Serien, die schon lange laufen, lassen normalerweise irgendwann nach. Nicht jedoch die Serie um die Detektivin V.I. Warshawski. Sara Paretsky hält seit vielen Jahren ein gleichbleibend hohes Niveau, und auch der 13. Fall ist wieder gewohnt spannend und gesellschaftskritisch.
V.I. soll für eine im Sterben liegende Afroamerikanerin deren verschwundenen Neffen finden. Allerdings ist der Gute schon recht lange verschwunden, nämlich seit 40 Jahren. Ein unmögliches Unterfangen also? Nicht für Vic, und erst recht nicht, wenn das damalige Verschwinden mit aktuellen Ereignissen in Zusammenhang steht.
Gleichzeitig kommt Vics junge und überschwängliche Cousine Petra nach Chicago, um den Wahlkampf eines Kandidaten zu unterstützen, und verschwindet plötzlich spurlos.
Beide Handlungsstränge hängen mit der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre zusammen. Damals gab es einen gewaltsamen Tod während einer Rede von Martin Luther King, dessen Auswirkungen bis in die heutige Zeit reichen und zum Tod einer Nonne führen.
Vic muss also einen alten Mord aufklären, um den neuen Mord und die Entführung aufklären zu können. Wie immer ist sie dabei auf die Hilfe ihrer alten Freunde angewiesen, und wie immer muss sie bis an ihre körperlichen Grenzen gehen. Diesmal spielt aber auch noch ihre eigene Familiengeschichte in den Fall hinein. Ihr Vater hat bei den damaligen Ereignissen eine undurchsichtige Rolle gespielt. War er doch nicht der moralisch einwandfreie Held, für den sie ihn immer gehalten hat?
Was mir an der Protagonistin schon seit dem Anfang der Serie gefällt, ist ihr soziales Engagement und ihre politische Einstellung. Und auch diesmal werden die gesellschaftlichen Missstände angeprangert, auch diesmal ist der Krimi politically correct.
V.I. Warshawski war eine der ersten feministischen Ermittlerinnen, und es ist schön, dass sie immer noch so gerechtigkeitsliebend, kämpferisch und sozial ist, wie am Anfang.
Dies ist und bleibt daher eine meiner Lieblingskrimireihen.