Mogwai klangen immer so ziemlich wie Mogwai. Ihr Debut "Young Team" [1997] war im Vergleich zu z.B. "Rock Action" [2001] relativ inhomogen; "Come On Die Young" [1999] hatte ein paar Längen und einen auffällig kleinen Wall-Of-Noise-Anteil; "The Hawk Is Howling" [2008] war die einzige Mogwai-Platte, auf der es gar keine Vocals gab. Aber im Großen und Ganzen wußte man, was einen erwartete, wenn ein neues Mogwai-Album ins Haus stand: Schwerpunktmäßig instrumentale Musik mit elektrischen Gitarren, Keyboards und Schlagzeug; einfache kompositorische Mittel, die sich im Laufe des immer größer werdenden Oevres zunehmend selbst zitierten, ohne daß sich Mogwai-Fans auch nur im Mindesten dran störten; Stücke, deren Länge zu 95% reguläre Pop-Formate sprengte; die maximale Auslotung der Parameter "laut", "leise", "lieblich" und "ultrabrachial". Dazu gab es vereinzelt Gesang, entweder sensibel gehaucht wie von Stuart Braithwaite auf dem zum-auf-die-Knie-fallen schönen "Take Me Somewhere Nice" oder durch Verfremdungsgeräte gesungen. Das war's eigentlich.
"Hardcore Will Never Die, But You Will" - das ist so ein typischer Mogwai-Albumtitel: Mehr oder weniger Zunge-in-Wange, gewinnt aber in Relation zu Mogwais mächtiger Musik etwas Furchteinflößendes. Die Platte, die so heißt, bricht nicht total mit dem Gewohnten, aber man kann doch sagen: Sie ist in weit höherem Maße anders, als bisher andere Mogwai Platten anders waren als andere Mogwai-Platten. Sie ist insgesamt kompakter. Die Dynamik fällt nicht mehr ins Bodenlose (bzw.: Sie steigt nicht mehr zum Himmel empor.), statt dessen gibt es in vielen Stücken auf gleichbleibend hohem Niveau, nur von 1-2 Atempausen unterbrochen, eine relativ dicke Wand-of-sound, so wie man es z.B. bei "Glasgow Mega Snake", dem Hit von der 2006er "Mr. Beast" gern mochte. Lediglich der letzte Track, das über 8minütige "You're Lionel Richie", steht ganz in der bisherigen Mogwai-Tradition. "Letters To The Metro" deutet auch noch in diese Richtung, aber das Meiste geht einen Schritt weiter; und der heißt auf dieser Platte vor allem: Geschwindigkeit. Mogwai waren immer LANGSAM, nicht selten unterhalb von 80bpm. "Mexican Grand Prix", das nunmehr schnellste Mogwai-Stück aller Zeiten, liegt hingegen locker bei 150bpm, also fluffigem Uptempo, wie es in vielen Indie-Rock-Songs vorkommt. Das ist verdammt SCHNELL für Mogwai-Verhältnisse, glatt 2x so schnell wie manches frühere Stück. "San Pedro" marschiert nur wenig später in saftigem Midtempo und hat moll-lastige Single-Note-Riffs. Hatte man so bisher auch noch nicht von Mogwai gehört. Man wartet angesichts eines Eindrucks von Rock-Konventionalität auf Gesang, aber der kommt natürlich nicht. Noch nie klangen Martin Bullochs Drums so muskulös und knallig (An anderer Stelle eiert er auch wieder ein wenig, wie er das immer getan hat). Und das mit Vocodergesang ausgestattete "George Square Thatcher Death Party" ist das erste Mogwai-Stück, zu dem man (mit gedachtem Kursiv-Druck, zur Sicherheit) "Hymne" sagen kann. An diese Neuerungen muß man sich natürlich erstmal gewöhnen. Fest steht, daß sich trotz angetretenem Gaspedal bald wieder der alte Mogwai-state-of-mind einstellt, diese Mischung aus Melancholie, Zerstörungswut, Zärtlichkeit, Triumph und dem Gefühl, eine mindestens 50 Meter hohe Walze aus angelaufenem Silber zu sein. Man sollte sich nicht zu sicher sein, daß es musikalisch ab jetzt so weitergeht. Genausogut könnten sie als nächstes wieder eine Platte in der Art von "Happy Songs For Happy People" [2003] machen. Bis dahin hat man das, was sich jetzt wie Irritation anfühlt, längst verarbeitet und "Hardcore Will Never Die, But You Will" zu den anderen, tollen Mogwai-Platten gestellt.