Der insgesamt sehr kenntnisreiche Buddhismus-Teil des Lexikons weist leider einige kleinere Ungenauigkeiten auf, auf die im Folgenden hingewiesen werden soll. Die Terminologie, die für einige zentrale Lehrbegriffe des Buddhismus gewählt wurde, ist teilweise etwas eigenwillig, wird vom Herausgeber aber mit nachvollziehbaren Argumenten philologisch begründet. Er versucht, auf den ursprünglichen Sinn der Pali-Worte zurückzugehen und spricht daher von 'Freiort' statt von 'Zuflucht', 'trefflicher Achtsamkeit' (samma sati) und 'inneren Zwängen' statt von 'kleshas' (Befleckungen).
Bei den Bildunterschriften der zahlreichen Abbildungen und in dem zweiseitigen Einleitungstext haben sich jedoch einige bedauerliche Fehler eingeschlichen.
So steht S. 632 folgende merkwürdige Aussage: 'Im Mittelpunkt steht die Befreiung der Menschen von allen Fesseln der Existenz auf dem Achtfachen Pfad zum Nirwana. Insofern ist der Buddhismus eine Form der Esoterik, die zugleich eine maßgebliche Orientierung für die Bewältigung der irdischen Existenz zum Inhalt hat.' Da der Begriff 'Esoterik' in der Umgangssprache heute weitgehend negativ verwendet wird, und in der Vergangenheit von Theosophen u.a. mit dem Etikett 'esoterischer Buddhismus' viel Unfug getrieben wurde, ist diese Formulierung bedenklich. Der Name des bekannten Theravada-Meisters Ajahn Chah wird falsch als 'Ajahn Waan' geschrieben, auf Seiten 697 und 699 wird das ursprünglich dort stehende, wichtigste dritte Daseinsmerkmal weggelassen, beim Bild auf S. 756 wird der (männliche) Buddha Vajradhara als 'Göttin der Weisheit' bezeichnet. S. 635 wird der zweite Dalai Lama auf einmal zum 'bedeutendsten tibetischen Priesterfürst' - dabei war es erst der 'Große Fünfte', der die politische Macht über ganz Tibet übernahm. Ich bin mir auch nicht sicher, ob das Bild überhaupt einen der Dalai Lamas zeigt, wahrscheinlich handelt es sich eher um eine Statue von Tsongkhapa. Das Bild auf S. 702 ist seitenverkehrt. Unhaltbar ist die Bildlegende auf S. 746 (Stupa von Swayambunath): 'Auf einem Hügel westlich von Kathmandu fand der legendäre Patriarch Mañjushri einst die Lotusblüte.' In der nepalesischen Legende ist vielmehr davon die Rede, dass der Bodhisattva Mañjushri das ursprünglich geschlossene und von einem See bedeckte Kathmandu-Tal mit einem Schwertschlag nach Süden geöffnet habe, so dass das Wasser abfließen und das Tal besiedelt werden konnte.
Bedauerlich ist auch, dass der tantrische Buddhismus als 'Dritte Drehung des Rades der Lehre' bezeichnet wird. Das entspricht nicht dem traditionellen Sprachgebrauch, der als 'Dritte Drehung' eine besondere Kategorie von Mahayana-Sutren bezeichnet, in denen die Nur-Geist-Lehre (Cittamatra) verkündet wird, wie z.B. im Lankavatara-Sutra oder dem Samdhinirmocana-Sutra. Die tantrische Überlieferung wird in Asien normalerweise nicht als eigene 'Raddrehung' bezeichnet.
Ähnliche Fehler haben sich auch in den Hinduismus-Teil eingeschlichen, so steht z.B. im Artikel über die Göttin Kâlî auf S. 600: 'auf ihrem Körper tanzt ihr Gatte Shiva' - ganz im Gegenteil, Kâlî steht stets triumphierend auf dem reglosen Shiva. Die Figur, die der tanzende Shiva zu Boden drückt, ist nicht Kâlî, sondern ein Zwerg, der Unwissenheit symbolisiert.
Es bleibt zu hoffen, dass diese Fehler bei einer Neuauflage ausgebessert werden. Abgesehen von diesen kleineren Fehlern enthält der Buddhismus-Teil viele nützliche Informationen, die in den bisher auf Deutsch erschienenen Buddhismus-Lexika noch nicht zu finden waren.