat aber dafür mit Sätzen belohnt wird, die mit jedem wiederholten Lesen neue Impulse geben - Döblin hätte wohl seine wahre Freude an diesem Werk gehabt...
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Rätselraten 18. Oktober 2010
Format:Taschenbuch
Hier ist also wieder so ein Buch: hochgelobt von Kritikern und Rezensenten, gefeiert im Feuilleton führender Blätter, gewissermassen gekrönt mit prestigeträchtigen Preisen. Auch auf dieser Website viel Lob. Alles in allem: gute Gründe, sich dieses Buch auf Weihnachten wünschen zu lassen. Was ich denn auch tat. Dann die Lektüre. Nun, man konzediert gerne, dass der Einstieg in ein solch literarisches Werk etwas schwieriger ist. Also durchhalten, auch wenn die ersten 50 Seiten schwierig waren. Doch je weiter man sich "vorkämpft", desto mehr beschleicht einen das ungute Gefühl: Bin ich zu dumm, um das zu begreifen? Warum geht es hier überhaupt? Alle sagen doch, was das für ein tolles Buch sei (Beitrag zur europäischen Literatur etc. etc.)....doch für mich bleibt es unergründlich. Ich finde den Text prätentiös, kapriziös, autistisch, auch chaotisch. Weder spannend noch wirkich kontemplativ.
Nun, das Buch scheint den Vorteil zu bieten, dass es in zwei Abschnitte unterteilt ist: einen ersten, die "nummerierten Sätze" der Familie Esterhazy, daherkommend als eine Art Anekdotensammlung (oder doch nicht? Ich fand's jedenfalls nicht sehr anekdotisch), und dann einen zweiten Abschnitt, der gemäss Kritik und Rezensionen den Niedergang der Familie im 19. und 20. Jahrhundert beschreibt. Nachdem ich im ersten Abschnitt nach etwa 120 Seiten aufgab, voller Rätselraten, was ich da wohl gelesen habe, wagte ich mich an den zweiten Abschnitt, in der Hoffnung, wenigstens dort leserischen Tritt zu fassen. Nun, diese Schwelle vermochte ich dann zwar zu nehmen....aber der Text zog sich zäh dahin. Es war eine Qual, die ich nach ebenfalls ca. 120 Seiten beendete.
Wie gesagt: es bleibt das Gefühl, "es" (was denn eigentlich?) nicht begriffen zu haben. Andere mögen es "verstanden" haben. Doch für meinen Teil muss ich sagen: nein, empfehlen würde ich diesen Schinken nicht.
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14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Man muss sich darauf einstellen, dass man, nachdem man die Übertragung der Verleihung des Friedenspreises an Peter Esterhazy live im Fernehen gesehen hat, sich bei seiner Dankesrede vor Lachen vom Sofa warf um danach umgehend die Harmonia Cealestis zu kaufen, unmittelbar bei Beginn der Lektüre von der Komplexität und dem Anspruch des Autors an den Leser erschlagen wird.
Die Familiengeschichte Esterhazy stellt sich nicht deshalb als immens komplex dar, weil sie immens komplex wäre - zumindest nicht mehr als bei dem Stammbaum zu erwarten wäre -, sondern aus dem Grunde, dass der Autor auf einen durchgehenden Erzählfaden weitgehend, um nicht zu sagen vollkommen, verzichtet. Stattdessen dreht sich die Erzählung fortwährend um sich selbst und um die wechselnden Rahmenbedingungen der Familiengeschichte. Dabei ist die zeitliche Erzählperspektive des Romans, nämlich dass "unabhängig von den Jahrhunderten" immer von "meinem Vater" gesprochen wird, wenngleich gewöhnungsbedürftig so doch nicht ablenkend vom eigentlichen Anliegen des Werkes.
Wer jedoch glaubt, sich den Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels als intellektuelles Alibi ins Bücherregal zu stellen und dann in leichter Gesellschaft auf eloquente Art und Weise den flüssig angelesenen Esprit von Esterhazy zum Besten geben zu können, der sei ausdrücklich gewarnt: Temporale und durchnumerierte Textversatzstücke ohne durchgehenden Bezug zueinander überfordern jeden, dessen literarisches Niveau bei fairer Selbsteinschätzung nicht über gelegentliche oder auch tägliche BILD-Lektüre hinausgeht, vermutlich gewaltig. Ein gewaltiges Lob ist überdies der Übersetzung auszusprechen, da frühere Werke von Esterhazy für Nicht-Landsleute noch unverständlicher waren, als man dies - vermutlich nach lustloser Lektüre - der Harmonia Caelestis auch schon gelegentlich vorgeworfen hat. Wer sich hingegen die Mühe macht, sich dieses Werk zu erarbeiten, wird mit Textzeilen und -passagen belohnt, welche sich vollkommen problemlos neben Grass und Mann sehen lassen können.
In jeder Hinsicht ein epochales Werk, zumal in der "verbesserten Ausgabe".
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