Nach seinem Länderlexikon von 1998 hat Harenberg erneut einen Wälzer auf den Markt gebracht, den man nicht aus der Hand legen mag, sobald man darin zu blättern beginnt. Das Staatenlexikon behandelt laut Untertitel die Geschichte aller Staaten im 20. Jahrhundert. "Aller" Staaten? Gewiss. In einem geographischen Nachschlagewerk würde man eigenständige Kapitel zum Osmanischen Reich, zu Österreich-Ungarn oder Tibet wohl vergeblich suchen. Hier wird man fündig und hat schnell die Brücke zwischen Geografie und Geschichte geschlagen.
Ein Reiz des Buches liegt in seiner Bebilderung, bei der man einige vertraute Motive entdeckt: Lech Walesa - noch so präsent, doch schon wieder so lange her; Expo 1998 in Lissabon - schon die Expo in Hannover ist ja längst Geschichte.
Es sind aber auch die unbekannten Motive, die neugierig machen, sich mit einzelnen Ländern auseinander zu setzen: Wann und warum wurde der britische "Union Jack" im iranischen Isfahan gehisst? Ist es tatsächlich noch keine 100 Jahre her, dass deutsche Schutztruppen in Togo einen Aufstand niederschlugen?
Daneben geben tabellarische Abrisse schnelle Überblicke, Sonderthemen wie der RGW oder die Hutu und Tutsi in Ruanda erleichtern die Orientierung. Während des Blätterns fällt einem dann auf, dass das Buch ja nicht Lesebuch, sondern klassisches Nachschlagewerk sein will.
Das Harenberg Staatenlexikon kann denjenigen empfohlen werden, die für historische Übersichten nicht im Internet nach einem Land recherchieren wollen.