Gerade die Familie zu interviewen, die mit Veit Harlan zu tun hat, ist hochinteressant.
Wie Kinder und Enkel einen Mann wahrnehmen, der nach dem Krieg als der Nazi-Regisseur Nr. 1 bezeichnet wurde.
Welzer hat untersucht, wie die Enkel das Verhalten ihrer Grosseltern im dritten Reich wahrnehmen. Wie sehr von der Abwendung der Kinder zur einer Vergebung durch die Enkel.
Man kann feststellen, dass Kinder und Enkel ihre je spezifischen Verbindungslinien zu dem umstrittenen Veit Harlan haben. Teilweise arbeitet man sich an Veit Harlan ab, der ältere Sohn Thomas oder die Enkelin, deren Mutter an dieser Familiegeschichte zerbrochen ist, Selbstmord.
Hochinteressant, wie selbst in der Kritik noch viel Verständnis entwickelt werden kann, sicher auch durch die Erfahrung, die man selbst mit Diskriminierung nach dem Krieg gemacht hat. Teilweise hatte Harlan die Funktion eines Sündenbocks und das bekamen die Kinder natürlich mit, die darauf sehr unterschiedlich reagierten, wie etwa Thomas Harlan.
Man sieht zugleich die Vielfalt der Reaktionen, wie etwa der Sohn Christian oder die Schwester Maria ( die dennoch den Namen Harlan abgelehnt hatte).
Ein sehr sehenswerter Dokumentarfilm!